KRANKENVERSICHERER. «Ein Krankenversicherer kann auf zwei Arten wachsen: Über den Gewinn von neuen Versicherten und über Fusionen oder Übernahmen», erklärt Yves Seydoux, Sprecher der Groupe Mutuel. Selbstverständlich versuchen fast alle Anbieter, beide Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Helsana-Gruppe als bisherige Nummer eins gewinnt ihre neuen Versicherten vor allem – im letzten Jahr waren es 45000 –, indem sie über Tochterkassen sogenannte günstige Risiken anpeilt. Dieses Modell verfolgen auch Konkurrenten wie die Groupe Mutuel, die CSS und die Visana.

Andere Kassen, wie etwa die Swica und die Concordia, distanzieren sich von dieser Strategie. «Wir setzen darauf, dass der künftige Wettbewerb über den Service und die Leistungslenkungskompetenz erfolgt und nicht über die Risikoselektion», erklärt Swica-Sprecher Philipp Lutz. Damit diese Hoffnung sich jedoch erfüllt, muss das Parlament im nächsten Jahr einem verbesserten Risikoausgleich zwischen den Versicherern zustimmen. Erst so würde sich die Jagd auf Junge und Gesunde für die einzelne Kasse kaum mehr lohnen.

Streit um Faktor Grösse

Entscheidender für den Erfolg eines Krankenversicherers würden dann Managed Care und Qualität. Die Concordia zum Beispiel setzt schon heute primär auf diese Pfade. Trotzdem will Mark Glutz, Mitglied der Direktion, auch mögliche Übernahmen nicht ganz ausschliessen. «Aber wir würden das natürlich sorgfältig prüfen.»Höchst umstritten bleibt, ob Grösse allein schon ein grundsätzlicher Vorteil ist. «Eine optimale Grösse lässt sich nicht definieren, denn es gibt auf dem Markt so-wohl erfolgreiche kleine als auch weniger erfolgreiche grosse Krankenversicherer und umgekehrt», räumt Glutz ein. Peter Fischer, CEO der Visana-Gruppe, hält eine Mindestgrösse von 500000 Versicherten für zweckmässig. CSS-Sprecher Stephan Michel geht davon aus, dass 1 Mio Versicherte optimale Skaleneffekte erlaubten. Noch wichtiger sei Grösse, damit eine Kasse den Managed-Care-Modellen zum Durchbruch verhelfen könne. «Die Gleichung ist einfach – je mehr Versicherte, desto stärker die Verhandlungsposition», sagt Michel.Wachstum ist also mehr oder weniger explizit bei allen Kassen angesagt. «Das Motto lautet neuerdings ‹Big is beautiful›», kommentiert Santésuisse-Sprecher Peter Marbet. Das Problem dabei: Die zwölf Grössten beherrschen bereits 90% des Mark-tes. Mit den paar Dutzend mittleren und kleineren Krankenversicherern, die es daneben noch gibt, lassen sich bei einer Übernahme kaum mehr grosse Terraingewinne erzielen. Man könnte also wetten, dass es früher oder später zur ersten Elefantenhochzeit kommen wird. «Im Moment gibt es dafür keine Anzeichen», sagt Peter Marbet. Helsana-Sprecher Rob Hartmans hingegen prophezeit, dass am Ende der jüngsten Konsolidierungsphase drei bis vier Player 60 bis 80% des Marktes beherrschen werden.

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Enger finanzieller Spielraum

Visana-Chef Peter Fischer rechnet damit, dass in zwei Jahren das Fusionsrennen so richtig losgehen wird. Dann nämlich, wenn die Krankenversicherer nicht mehr weiter von der von Bundesrat Pascal Couchepin durchgedrückten Reduktion der Reserven profitieren können und der finanzielle Spielraum schwindet. Bei der CSS meint Michel zur Frage einer baldigen Elefantenhochzeit: «Wir wären jedenfalls nicht überrascht.»