Es war ein überschaubarer Deal: Die Migros kaufte für 3,34 Mio Fr. Charles-Vögele-Aktien und hält neu 10,33% an der Textilkette. Doch weil die Migros die meldepflichtige (und psychologisch wichtige) Beteiligungsgrenze von 10% überschritt, musste sie die Transaktion offenlegen. Prompt schiessen die Spekulationen ins Kraut: Steckt hinter der Beteiligung wirklich nur ein «rein finanzielles Engagement», wie Migros-Sprecher Urs-Peter Naef seit dem Einstieg vor gut einem Jahr mantramässig wiederholt? Manches scheint zumindest fragwürdig.

Erstmals meldete die Migros am 13. Februar 2008 eine Beteiligung an Vögele, damals in der Höhe von 3,16%. An der Börse notierte die Aktie zu der Zeit um 92 Fr. Heute liegt sie noch bei 41 Fr. Das macht ein dickes Minus von 56% für das Migros-Paket - ein erfolgreiches Finanzinvestment sieht anders aus. Migros-Finanzchef Jörg Zulauf sagte im April gegenüber der «Finanz und Wirtschaft», dass bei der Migros ein Anlagehorizont von zehn Jahren üblich sei. In der Tat kann bis dahin noch viel passieren.

Weit seltsamer dagegen ist die Aussage von Migros-Chef Herbert Bolliger Ende Juli in der «Aargauer Zeitung». «Wir setzen uns im Moment nicht mit der Frage auseinander, ob wir unser Engagement reduzieren oder ausbauen.» Gut zwei Wochen später kauft Migros nun doch zu. Wie es zu diesem Entscheid kam, will Migros-Sprecher Naef nicht kommentieren.

Anzeige

Will Migros Vögele Schweiz?

Steckt hinter der Migros-Beteiligung eben doch mehr als eine finanzielle Absicht? Sicher ist, dass die Migros-Verantwortlichen auf den neuen Vögele-Chef André Maeder deutlich kleinere Stücke halten als auf dessen verstorbenen Vorgänger Daniel Reinhard. Mit Reinhard an der Spitze konnten sie sich vorstellen, eng mit der Modekette zusammenzuarbeiten und gar gemeinsam einzukaufen. Nachdem das Projekt in den letzten Monaten Migros-intern ein paar Mal hin- und hergeschoben wurde, ist klar: Es wird unter den neuen Voraussetzungen keine vertiefte Zusammenarbeit geben.

Dass sich die Migros aber durchaus vorstellen kann, das Schweizer Geschäft von Vögele zu übernehmen, ist ein offenes Geheimnis. In der Branche heisst es, Migros hätte die Schweizer Aktivitäten längst gekauft, wenn es diesen Bereich alleine zu kaufen gäbe. Aber die Vögele-Eigner - darunter ist etwa der Hedge-Fonds Laxey -hielten offenbar nichts von einer Aufteilung. Doch Meinungen können bekanntlich geändert werden.