Das Stimmungsbarometer ist in den letzten zwölf Monaten ständig gefallen. Die Angst vor einer weltweiten Rezession oder gar Depression geht um. Dabei schätzten einzelne Konjunkturprognostiker die Aussichten für 2009 im Spätherbst noch durchaus rosig ein. Die Ökonomen der BAK Basel Economics korrigierten zwar ihre Prognosen wie andere Institute ständig nach unten, von einer Rezession aber wollten sie nichts wissen. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch unser Land vom Negativwachstum betroffen sein wird. «Die Schweiz kann sich aufgrund der langsameren weltwirtschaftlichen Entwicklung und dem starken Gewicht des Finanzplatzes einer Rezession nicht entziehen», sagt denn auch UBS-Chefökonom Klaus Wellershoff (Seite 47).

Die düsteren Szenarien rund um den Erdball zeigen auch unter den Aktienspezialisten Schweiz ihre Wirkung. Nach den Fehlprognosen des Vorjahres, als einzelne Analysten den SMI-Index zum Jahresende 2008 bereits über der magischen Grenze von 10000 Punkten sahen - derzeit bewegt sich er sich gerade einmal auf halber Höhe -, blicken sie nun bedeutend skeptischer in die Zukunft (Seite 48). Ein Sprung des SMI auf 6700 Punkte ist das höchste aller Gefühle. Kein Zweifel: Das Prognoserisiko ist erheblich gestiegen, und entsprechend zurückhaltend geben sich die Experten. Niemand weiss exakt, wie sich die Finanzmarktkrise auf den realen Wirtschaftsverlauf auswirkt. Klar ist nur, dass sich der konjunkturelle Abschwung nicht von heute auf morgen ins Gegenteil verkehrt. Solange das Wirtschaftsklima eingetrübt bleibt, stehen defensive Aktien bei den Investoren im Vordergrund. Selbst Frühzykliker sind momentan wenig gefragt.

Trotzdem könnte sich alles günstiger entwickeln, als jetzt die Konjunkturprognostiker voraussagen. Der Schlüssel dazu liegt in den USA. Ende Januar wird mit Barack Obama ein neuer Präsident ins Weisse Haus einziehen. Schon im Vorfeld seiner Amtszeit hat sich der Hoffnungsträger intensiv mit wirtschaftlichen Stimulierungsprogrammen auseinandergesetzt. Ein brillantes Team an Ökonomen wird in den kommenden Monaten für die Umsetzung sorgen. Finden die USA im Sog der neuen Präsidentschaft rasch wieder Boden, wird das auf die Aktienmärkte durchschlagen. Die Börse ist dabei ein wichtiger Vorlaufindikator. Kommt der wirtschaftliche Aufschwung, schnellen die Aktienkuse bereits sechs bis acht Monate zuvor nach oben. Da lohnt es sich, rechtzeitig investiert zu sein, anstatt auf zu viel Cash zu sitzen. Ähnlich wie bereits 2003 könnte 2009 die Aktienkurve aufwärts zeigen.

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