Per 30. September 2007 ist der seit Jahren sinkende Bootsbestand in der Schweiz um – allerdings bescheidene – 156 Einheiten auf 99332 Wasserfahrzeuge angestiegen. Die Kategorie der Motorboote nahm um 294 auf 60119 Einheiten zu, die Zahl der Segelschiffe – mit und ohne Maschinenantrieb – hingegen verzeichnete ein leichtes Minus um 141 auf 32375 Boote. Nach Ansicht des Geschäftsführers des Schweizerischen Bootbauer-Verbandes (SBV), David Clavadetscher, ist es jedoch verfrüht, aktuell von einer Trendwende zu sprechen. Der minimale Anstieg deute lediglich darauf hin, dass der Mehrbestand durch zusätzliche Verkäufe von Neubooten erreicht worden sei. Clavadetscher: «Unsere Überlegungen lassen den Schluss zu, dass sich zusätzliche Wassersportler für dieses Freizeitvergnügen entschieden haben.»

Die Werften mit guten Umsätzen

Gestützt wird diese Vermutung durch eine interne Umfrage des Bootbauer-Verbandes. Diese ergab, dass das vergangene Geschäftsjahr 2007 für die Mitglieder zufriedenstellend ausfiel und insbesondere auf den Hauptmärkten, dem Handel mit Segel- und Motorbooten sowie mit Aussenbordmotoren, ein stetiges und gesundes Wachstum festgestellt werden kann. Aufgrund der vom SBV präsentierten Zahlen konnten die Verkäufe von Segelbooten 2007 im Vorjahresvergleich um 90 auf 800 und für Motorboote mit Innenbordmotoren um 126 auf 963 Einheiten gesteigert werden.

Auf den ersten Blick wirkt die Summe der flotten Zunahme der Verkäufe als Widerspruch zum fast marginal ausfallenden Anstieg des gesamten schweizerischen Bootsbestandes; die Neuverkäufe müssen aber in Relation zu den altershalber ersetzten Booten gesetzt werden. Jedes Jahr fallen in allen Kategorien Boote aus der Zählung, da diese nicht mehr eingelöst und ausgemustert werden.

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Vermehrt ein Lifestyle-Element

Der weitere Aufschwung der Branche hängt, neben der gesamtheitlichen Entwicklung der Wirtschaft, davon ab, ob es dieser hierzulande – in einem Binnenland notabene – gelingt, neue Kunden für den Bootssport zu gewinnen. Die Konkurrenz lauert in zahlreichen Sport- und Freizeitangeboten, die mit der Faszination des Wassersports aufgewogen werden müssen.

Ob Erholung, Sport oder Wettkampf, die Freizeitbetätigung auf Flüssen und Seen hat viel zu bieten, auch wenn diese fast ausnahmslos mit – je nach Anspruch zum Teil zugegebenermassen teuren – Investitionen verbunden ist. Mit nationalen und regionalen Ausstellungen sowie mit Hausmessen bringt die Bootsbauerbranche gezielt allfälligen Interessenten den Wassersport näher. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf von Booten, sondern insbesondere auch um das Vermitteln des Bootssports als Lifestyle-Element.

Seit vielen Jahren präsentieren sich der Schweizerische Bootbauer-Verband und zahlreiche Mitglieder auch im grenznahen Ausland, so an der Interboot in Friedrichshafen. Nicht zuletzt, weil verschiedene wassersporttaugliche Schweizer Seen (Bodensee, Genfersee, Luganersee, Langensee) grenzüberschreitend «genutzt» werden.

Kommen bald auch die Jet-Ski?

