Das Jahr 2007 möglichst rasch vergessen und auf die Zukunft hoffen, so etwa kann man die Stimmung in der Schweizer Busbranche umschreiben. In der Tat: 2007 war ein unerfreuliches Jahr, mit einem Rückgang der Neufahrzeugverkäufe um rund 10%. 314 Linienbusse und 118 Reisecars wurden 2007 neu in Verkehr gesetzt. Die Branche ist eine Berg- und Talfahrt der Immatrikulationen zwar gewohnt, doch mit einem Rückgang von rund 10% rechnete man nicht unbedingt. Allerdings war 2006 mit total 475 verkauften Bussen ein sehr gutes Jahr, umso grösser fällt der Rückgang 2007 ins Gewicht. Ein weiteres Merkmal ist auch, dass im Jahr 2007 beide Märkte ? also die Linienbusse und die Reisecars ? fast gleich stark vom Rückgang betroffen waren.

Weniger Ausschreibungen

Bei den Linienbussen ist der Rückgang primär darauf zurückzuführen, dass nur gerade eine grössere Ausschreibung eines städtischen Verkehrsbetriebes 2007 zur Auslieferung kam, nämlich diejenige der Verkehrsbetriebe St. Gallen und Regio Gossau über insgesamt 39 Fahrzeuge. Nicht alle Marken verzeichneten bei den Linienbussen Rückgänge, so konnte etwa MAN/Neoplan seine Auslieferungen um 8% steigern. Darin sind allerdings auch noch Fahrzeuge von Bestellungen aus dem Jahr 2006 enthalten, die erst 2007 zur Auslieferung gelangten. Dasselbe gilt für Volvo, welche ihre Verkäufe durch Auslieferungen an die Städte Bern und Freiburg steigern konnten.

200 Linienbusse in diesem Jahr

Im laufenden Jahr dürften sich die Zulassungszahlen bei den Linienbussen wieder deutlich nach oben bewegen. So etwa gelangen in den Städten Genf (113 Fahrzeuge), Basel (34), Lugano (20) und Zürich (34) insgesamt rund 200 neue Linienbusse zur Auslieferung. Besonders stolz ist man bei EvoBus (Schweiz) AG, welche die vier erwähnten Aufträge hereinholen konnte. Heinz A. Mader, VR-Delegierter und CEO von EvoBus (Schweiz) AG, erwähnt denn auch, «dass wir bereits die Grundlage für ein sehr erfolgreiches Jahr 2008 gelegt haben». Drei weitere Ausschreibungen für Linienbusse ? nämlich der VZO Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland sowie Zug und Schwyz ? werden im Laufe dieses Jahres entschieden. Die hohe Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz und dessen attraktives Angebot führen dazu, dass die einzelnen Verkehrsbetriebe in regelmässigen Abständen ihre Flotte erneuern. Zu den regelmässigen Bestellern von Linienbussen zählt aber auch insbesondere der grösste Linienbusbetreiber der Schweiz: Der Postautobetrieb der Schweizerischen Post.

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Reisecars sind konkurrenzfähig

Bei den Reisecars resultierte letztes Jahr ebenfalls ein Minus bei den Neuzulassungen, und zwar von rund 10% auf total 118 Fahrzeuge. Während EvoBus einen Rückgang hinnehmen musste, konnte sich Neoplan vom Tiefpunkt des Jahres 2006 ? damals wurden nur gerade neun Busse verkauft ? wieder erholen. Aber auch die übrigen Marken verzeichneten letztes Jahr zum Teil deutliche Rückgänge, allerdings bei eher geringen Stückzahlen. Mit 49 verkauften Bussen konnte allerdings EvoBus seine Marktführerschaft um 1 Prozentpunkt auf 41,5% erhöhen. Das Unternehmen schloss auch die grösste Reisebus-Ausschreibung in der Schweiz, nämlich diejenige der Lathion/Zerzuben-Gruppe, über 20 moderne Reisebusse zu seinen Gunsten ab. Geliefert werden insgesamt 18 Mercedes-Benz- Tourismo-Busse und zwei Setra- Doppelstockbusse. Diese Bestellung zeigt, dass die Branche durchaus positiv in die Zukunft blickt, erfreuen sich doch Busreisen trotz der Konkurrenz durch Billig-Fluggesellschaften unverändert hoher Beliebtheit. Für das laufende Jahr kann deshalb bei den Reisebussen wieder von einem Marktvolumen von etwa 120 bis 130 Fahrzeugen ausgegangen werden. Die Voraussetzungen, dass das laufende Jahr um einiges besser ausfallen wird als 2007,sind intakt.

