ERDÖL.

Hohe Ölpreise, steigende Benzinkosten – Verbraucher scheinen sich derzeit an diese Art schlechter Nachrichten gewöhnen zu müssen. Seit Ende 2001 ist ein Aufwärtstrend beim Ölpreis zu beobachten. 2007 lag die Notierung bislang bei durchschnittlich 69.70 Dollar und damit deutlich über den Erwartungen. Kurzfristig betrachtet, kann man davon ausgehen, dass vor allem Spekulationen den Ölpreis in die derzeitigen Höhen getrieben haben. Es ist wahrscheinlich, dass es auf Basis des aktuellen Niveaus in den nächsten Monaten zu deutlichen Korrekturen nach unten kommen wird. Der Ölpreis dürfte sich dann bei etwa 70 Dollar einpendeln.

Wie aber wird sich der Ölpreis mittel- bis langfristig entwickeln? Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Blick auf die Fundamentaldaten werfen. Auf der einen Seite gibt es eine starke Nachfrage. Vor allem Emerging Markets wie Indien und China scheinen einen schier unstillbaren Hunger nach Rohstoffen zu haben (siehe Grafik). Demgegenüber steht die Ölindustrie vor dem Problem, ihre Produktion dieser immensen Nachfrage nicht entsprechend anpassen zu können. Vor allem die Opec-Staaten werden ihre Förderkapazitäten nicht deutlich erhöhen können, sollte es zu Ausfällen auf der Angebotsseite kommen.

Aufwärtstrend

Derzeit gehen wir sowohl für 2007 als auch für 2008 davon aus, dass der durchschnittliche Preis für ein Barrel Brent bei 70 Dollar liegen wird. Betrachtet man allerdings die aktuellen Entwicklungen, ist es wahrscheinlich, dass diese Vorhersage für 2008 auf durchschnittlich 75 Dollar nach oben korrigiert werden muss. Es muss jedoch hervorgehoben werden, dass dies ein relativ moderater Anstieg ist, wenn man sich die aktuellen Preise anschaut. Grund hierfür ist die Sorge um ein schwächeres Wirtschaftswachstum in den USA und die damit verbundenen Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum und damit auch auf die weltweite Energienachfrage. Sollte es jedoch keine Abschwächung der Weltwirtschaft geben, muss mit einem anderen Szenario gerechnet werden: Dann könnte der Ölpreis in den nächsten 18 Monaten die 100-Dollar-Marke überschreiten. So weit der Ausblick. Aus Anlegersicht kann der hohe Ölpreis allerdings durchaus positive Aspekte haben: Durch die gestiegenen Preise eröffnen sich Investmentchancen im Energiesektor. Allerdings sollte man das nicht pauschalisieren, denn nicht alle Bereiche des Sektors sind gleich attraktiv. Die Schwergewichte der Branche haben beispielsweise damit zu kämpfen, dass sie nicht ohne Weiteres Zugang zu neuen Resourcen bekommen. Länder, die über natürliche Vorkommen verfügen, sind daran interessiert, diese ohne Hilfe von ausländischen Unternehmen zu erschliessen.

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Steigende Kosten

Zudem werden die grossen Konzerne mit steigenden Kosten und höheren Steuern konfrontiert. Dementsprechend werden nationale Konzerne wie etwa Gazprom in Russland oder Petrobras in Brasilien zunehmend interessanter. Beide Unternehmen haben Zugang zu grossen Ölreserven. Zudem werden sie aus nationaler Sicht bei der Vergabe neuer Projekte bevorzugt. Des Weiteren bieten Produzenten von Erdgas oder Ölservice-Unternehmen interessante Investitionsmöglichkeiten. Diese Bereiche profitieren von einer Kosteninflation und dem derzeitigen Investitionsboom der Industrie. Unternehmen aus dem Raffineriebereich sind aufgrund grösserer Gewinnspannen attraktiv.Der hohe Ölpreis lässt den Ruf nach alternativen Energien immer lauter werden. Schon heute gibt es Engpässe, beispielsweise bei Mais und Getreide. Immer weniger dieser sogenannten Soft Commodities landen mittlerweile auf dem Tisch. Stattdessen kommen sie vielerorts in den Tank. Die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung kann heute jedoch nicht eindeutig beantwortet werden. Mit einer anhaltend hohen Nachfrage im Energiebereich steigt auch die Nachfrage nach Alternativen zum Öl. Zudem werden solche Biolösungen aufgrund der Preisentwicklungen am Energiemarkt auch immer wirtschaftlicher. Trotzdem: Öl ist noch nicht teuer genug, um alternative Energien konkurrenzfähig zu machen. Viele Alternativen verfügen nicht über die nötige Grösse, um sich wirklich langfristig als Ersatz zum Öl zu etablieren. Es sollte jedoch positiv hervorgehoben werden, dass der hohe Ölpreis einen Anstoss für die Entwicklung von Alternativen gibt. Investitionen in Forschung und Entwicklung werden langfristig zunehmen. Somit werden sich auch hier interessante Chancen zeigen. Vor allem Unternehmen, die die richtigen Technologien bereitstellen, sollten sich hervortun.Fazit: So schmerzlich die derzeitigen Preisentwicklungen vor allem beim Öl für die Konsumenten auch sein mögen, sie bergen auch Chancen – sei es in Form attraktiver Investitionen oder für die Entwicklung und Förderung alternativer Energien.