Es geht Unternehmen grundsätzlich nicht anders als Privatpersonen. Reisen sind ein wertvolles Gut für beide. Hier sind sie notwendig, um geschäftliche Beziehungen zu knüpfen, zu vertiefen und den kommerziellen Erfolg der Firma zu sichern. Dort werden sie zur Erholung gebraucht, zur Regeneration von Körper und Geist. Und ganz wesentlich: Wenn die Finanzen nicht stimmen, wird beim Reisen gespart - privat oder beruflich.

Mehr, aber nicht teurer fliegen

Diesen Effekt hat der Geschäftsreisenmarkt 2009 ganz deutlich gespürt. Jetzt ist allerdings Erholung in Sicht. Dies belegt die aktuelle International Travel Management Study 2010, eine repräsentative Erhebung zum globalen Business-Travel-Verhalten, die von Airplus in Auftrag gegeben wurde. Befragt wurden die Reiseverantwortlichen von über 1700 Unternehmen aus 20 Ländern. Positive Aussichten, wonach die Anzahl der Business Trips wieder zunimmt, sind dabei deutlich stärker verbreitet als die Furcht vor einer anhaltenden oder wiederkehrenden Rezession.

Der Trend ist eindeutig: Bereits 2010, in akzentuierter Form 2011, wachsen die Reisebudgets in den Unternehmen. Die Ausgaben steigen wieder, vor allem im Flugbereich. Es wird wieder mehr, aber nicht unbedingt teurer geflogen. Längst nicht alle Firmen steigen sofort von der Holz- in die Business-Klasse um. Stattdessen ist das Kostenbewusstsein viel ausgeprägter als früher. Die Krise hat ihre Spuren hinterlassen und wird dafür sorgen, dass der Geschäftsreisenmarkt, im Gegensatz zu früher, künftig stärker von Realismus statt von Champagner- und Kaviarlaune geprägt sein dürfte.

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Wesentlich verantwortlich für diese Entwicklung sind die Reiseverantwortlichen vieler Unternehmen, Travel Manager genannt. In der Krise wurden sie von ihren Vorgesetzten mit mehr Kompetenzen zur Kostenkontrolle ausgestattet. Zahlreiche Firmen, deren Kaderleute früher kreuz und quer nach Gutdünken ihre Flüge und Hotels reservierten, verfügen plötzlich über strenge Reiserichtlinien. Es werden klare Bedingungen definiert, wann eine Geschäftsreise Sinn macht und wann nicht. Je nach Strecke und Dauer wird das geeignete Transportmittel vom Travel Management vorgegeben. Die Bahn hat das Flugzeug für kurze Distanzen da und dort ersetzt.

Die strengeren Reiserichtlinien werden mit der konjunkturellen Erholung nicht einfach über Bord geworfen. Eine Mehrheit der befragten Travel Manager bestätigt, dass kostensparende Massnahmen, die während der Krise eingeführt wurden, aufrechterhalten werden. Dies dürfte ihnen einfacher fallen als in früheren Jahren, weil Reisemanager ganz generell ihren Status innerhalb der Unternehmen verbessern konnten.

Ausgaben besser kontrollieren

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass die Lücke zwischen denjenigen Unternehmen, die ihr Travel Management unter Kontrolle gebracht und professionalisiert haben, und den anderen, bei denen die Organisation der Geschäftsreisen noch immer ungeregelt und daher kaum transparent ist, immer grösser wird. Der Trend lautet: Je grösser die Firma, desto besser und professioneller funktioniert das Reisemanagement.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass bei Unternehmen mit hohen Reiseausgaben klar definierte Reiserichtlinien sowie Hilfsmittel wie Firmenkreditkarten und Analyse-Tools stärker verbreitet sind als bei Betrieben mit mittelgrossen und kleinen Reisebudgets. Wenn mehr Geld fliesst, steigt auch der Bedarf, diese Geldflüsse unter Kontrolle zu halten. Nicht von ungefähr sind es auch die grossen Unternehmen, die mehr und bessere Spezialvereinbarungen mit Fluggesellschaften, Hotelgruppierungen oder Mietwagenfirmen aushandeln. Die Prognose sei erlaubt: Der zielgerichtete Einsatz verschiedener Analyse-Tools wird im kommenden Jahr für viele Firmen entscheidend sein für den Erfolg ihres Travel Management.

Umwelt und Sicherheit wichtig

Nicht zu kurz kommen dürfte trotz der ökonomischen Professionalisierung der Umweltschutz. Diesbezüglich liefert die Erhebung ebenfalls spannende Resultate. Etwa, dass CO2-Kompensationszahlungen zwar nicht mehr so stark im Trend liegen wie früher. Trotzdem gibt es starke Bekenntnisse zum Klimaschutz. Viele Unternehmen haben grün gefärbte Reiserichtlinien ausgearbeitet. Zudem ist die Anzahl der Firmen wachsend, die zugunsten von virtuellen Meetings auf Geschäftsreisen verzichten und damit neben Kosteneinsparungen auch positive Effekte für die Umwelt erzielen.

Thema Nummer eins bleibt die Sicherheit - sowohl bei den Zahlungsmitteln als auch für die Reisenden. Bedarf an noch besseren und professionelleren Lösungen ist stets vorhanden. Gefordert sind alle Marktteilnehmer: Flughäfen, Airlines, Anbieter von Buchungs- und Zahlungslösungen, die Unternehmen, der Reisende selbst. Da wären wir wieder bei den Gemeinsamkeiten zwischen Business Travellers und Ferientouristen.