Der Güterverkehr in Europa wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, auch dann, wenn sich die Konjunktur in den wichtigen Ländern der EU abkühlen sollte. Die steigende Nachfrage nach Konsumgütern seitens der neuen EU-Mitgliedstaaten wird das Gütervolumen auf der Strasse, der Schiene, ja selbst auf dem Wasser und in der Luft weiter ansteigen lassen. Höchste Zeit also, Überlegungen anzustellen, wie dieses ständig wachsende Volumen auch in Zukunft effizient transportiert werden kann.

Ohne Logistik funktioniert kaum mehr etwas in der globalisierten Wirtschaft. Deshalb müssen wir dem Verkehr unsere ganze Aufmerksamkeit schenken.

Schweiz liegt in der Mitte

Und innerhalb der Verkehrsströme zwischen Nordeuropa und Südeuropa liegt die Schweiz als Transitland exakt in der Mitte; die Gotthard-Route ist die kürzeste Verbindung auf dieser Destination. Die Attraktivität dieser Verbindung stellt jedoch für unser Land nicht nur einen Vorteil dar. Im Gegenteil: Die Rolle der Schweiz als Transitland ist derzeit stark umstritten. Vor allem die Frage, wie dieser Transitverkehr in den kommenden Jahren bewältigt werden soll, ist Gegenstand intensiver Diskussionen.

Dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Gütertransport durch die Schweiz möglichst umweltfreundlich durchzuführen, darüber sind sich Politiker – sowohl linke wie rechte –, aber auch die Verkehrsteilnehmer einig. Allerdings gehen über die Mittel und Wege, dieses Ziel zu erreichen, die Meinungen erheblich auseinander. In den kommenden Jahren wird es weiterhin die Aufgabe der Politiker und Verkehrsfachleute, aber auch der Firmenchefs im Bereich Logistik/Spedition sein, Mittel und Wege zu finden, um die stetig steigenden Güterströme in Europa zu bewältigen.

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Es gibt noch viel zu tun

Das diesjährige Logistik-Forum Schweiz, veranstaltet durch die Euroforum Handelszeitung AG, befasste sich an seinem dritten Tag intensiv mit der Rolle der Schweiz in der europäischen Verkehrspolitik. Hochkarätige Referenten aus Wirtschaft und Verwaltung legten eindrücklich dar, dass es noch viel zu tun gibt, soll dereinst das hohe Gütervolumen in Europa effizient bewältigt werden. Hans Werder, Generalsekretär im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Innovation und Technologie (Uvek), unterstrich in seinem Referat, dass es unabdingbar sei, die schweizerische Verkehrspolitik mit derjenigen der EU abzustimmen. Ein verkehrspolitischer Alleingang der Schweiz hätte äusserst negative Folgen für unser Land. Werder betonte weiter, dass die Schweiz erhebliche Anstrengungen unternehmen müsse, um in den kommenden Jahren eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur bereitzustellen.

Herbert Kasser, Generalsekretär im österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, unterstrich die Bedeutung einer engen Abstimmung von verkehrspolitischen Massnahmen durch die vier Alpenländer, wie sie beispielsweise im «Zürich-Prozess» angestrebt werde. Er betonte auch das grosse Interesse Österreichs an gezielten Massnahmen zur weiteren Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, ist doch – so Kasser – der «Brenner praktisch zu». Kasser hofft denn auch, dass der Bau des geplanten Brenner-Tunnels so rasch als möglich an die Hand genommen werde.

Botschafter Michael Reiterer, Leiter der Delegation der Europäischen Kommission für die Schweiz und Liechtenstein, betonte, dass eine mengenmässige Beschränkung der Transitfahrten durch die Alpen, wie sie bei einer geplanten Alpentransitbörse vorkommen würde, von der EU niemals akzeptiert werden würde. Eine versteckte Rationierung der Durchfahrten kommt für Brüssel nicht in Frage. Reiterer betonte aber auch die intensiven Bemühungen der EU, einen umweltfreundlichen Einsatz der einzelnen Verkehrsmittel gezielt zu fördern.

