VALORA. Peter Wüst ist nicht zu beneiden: Als Konzernchef des seit Jahren kränkelnden Handelskonzerns Valora hat er sich in den vergangenen Monaten einige Unliebsamkeiten aufgehalst. Da war zuerst das katastrophale Halbjahresergebnis 2007 mit einem Gewinneinbruch von 55%. Als Konsequenz übernahm Wüst selbst im Herbst die Führung der Sparte «Retail Schweiz». Diese in profitable Gefilde zu führen, ist allerdings eine herkulische Aufgabe: Denn die zur Sparte gehörenden Kioske ächzen schwer unter schwindender Rentabilität.

Schwierig wird es für Wüst auch, weil ihm der personelle Rückhalt davonbröckelt. So muss sich der 1953 geborene Betriebsökonom und seit 2003 CEO der Valora-Gruppe auch an der Front der Aktionäre durchboxen sowie letztlich um seinen Kopf bangen.

Spiessrutenlauf an der GV

Die Investorengruppe um Adriano Agosti hat mit medialem Trommelwirbel bereits den Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Fritz Ammann forciert. Als nächster Spiessrutenlauf präsentiert sich Wüst die ausserordentliche Generalversammlung am 30. Januar 2008. Valora selbst unterstützt nur zwei der drei von der Investorengruppe geforderten Verwaltungsräte, nämlich Manor-Präsident Rolando Benedick und Jacobs-Chef Markus Fiechter, aber nicht Agosti selbst.

Doch da die Büchse der Pandora nun mal offen ist, dreht sich das Personenkarussell noch weiter. So brachte sich im Dezember auch die Kauffrau Geltrude Renzi für den Verwaltungsrat ins Spiel. Die Italienerin will mit einem Bündel von Ideen das Kioskgeschäft wieder auf Vordermann bringen. Renzi hält heute 4% der Stimmen an Valora. Neben Renzi tauchte auf der Bildfläche zudem der ehemals von Valora fristlos entlassene Chef Reto Hartmann auf. Er steht mit verschiedenen kritischen Aktionären in Kontakt und fordert personelle Wechsel.

Der einzige Fels in der Valora-Brandung hat bereits im letzten Frühjahr – vor den Turbulenzen – seinen Rücktritt bekannt gegeben: Beatrice Tschanz, die Krisenmanagerin der Nation, wird nur bis zur ordentlichen GV im April im Verwaltungsrat verbleiben. Nach Ammanns Rücktritt stellte sich Tschanz trotzdem interimistisch für das Präsidialamt zur Verfügung, sie wollte als Brückenbauerin vermitteln. Wird sie erstmal weg sein und er noch da, bläst Peter Wüst der eisige Wind voll entgegen. Denn nebst allem ranken sich auch immer noch Spekulationen um einen möglichen Verkauf von Valora.

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