THALIA . Das Scheinwerferlicht des Buchhandels fällt vom 10. bis 14. Oktober 2007 auf die Frankfurter Buchmesse. Alles, was in der Branche Rang und Namen hat, trifft sich dort: Autoren, Verleger, Buchhändler, Agenten und Journalisten.

Nicht im Scheinwerferlicht steht die Thalia-Gruppe in der Schweiz. Sie hat sich hierzulande still und leise zur grössten Buchhandelsgruppe gemausert. Und sie liegt quer in der Buchbranche. Denn im Gegensatz zu anderen grossen Buchhändlern in der Deutschschweiz hält sich Thalia brav an die Preisempfehlung der Verlage und macht bei der Rabattschlacht nicht mit.

Multi-Channel-Strategie

«Wir gehen davon aus, dass wir im Sortimentsbuchhandel in der Deutschschweiz die Nummer eins sind», sagt Hanspeter Büchler, CEO von Thalia Schweiz (siehe «Nachgefragt»). Mit 21 Standorten und 650 Mitarbeitenden setzt die Gruppe schätzungsweise 120 Mio Fr. im Jahr um. Umsatzzahlen für die Schweiz werden keine publiziert. Neben dem stationären Buchhandel ist die Gruppe im Online-Geschäft tätig und profiliert sich im Multi-Channel-Verkauf. Hier können Kunden verschiedene Einkaufskanäle wählen.Thalia Schweiz gehört zum deutschen Handelskonzern Douglas, der neben dem Buchhandel Thalia vor allem im Parfümeriegeschäft, aber auch im Schmuck-, Süsswaren- und Modegeschäft tätig ist. Douglas hat diese Woche ihren Gesamtumsatz von 3 Mrd Euro bekannt gegeben. Dabei wurden 695,4 Mio Euro mit Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz erzielt. Allein in Österreich und der Schweiz erzielte Thalia ein Umsatzplus von 14,9% im Geschäftsjahr 2006/07. Trotz deutscher Muttergesellschaft bezieht Thalia Schweiz den grössten Teil seiner Bücher über den Schweizer Zwischenhandel.Der Durchbruch zur Nummer eins in der Schweiz gelang Thalia dieses Jahr mit dem Kauf der drei Meissner Buchhandlungen von der AZ Mediengruppe und der neu eröffneten Filiale Wirz Thalia in Aarau. Der Einstieg begann 2000, als Thalia die Berner Stauffacher-Buchhandlungen zusammen mit dem Basler Jäggi-Buchhandel übernahm. 2003 erhielt sie eine Mehrheitsbeteiligung an der Walliser ZAP. So erfolgte auch der Einstieg ins Papeteriegeschäft.

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Weiter auf Expansionskurs

2005 wurden die Jäggi-Buchhandlungen in Thalia umbenannt. Trotzdem sollen nicht alle Buchhandlungen unter dem Namen Thalia laufen. «Jede Buchhandlung hat ihre eigene Geschichte, die wir berücksichtigen», sagt Büchler. Einige Buchhandlungen liegen sehr nah beieinander. «In Bern mit Stauffacher und Thalia, aber auch in Aarau mit Meissner und Wirz. Für Thalia macht es deshalb keinen Sinn, unterschiedliche Konzepte gleich zu benennen.»In Zukunft will die Gruppe durch weitere Akquisitionen, aber auch durch Neueröffnungen wachsen. Nächsten März soll im neuen St. Galler Stadion eine Buchhandlung mit Papeterie eröffnet werden. «Wir wollen aber nicht um jeden Preis wachsen», betont Büchler. «Wer zu uns stösst, muss vom Konzept her zu unserer Strategie passen. Und wir wollen Geld verdienen.» Wie viel das ist, verrät er nicht. Immerhin soll die Expansion mit eigenen Mitteln getätigt werden.

Der CEO von Thalia Schweiz über Buchpreise und das Papeteriegeschäft

seines Unternehmens.

Weshalb hält Thalia trotz Wegfall der Buchpreisbindung an der Preisempfehlung der Verlage fest?

Hanspeter Büchler:

Dieser Entscheid beruht auf unserer Marktbeurteilung.

Und wie beurteilen Sie den Markt?

Büchler: Der Kunde besucht uns wegen unserer Qualität, unseres Service und unserer Ambiance und nicht, weil bei uns ein Buch 50 Rappen billiger ist als anderswo. Dank unserer Strategie mussten wir bisher keine Preiserhöhungen vornehmen, um Rabatte auf Bestsellern wieder einzuspielen. In Zukunft verschärft sich das Konkurrenzumfeld. Der Preis wird als weiteres Marketinginstrument an Bedeutung gewinnen.

Mit anderen Worten, auch Sie werden in Zukunft Preise senken?

Büchler: Im Moment heisst das, dass wir uns an die Empfehlungen der Verlage halten und den Markt genau beobachten.

Der Papeterieanteil soll in Zukunft bei Thalia wachsen. Wird der Buchanteil abnehmen, weil mit Büchern weniger zu verdienen ist?

Büchler: Nein. Dort, wo sich eine Gelegenheit anbietet und wir eine zusätzliche Fläche zur Verfügung haben, wollen wir auch eine Papeterie führen. Die Margen bei Buch und Papier halten sich die Waage.

Das Fallen der Buchpreisbindung hat offenbar bisher nicht zu einem Umsatzeinbruch in der Branche geführt. Im Gegenteil. «Dieses Jahr wurde im Buchhandel generell ein besserer Umsatz erzielt», erklärt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes. Zahlen zur Marktentwicklung besitzt der Branchenverband allerdings nicht. Die Einschätzung beruht auf Beobachtungen und Kontakten mit Buchhändlern. Der Orell-Füssli-Buchhandel etwa konnte den Umsatz im ersten halben Jahr um 7,3% steigern.

Grund für die positive Entwicklung liegt laut Landolf vor allem in der guten Konjunkturlage, aber auch im teureren Sortiment. «Fast alle Buchhändler verlangen auf das ganze Sortiment bezogen tendenziell leicht höhere Preise wegen der Anpassung an den teureren Euro, aber auch wegen des Wegfalls der Buchpreisbindung.» Dabei gibt es natürlich auch vereinzelte Buchhandlungen, die generell die Preise senkten, aber das seien Ausnahmen. Im vergangenen Mai hat der Bundesrat die Buchpreisbindung fallen lassen. Buchhändler wie Orell Füssli, die Migros-Tochter Ex Libris oder Lüthy Balmer Stocker haben die Rabatte vor allem bei Bestsellern gewährt. Bis zu 30% fielen die Rabatte der Buchhändler aus. Thalia Schweiz hat sich je-doch diesem Preiskampf verweigert.