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Globalisierung als Treiber

Im europäischen Güterverkehrsmarkt spielt heute die zur Deutschen Bahn (DB) gehörende DB-Schenker-Gruppe eine dominierende Rolle. Mit rund 114 Mrd beförderten Tonnenkilometern und einem Umsatz von 3,9 Mrd Euro im vergangenen Jahr überflügelte die Gruppe die nachfolgenden Konkurrenten gleich um das Dreifache. Klaus Kremper, Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn und CEO der Railion-Gruppe, unterstrich allerdings in Zürich, Railion betreibe «keine Expansion um der Expansion willen», sondern um den Kunden ein umfassendes und effizientes Transportangebot machen zu können. Mit eigener Produktion, mit bilateralen sowie multilateralen Kooperationen hat sich Railion in Europa ein Netz aufgebaut, welches praktisch alle wichtigen Destinationen umfasst. Auch in der Schweiz mischt Railion im Schienengüterverkehr aktiv mit.

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In der Schweiz ist die Güterverlagerung auf die Schiene ein Dauerthema. In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um auf längeren Distanzen und vor allem im Transit durch die Schweiz, die Güter auf die Schienen zu bringen.

Mit einigem Erfolg, wie die auf der Transitachse durch die Schweiz beförderten Gütermengen beweisen. Dank erheblicher Anstrengungen aller Beteiligten gelang es seit dem Jahr 2000, das auf der Schiene transportierte Gütervolumen im Transit durch die Schweiz um über 70% zu steigern. Ein Trend, der auch in Zukunft anhalten sollte. Dazu aber sind weitere flankierende Massnahmen nötig, wie sie im neuen Güterverkehrsverlagerungsgesetz aufgelistet sind. Pierre-André Meyrat, Vizedirektor und Chef der Abteilung Finanzierung im Bundesamt für Verkehr (BAV), machte in seinem Votum klar, dass es noch besonderer Anstrengungen, sprich Investitionen, auf dem Nord-Süd-Korridor durch Europa bedarf, sowohl in Deutschland, in der Schweiz wie auch in Italien. Gemäss Meyrat muss aber auch der Wettbewerb unter den Verkehrsteilnehmern spielen. «Der Verlader möchte nicht nur zwischen einem trägen Schienenmonopolisten und einem kompetitiven Strassengüterverkehr wählen», erklärte er. Meyrat betonte auch, dass die Transporte im Kombinierten Verkehr weiterhin abgeltungsberechtigt sind, die flankierenden Massnahmen und die Subventionen also weiterhin gewährt werden sollen. Auch für ihn kommt nur eine mit den Ländern des Alpenbogens abgestimmte Transitbörse in Frage.

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Infrastruktur ausbauen

Ebenfalls überzeugt von den Vorteilen des Schienengüterverkehrs war Hans-Jörg Bertschi, CEO der Transportunternehmung Bertschi AG, Dürrenäsch. Die an 42 Standorten in 22 europäischen Ländern vertretene Firmengruppe befördert heute 80% des gesamten Gütervolumens auf der Schiene und auf Wasserwegen. Bertschi betonte, dass auch weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um die grenzüberschreitende Optimierung des Schienengüterverkehrs auf infrastruktureller und betrieblicher Ebene weiter voranzutreiben.

«Benchmark für die Schiene ist der Strassengüterverkehr», betont Bertschi, der selbst eine Flotte von mehr als 1100 Lastwagen betreibt. Mit Blick auf den alpentransitierenden Güterverkehr unterstrich Bertschi, dass die Fördermittel für den Kombinierten Verkehr sowie die RoLa bis zur Eröffnung der Neat auf dem bisherigen Niveau beibehalten werden sollten, ansonsten mit einer Rückverlagerung der Güter auf die Strasse gerechnet werden muss. Ebenso muss bei den Trassenpreisen der Hebel angesetzt werden, um die krassen Unterschiede von Personen- und Güterzügen zu eliminieren.

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Der Wille ist vorhanden

Eines hat der Transporttag am diesjährigen Euroforum-Symposium klar gezeigt: Der Wille aller Beteiligten, an der Förderung des Schienengüterverkehrs aktiv mitzuarbeiten, ist deutlich artikuliert worden. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Ideen und Gedanken, welche an der Tagung geäussert wurden, auch zügig in die Praxis umgesetzt werden.