 

 

NACHGEFRAGT
«Sicherheit ist in hohem Masse gefragt»

Heinz A. Mader, VR-Delegierter und CEO, EvoBus (Schweiz) AG, Kloten

Die Ausschreibungen für Linienbusse haben in der Schweiz teilweise den Umfang von 500 bis 1000 Seiten angenommen. Ist das nicht völlig übertrieben?

Heinz A. Mader: Der Fairness halber muss betont werden, dass es durchaus Ausschreibungen gibt, welche nur gerade drei bis fünf Seiten umfassen. Jedoch mussten die Buslieferanten auch schon über 500 Seiten bearbeiten. Ein Aufwand, der unsere Spezialisten an den Rand der Leistungsfähigkeit bringt.

Hängt dies auch damit zusammen, dass sich die Auftraggeber nach allen Seiten umfassend absichern wollen?

Mader: Es ist verständlich, dass in einem zunehmend komplexeren technischen, aber auch juristischen Umfeld die Ausschreibungen umfassend und eindeutig formuliert werden müssen. Denn dadurch wird auch die Vergleichbarkeit der Angebote sichergestellt. Dennoch freue ich mich, dass es immer noch Einzelgeschäfte gibt, die wir ohne viel Papier und quasi mit Handschlag besiegeln können.

Stichwort Sicherheit bei Reisebussen: Was unternehmen die Bushersteller, um die Sicherheit von Bussen weiter zu verbessern? Und sind die Busbetreiber gewillt, diese Einrichtungen auch zu ordern?

Mader: Verschiedene Sicherheitssysteme, welche bereits in Personenwagen eingesetzt werden, sind auch für Busse lieferbar. Bei den Reisebussen hat zum Beispiel EvoBus als erster Hersteller ESP serienmässig eingebaut. Der Spurassistent und das Abstandswarnsystem sind gegen Aufpreis lieferbar und werden von unseren Kunden ? insbesondere die Abstandsregelung ? in erfreulichem Masse angenommen und geordert. Serienmässig sind bei unserer neuen, facegelifteten TopClass 400 auch der Unterfahrschutz sowie die verschiebbare Sicherheitsplattform für den Fahrer.

Wie intensiv wird das Servicenetz von EvoBus in der Schweiz von den Busbetreibern genutzt? Oder anders gefragt: Wie viele Busbetreiber warten ihre Fahrzeuge noch selbst?

Mader: Hier muss man unterscheiden zwischen den Linienbussen und den Reisecars. Erstere werden von den Verkehrsbetrieben überwiegend in eigener Regie gewartet und repariert. Allerdings ist die Tendenz erkennbar, diese Tätigkeit in Zukunft vermehrt einem Partner zu übertragen, sofern dies aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen Sinn macht. Aus diesem Grund haben wir in jüngster Zeit unser bereits umfassendes Servicenetz um drei weitere Partner erweitern können. Bei den Reisebussen vergleichen immer mehr Kunden den von uns angebotenen Service- und Wartungsvertrag mit den eigenen Kosten. Ist die Infrastruktur des Busbetreibers nicht voll ausgelastet, macht es durchaus Sinn, Wartung und Reparatur von Reisebussen, aber auch von Linienbussen teilweise oder vollständig an unser Servicenetz zu delegieren. Die EvoBus Schweiz jedenfalls wird ihre Infrastruktur diesem Trend in Zukunft weiter anpassen.

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Wie verlief das Geschäft mit Minibussen für EvoBus im vergangenen Jahr?

Mader: Mit dem Sprinter verfügen wir über ein Fahrzeug, welches an die unterschiedlichsten Einsatzvarianten angepasst werden kann. Dementsprechend konnten wir auch letztes Jahr auf dem rückläufigen Minibus-Markt unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. Ein Vorteil ist sicher auch, dass wir über ein sehr breites Programm vom Minibus über Linienbusse bis zum luxuriösen Reisecar aus einer Hand anbieten können. Und das in Verbindung mit einer leistungsfähigen After-Sales-Betreuung für alle Produkte.