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Die Business Angels greifen ein

Weil die Anleger durch die Krise risikobewusster geworden sind, fehlen Gelder für die Jungunternehmen. In die Lücke springen nun vermögende Privatpersonen und Konzerne.

Von Roberto Stefano
am 10.03.2010

Noch nie war die Suche nach Geldern für Jungunternehmen in der Schweiz ein einfaches Unterfangen. Mit der Finanzkrise hat sich die Lage für Start-ups aber noch zusätzlich verschärft.

Laut der aktuellsten Statistik des europäischen Private-Equity- und Venture-Capital-Verbandes EVCA haben sich die Venture-Capital-Investitionen hierzulande bereits im Jahr 2008 mehr als halbiert - 2009 dürfte der Rückgang noch deutlicher ausgefallen sein. «Die meisten Venture-Capital-Gesellschaften versuchen, ihre bestehenden Portfoliounternehmen durchzufinanzieren. Sie sind mit Folgefinanzierungen beschäftigt», begründet Jean-Pierre Vuilleumier, Direktor der Investorenplattform CTI Invest, und ergänzt: «Für Neuinvestitionen bleibt damit nicht mehr viel Raum.»

Rückzug aus Venture Capital

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung in der Start-up-Finanzierung ist das hohe Risiko der Investitionen. «Im Early-Stage-Bereich sollte man in deutlich mehr als 20 Unternehmen anlegen, damit man am Ende ein paar Erfolge feiern kann», erklärt Cuno Pümpin, VR-Präsident der Private-Equity-Firma Invision (siehe «Nachgefragt»). Während Invision früher auch in der Frühfinanzierung tätig war, konzentriert man sich heute nur noch auf die Wachstumsfinanzierungen. Einen vergleichbaren Trend lässt sich seit mehreren Jahren in der gesamten Branche feststellen, noch immer geprägt durch die negativen Erfahrungen aus den Zeiten des Internet-Booms, als sich viele Private-Equity-Firmen an «heissen Ideen» die Finger verbrannten.

Trotz der knappen Mittel in der Start-up-Finanzierung - für erfolgversprechende Geschäftsmodelle ist auch heute noch Geld vorhanden. «Im Gegensatz zum Hype haben aber nur noch sehr gute Projekte eine Chance auf eine Finanzierung», erklärt Martin A. Bopp, Leiter Start-up-Förderung bei der Förderagentur für Innovation KTI. Zwar ist eine strengere Vorselektion am Anfang des Unternehmenszyklus durchaus erwünscht. Doch steigt dadurch auch der zeitliche Aufwand für die Firmenchefs bei der Mittelsuche, der ansonsten für die Weiterentwicklung des Start-up eingesetzt werden könnte.

Strategische Ergänzung

Fündig werden Jungunternehmer inzwischen hauptsächlich bei Business Angels, sprich vermögenden Privatpersonen wie Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli, oder bei Grosskonzernen. «Das Corporate-Venture-Capital hat stark an Bedeutung gewonnen», weiss Maurice Pedergnana, Geschäftsführer des Schweizer Private-Equity-Verbandes Seca. Diese Form der Finanzierung stellt für Konzerne wie Novartis und Roche oder Swisscom eine strategische Ergänzung zur Inhouse-Forschung dar.

Bei Business Angels überwiegt dagegen der Investitionsaspekt, wenngleich sie auch Coaching-Aufgaben oder die Funktion eines Türöffners zu wichtigen Netzwerken übernehmen. «Viele Family-Offices handeln antizyklisch, was angesichts der attraktiven Bewertungen der Start-up-Firmen durchaus Sinn macht», weiss Pedergnana. Und diese Strategie scheint sich auszuzahlen. «Die Statistik zeigt, dass die besten Unternehmen in der Krise gegründet wurden», erklärt NewVenturetec-VR-Präsident Peter Friedli.

 

 

NACHGEFRAGT Cuno Pümpin, Verwaltungsratspräsident Invision Private Equity


«Zu hohes Risiko im Verhältnis zum Gewinn»

Weshalb hat sich Invision aus dem Early-Stage-Markt verabschiedet?

Cuno Pümpin: Mit dem letzten Venture-Capital-Fonds aus dem Jahr 2000 sind wir gut unterwegs. Das Risiko ist im Start-up-Bereich im Verhältnis zum potenziellen Gewinn aber viel höher als im Later-Stage-Growth- und Buyout-Geschäft. Dort investiert man in eine Firma, die über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügt. Im Early-Stage-Bereich sollte man in über 20 Firmen investieren, damit Erfolge möglich sind.

Hat es bei Invision nicht geklappt?

Pümpin: Doch, wir hatten zwei bis drei sehr gute Investments. Und ein weiterer Exit steht derzeit an. Dies zeigt aber auch ein weiteres Problem: Man muss sehr lange Laufzeiten in Kauf nehmen. Die Vorteile von Later-Stage-Growth liegen auf der Hand: Man erzielt früher einen Return und braucht dazu weniger Anlagen. So sind auch grössere Engagements möglich: Man kann eine Mehrheitsbeteiligung eingehen und die Entwicklung der Firma beeinflussen.

Existiert heute noch ein Risikokapital-Markt in der Schweiz?

Pümpin: Er existiert noch, aber die Branche tut sich sehr schwer. Insbesondere in der aktuellen Wirtschaftslage, in der die Anleger noch risikobewusster sind.

Wie kommen die Start-ups dennoch zu den benötigten Mitteln?

Pümpin: Es gibt Business Angels, Stiftungen von vermögenden Personen oder öffentliche Institutionen, die in Start-ups investieren.

Stehen sie vor denselben Problemen wie Risikokapital-Firmen?

Pümpin: Klar, doch investieren IT-Unternehmer verstärkt in IT, weil sie von der Materie mehr verstehen. Dies vermindert das Risiko.

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