Trotz der für die Werften erfreulichen Konjunkturlage gibt sich die Branche nicht sorgenfrei. Gewitter ziehen am Himmel aus Brüssel auf. Ungewiss ist, wie der Bundesrat aufgrund der aktuellen Vernehmlassung bei den Kantonen und Verbänden über die Zulassung von Wassermotorrädern (Jet-Ski) entscheidet. Den einen oder anderen Wassersportler (Fischer in Kleinbooten, Segler, Ruderer usw.) dürften die lärmigen «Wassertöffs» stören. Der Wassersport würde deshalb zwar weder revolutioniert noch umgekrempelt, auf den Gewässern wäre aber ein weiterer «Verkehrsteilnehmer» auszumachen. Aufgrund der geplanten Änderung der Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) müssen die Kantone Wasserflächen und Startgassen für den Betrieb von Jet-Skibezeichnen, sodass kaum anzunehmen ist, dass diese Geräte kreuz und quer über unsere Gewässer flitzen werden.

Ansonsten scheinen sich die Wogen über das Miteinander auf dem Wasser geglättet zu haben. Wellen werden immer des einen Freud und des anderen Leid sein. Mit Toleranz und Verständnis müsse es jedoch möglich sein, dass alle Freude an der Nutzung der Wasserfläche haben können, glauben die hiesigen Bootbauer. Wakeboarden sei als Trendsportart beliebt, doch zeige sich hier ein Trend, der auch in anderen Wassersportsparten steigende Tendenz aufweise.

Vermehrt Miete statt Kauf

Boote würden zunehmend gemietet statt gekauft oder von mehreren Eignern gemeinsam gehalten, heisst es beim SBV. Bei der Bildung einer Eignergemeinschaft sei allerdings zu beachten, dass in den meisten Kantonen ein Boot nur auf einen Halter eingetragen werden könne und auch Liegeplatzvermieter meist einen verantwortlichen Halter verlangten.

Wer ein Boot nutzen, aber nicht besitzen will, hat die Möglichkeit, bei zahlreichen Werften oder einer Bootsvermietung ein Schiff zu mieten. Für Segler gibt es die Möglichkeit, Mitglied bei Sailcom zu werden und damit Zugang zu 55 Segelbooten zu erhalten. Diese Schiffe wurden 2007 über 11700 Stunden genutzt. Das ergibt eine Nutzung pro Boot von über 200 Stunden pro Saison. Diese Zahl steht im Gegensatz zu Eignerbooten, die durchschnittlich lediglich zirka 30 Stunden pro Saison gesegelt werden.

Es gibt genügend Liegeplätze

Nicht mehr so brisant wie in den späten 1990er Jahren ist die Suche nach freien Liegeplätzen. In den vergangenen Jahren wurden mehr Hafenplätze geschaffen als Bootsplätze – zum Beispiel durch Verlagerung von Bojenplätzen in Hafenplätze – aufgegeben werden mussten. Zudem sind weitere Hafenprojekte im Bau oder in Planung begriffen. So dürfte am Langensee in diesem Jahr mit dem Bau des erweiterten Hafens von Brissago begonnen werden. Im Weiteren wird der Regionalhafen Gambarogno, ebenfalls am Lago Maggiore, geplant; auch eine Erweiterung des Hafens Minusio scheint im Bereich des Möglichen.

Überhaupt sind Liegeplätze kaum ein Problem für den Bootsverkauf. Rar sind hingegen nach wie vor preisgünstige Liegeplätze der öffentlichen Hand (Gemeinden), und eingeschränkt verfügbar sind Liegeplätze für Boote mit einer Breite von mehr als 3 m. Weitere, zumeist allerdings private Hafenprojekte sind an zahlreichen Seen in der Schweiz in Arbeit oder stehen vor der Realisierung. Statistische Angaben zu privaten Hafenanlagen sind keine verfügbar.

Wenig Feriengäste mit Boot

Wanderboote können nicht in allen Kantonen als Domizilboote registriert werden. Die Nutzung der Boote auf dem Anhänger nimmt auf kleinem Volumen kontinuierlich zu. Dazu gehören auch Boote von Ferienreisenden aus dem Ausland; der Anteil jener, die ihre Boote vorübergehend «ferienhalber» in der Schweiz einwassern und nutzen, ist allerdings nach wie vor verschwindend klein. Da locken halt noch immer grössere Gewässer – vor allem das Meer!