Die Shoppingcenter sind in Not.» Das erklärt Detailhandelsexperte Peter Fuhrer von der Beratungsfirma Fuhrer&Hotz: «Noch nie habe ich so viele Hilferufe von Shoppingcenter-Betreibern erhalten.» Vor allem Einkaufszentren, die in die Jahre gekommen sind, suchen Beratung. «Viele Zentren sind ver- altet, es muss investiert werden. Doch das Geld fehlt, und oben-drein wollen sich auch noch Ankermieter zurückziehen.» Als Ankermieter gelten Migros und Coop.

40 bis 50 Einkaufszentren, knapp die Hälfte der bestehenden Shoppingcenter, verzeichnen laut Fuhrer stagnierende oder gar rückläufige Umsätze. Die schlecht wirtschaftenden Konsumtempel wurden im Schnitt vor 26 Jahren gebaut. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz: 18 neue Einkaufszentren sind geplant oder bereits im Bau. Als Nächstes wird am 8.Oktober das Migros-Prestigeobjekt des Stararchitekten Daniel Libeskind eröffnet, das Einkaufs- und Freizeitzentrum Westside in Bern.

Das Flächenwachstum fiel bereits in den letzten Jahren happig aus. Die Flächenproduktivität nahm dabei aber ab. Seit dem Jahr 2000 nahm die Verkaufsfläche von Shoppingcentern um 58% zu, die Umsätze kletterten aber bloss um 37%. Am Gesamtmarkt des Detailhandels in der Schweiz besitzen die Shoppingcenter einen Anteil von 14%.

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Meinungsaustausch gewünscht

Noch wurde kein Zentrum stillgelegt, aber Experten wie Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut IHA-GfK warnen bereits. Den Hilferuf der Shoppingcenter hat Glatt-Geschäftsführer Marcel Stoffel erhört. Vor kurzem hat er mit Gleichgesinnten den Verband Swiss Council of Shopping Centers gegründet.

Stoffel weiss um das Bedürfnis von Shoppincenter-Profis nach Meinungsaustausch. An einem Kongress am 13. November wird sich der Verband präsentieren. Dann können sich Interessenten auf eine Mitgliedschaft melden. Der Verband will nicht nur Geschäftsleiter von Einkaufszentren, sondern alle Interessierte ansprechen, seien das Architekten, Einzelhändler, Investoren, Marketingleute oder Immobilienhändler. Neben der Kontaktpflege und Informationen will der Verband auch Datenmaterial zusammenstellen. Ziel des Vereins ist die Vertretung und Förderung der Interessen von Betreibern und Eigentümern von Shoppingcentern und Gewerbeimmobilien. Im neuen Verband ist Stoffel Präsident. Vorstandsmitglieder sind Bruno Kunz, Direktor des Emmen Center, Hans Peter Gisler, Direktor des Seedamm Center in Pfäffikon, Engelbert Nussbaum, Direktor des Einkaufszentrums Volkiland in Volketswil, sowie Jan Tanner, CEO des Shopping Center Forum Switzerland.

Wie fruchtbar ein Erfahrungsaustausch ist, hat Stoffel bereits in einer Gruppe von zwölf Geschäftsleitern von Shoppincentern erhalten, die sich regelmässig treffen. Als Lobby in Politik und Wirtschaft will der neue Verband nicht dienen, sondern als Plattform. Gemeinsame Reisen der Mitglieder etwa nach Dubai, wo das grösste Shoppingzentrum der Welt entsteht, sollen animieren. Der Kontakt zum Dachverband, dem internationalen Council of Shopping Centers, will den Mitgliedern Ideen für Verbesserungen bringen oder Rat in der Not.

Trotz der Krise gibt es auch Lichtblicke: Obwohl bereits 33 Jahre alt, gehört das Glatt zu den erfolgreichsten Einkaufstempeln und hat soeben in einer Umfrage bei Konsumenten und Experten als bestes Shoppingcenter abgeschlossen. Als Vorteil wurde der Standort, die vielen Parkplätze sowie die Mieter hervorgehoben. Als neustes Husarenstück ist es Stoffel gelungen, einen Apple-Shop ins Glatt zu holen. Das ist erst der dritte Apple-Shop in ganz Europa. Doch selbst bei einem Überflieger wie Glatt hat der Umsatz bis Ende Juli nur um 1,8% zugenommen.