In diesem Jahr dürften die Basler das Rennen für sich entscheiden und die Zürcher auf den letzten Platz verweisen. Laut den Prognosen der Konjunkturforschungsstelle BAK Basel Economics für 2009 wird in Basel die Wirtschaft nur um 0,5% schrumpfen. In der Region Zürich/Aargau erwarten die Ökonomen dagegen einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,5%.

«Dies hängt in erster Linie mit der Branchenstruktur zusammen», sagt Urban Roth, Senior Economist von BAK Basel Economics. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in der Schweiz sind der Life-Science-Standort Basel und die Finanzmetropole Zürich auf Gedeih und Verderb von einer einzigen Branche abhängig.

In wirtschaftlich guten Zeiten sind jeweils beide Wirtschaftsregionen überdurchschnittlich gewachsen. Bereits im vergangenen Jahr haben sich dann aber in Zürich die ersten Spuren der Finanzkrise gezeigt. Und mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8% lag die Region bereits 2008 am Schluss der regionalen Rangliste.

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2010 wachsen alle Regionen

Doch dies dürfte sich bereits im nächsten Jahr ändern. Für 2010 prognostizieren die meisten Konjunkturforschungsinstitute wieder ein leichtes Wachstum für die Schweizer Wirtschaft (siehe Tabelle).

Die BAK-Prognose für das reale BIP liegt bei 0,5%. Dabei wird die Region Zürich/Aargau im nächsten Jahr bereits wieder zum Mittelfeld zählen, und zwar mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6%. «Der Finanzsektor wird sich 2010 allmählich wieder erholen», erklärt Roth. Damit liegt Zürich aber nach wie vor hinter Basel zurück, wo die Basler Ökonomen im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,1% erwarten. «Am schwächsten werden die Regionen abschneiden, in denen Unternehmen aus der Investitionsgüterindustrie, dem Tourismus und der Bauindustrie angesiedelt sind», so Roth. Dies seien allen voran die Südschweiz und die Ostschweiz.

Anstieg der Arbeitslosigkeit

In der Ostschweiz ist zuletzt auch die Arbeitslosigkeit deutlich angestiegen. Im August 2009 hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Und für 2010 erwarten die BAK-Ökonomen in der Ostschweiz mit 1,5% den stärksten Rückgang bei der Erwerbstätigkeit.

Auch in den anderen Schweizer Regionen wird die Wirtschaftskrise erst im kommenden Jahr so richtig auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Während die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt 2009 in Basel noch leicht steigen dürfte, wird für 2010 ein Rückgang von 0,8% prognostiziert. In Zürich/Aargau dürfte die Erwerbstätigkeit um 1,1% sinken. Für die nächsten Jahre zeichnet sich aber ab, dass sich die beiden Wirtschaftsstandorte Basel und Zürich wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden. Für beide Regionen erwartet die Konjunkturforschungsstelle ab 2010 bis 2015 ein überdurchschnittliches reales BIP-Wachstum: Konkret wird für Zürich/Aargau 2,0% prognostiziert, für Basel 2,5%.

Basel kann also noch eine Weile davon profitieren, weit weniger stark von der Finanzkrise getroffen worden zu sein als Zürich. Auch wenn bei den Extremfällen Basel und Zürich die Branchenstruktur für die Wirtschaftsentwicklung entscheidend ist, hat die Attraktivität des Standorts mittelfristig einen Einfluss: «Zürich hat im Vergleich zu Basel mit der guten internationalen Erreichbarkeit und der ETH Standortvorteile, die sich über die Jahre auszahlen», so Roth.