Weshalb sind die Halbjahreszahlen so viel besser ausgefallen als von den Analysten erwartet und von Sonova angekündigt?

Valentin Chapero: Aus zwei Gründen: Die Welt hat sich besser entwickelt als angenommen. Dazu kam die hohe Akzeptanz aller Produkte, die wir in den vergangenen Monaten eingeführt haben.

Ein wesentlicher Teil des Wachstums stammt aus den USA. Wie würde sich die Gesundheitsreform auswirken?

Chapero: Wir rechnen nicht mit einem negativen Einfluss. In den USA sind die Hörgeräte nicht Bestandteil der normalen Versicherungen, der Konsument muss sie selbst bezahlen. Manche Analysten gingen deshalb von einem zyklischen Verlauf aus und erwarteten Einbussen. Das war ein Fehlschluss.

Sonova hat am Montag die Übernahme der Advanced Bionics Corporation mit Sitz in Los Angeles angekündigt. Diese Firma stellt etwas her, was Sonova bisher fehlte, nämlich Innenohr-Implantate, die das Gehör ersetzen. Ist das Ihre Zukunft?

Chapero: Das Gerät und die Operation sind sehr teuer. Vor allem gehörlose Kinder können davon profitieren. Es gibt weltweit nur drei Firmen, die diese Technolo-gie beherrschen. Der Marktführer heisst Cochlear und sitzt in Australien, in Österreich gibt es die Firma Med-El - und die weltweite Nummer zwei ist eben Advanced Bionics in Kalifornien.

Wie stark wächst dieser Markt?

Chapero: Die langfristige durchschnittliche Wachstumsprognose liegt bei 10 bis 15%. Aber das Volumen ist mit jährlich knapp 30000 Implantaten oder rund 800 Mio Dollar Umsatz noch relativ gering, wenn man es mit den rund 9 Mio verkauften Hörgeräten vergleicht.

Sonova bezahlt für Advanced Bio-nics rund 0,5 Mrd Fr. Dennoch ist die Kriegskasse immer noch prallvoll. Planen Sie weitere Zukäufe?

Chapero: Das ist so, unsere Cash-Quelle sprudelt kräftig. Bis Ende des Geschäftsjahres 2009/10 werden wir wieder auf 250 oder 280 Mio Fr. oder mehr Cash sitzen. Dieses Geld möchten wir gerne für Akquisitionen einsetzen.

Haben Sie etwas Konkretes in der Pipeline?

Chapero: Das kann ich natürlich nicht sagen, aber Sie dürfen davon ausgehen, dass wir dauernd mit irgendwelchen Leuten im Gespräch sind. Da geht es ja nicht um Einzelaktionen. Wir sind kontinuierlich auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, seien es Akquisitionen, neue Tochtergesellschaften oder neue Produkte.

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Im Schlüsselmarkt Deutschland hat Sonova offenbar Mühe. Das Bundeskartellamt untersagte die 3,3 Mrd Fr. teure Übernahme des dänischen Anbieters GN Resound. Und vor vier Wochen wurden Sie wegen Beeinflussung der Endverkaufspreise von Hörgeräteakustikern vom gleichen Kartellamt mit 4,2 Mio Euro gebüsst. Ist das Akzeptieren der Busse nicht auch ein Eingeständnis von Schuld?

Chapero: Nein, überhaupt nicht. In solchen Fällen bezahlt man, weil man nicht möchte, dass sich ein Prozess über typischerweise zwei Jahre hinzieht, dass man zwei Jahre lang im Rampenlicht steht, währenddem die Kartellbehörde die Chance hat, fast nach Belieben über eigene Pressverlautbarungen an der Reputation des Unternehmens zu nagen. Deshalb haben wir uns gesagt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

In der Schweiz wird Kritik an den hohen Margen von 45% laut. Eine Gruppe von Parlamentariern, angeführt vom Berner SVP-Nationalrat Rudolf Joder, macht Druck auf die Preise der Hörgeräte, um die Invalidenversicherung zu entlasten. Haben Sie dafür Verständnis?

Chapero: Es wäre schön, wenn all diese Herren ihre Hausaufgaben machten und den Ablauf des gesamten Prozesses betrachten würden. Dann wüssten sie, wer an einem Hörgerät wie viel verdient. Was wir erhalten, ist weniger als der Hals-Nasen-Ohren-Arzt und weniger als die Hälfte von dem, was der Akustiker bekommt. Manchmal habe ich den Eindruck, man schlägt den Sack, meint aber den Esel. Und wir sind dabei leider der Sack.

Wie hoch sind nun effektiv Ihre Margen?

Chapero: Sie sind in der Schweiz nicht höher als weltweit und entsprechen unserer Ebita-Marge, die sich zwischen 20 und 28% bewegt.