Die konjunkturelle Situation hat sich in den letzten Monaten weltweit in einem noch selten gesehenen Ausmass verschlechtert. Verschiedene Wirtschaftsindikatoren notieren auf Indexständen, die seit den 80er Jahren oder noch weiter zurück nie mehr gesehen wurden. Kurz- bis mittelfristig erwarten wir trotz möglicher durchaus heftiger «Bärenmarktrallys», dass wegen der schlechteren Konjunktur, der negativen Gewinnrevisionen bei den Unternehmen und des Deleveraging-Prozesses die Märkte volatil und unter Druck bleiben werden. Langfristig sehen wir Chancen, dass die aggressive Politik der Notenbanken, die auch zu unkonventionellen Mitteln greifen, zu einer Stabilisierung an den Kredit- und Aktienmärkten führen wird. Wir sind entsprechend für 2009 vorsichtig optimistisch und erwarten den SPI Ende 2009 bei zirka 5300 Punkten.

In der Schweiz erachten wir Aussagen zur Sektorentwicklung aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der einzelnen Branchen und der vielfach nur wenige Titel umfassenden Sektoreinteilung als problematisch. Aufgrund unserer zumindest mittelfristig defensiven Ausrichtung erscheinen uns Titel aus dem Gesundheitssektor interessant. Gewisse zyklische Sektoren (u.a. Grundstoffe mit Holcim) könnten stimmungsmässig von den zu lancierenden massiven Fiskalprogrammen in den USA, China und wohl auch in Europa profitieren. Trotz des starken Kursrückgangs bleiben wir den Banken gegenüber derzeit eher vorsichtig eingestellt.

Bei den Blue Chips orientieren wir uns am breiter gefassten SLI-Index. Wir würden nicht nur auf einzelne Titel setzen, sondern raten zu einem diversifizierten Portfolio. Vor dem Hintergrund der sich rasch abschwächenden Konjunktur und der hohen Unsicherheit bezüglich der Ausprägung und Dauer des Abschwungs setzen wir zumindest auf kurze bis mittlere Sicht auf Titel mit defensiver Ausrichtung. Dazu gehören die Aktien von Novartis, Roche und Synthes. Auch Geberit verfügt über defensive Eigenschaften. In einer späteren Phase des Zyklus dürften auch Unternehmen aus zyklischen Sektoren wie ABB oder Holcim interessant werden.

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Zu den interessanten Titeln zählen wir derzeit Aryzta (vormals Hiestand), die mit den jüngsten Zahlen bewiesen hat, dass auch im schwierigen US-Geschäft ein hohes organisches Wachstum möglich ist. Als attraktive Unternehmen stufen wir unter anderem auch die solid finanzierte Schulthess und die St. Galler Kantonalbank ein. Sobald sich die Situation stabilisiert, dürften auch Titel wie u-blox attraktiv werden.

Wir erwarten für 2009 tiefe Wachstumsraten bei tiefen Inflationsraten weltweit. Die Zentralbanken nähern sich einer Nullzinspolitik und die Regierungen stemmen sich mit Konjunkturprogrammen gegen eine drohende Depression. Vor diesem Hintergrund dürften die Finanzmärkte zwischen schlechten Nachrichten von Unternehmens- und Makrofront und Aussichten auf eine Konjunkturerholung schwanken. Wir gehen in der Folge davon aus, dass das Jahr 2009 ein Übergangsjahr für Aktien wird. Zum einen sollten wir das Ende des schweren «Bärenmarktes» von 2007/08 sehen. Zum andern dürften damit die historisch hohen Kursschwankungen gegen Jahresende massiv zurückgehen. Somit steht das kommende Jahr im Zeichen einer Normalisierung der jüngst gewälzten Krisenszenarien. SMI Mitte Jahr: 6600, Ende 6300; SPI 5600/5300 Punkte.

Von einer Normalisierung der Wachstumsaussichten dürften vor allem die Industriewerte wie die Maschinentitel profitieren, die in den letzten Quartalen arg unter die Räder gekommen sind und zu Krisenbewertungen gehandelt werden. Angesichts des doch weiterhin unsicheren Konjunkturumfelds empfiehlt es sich aber, auch weniger zyklische Sektoren zu berücksichtigen wie zum Beispiel die Medizinaltechnik. Unter den Finanzwerten haben die Versicherer das grösste Potenzial, würden sie über ihre Vermögensanlagen doch am meisten von einer Stabilisierung der Kreditmärkte profitieren. Im Gegenzug dürften es die Grossbanken weiterhin schwer haben.

ABB profitiert von den weltweit geplanten Infrastrukturausgaben und den langfristigen Engpässen in der Stromversorgung. Syngenta: Die Kreditklemme hat im Agrarmarkt trotz struktureller Unterversorgung über die fehlende Finanzierung von Düngemitteln und Saatgut ebenfalls schwere Bremsspuren hinterlassen. Umso mehr könnten aber 2009 die Agrarpreise hochschnellen. Synthes: Solides Geschäftsmodell und wenig zyklische Nachfrage sprechen für diesen defensiven Titel. Länger-fristig bietet die Aktie auch Fantasien über eine mögliche Neuorientierung innerhalb der Aktionärsstruktur.

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Der Schindler Partizipationsschein erscheint auf den gegenwärtigen Bewertungsniveaus sehr attraktiv. Geberit verfügt über ein starkes Produkteportfolio, Preissetzungsmacht und strikte Kostenkontrolle. In Kombination mit einer hohen Dividendenrendite ergeben sich hier interessante Einstiegsgelegenheiten. Für risikofreudige Anleger bietet Logitech eine vielversprechende Möglichkeit.

 

 

In unserem Hauptszenario erwarten wir 2009 eine langsame Normalisierung an den Kredit- und Finanzmärkten. Die massiven Interventionen der Regierungen und Zentralbanken sollten die Weltwirtschaft ab der 2. Jahreshälfte auf tiefem Niveau allmählich stabilisieren. Mit einem Rückgang der Risikoaversion sollten Aktien im neuen Jahr trotz weiterhin düsterem Wirtschaftsausblick zulegen können. Wir geben dem SMI (SPI) bis Mitte Jahr ein Potenzial von 6100 (5200) Punkten. Zum Jahresende sind 6500 (5500) Punkte möglich. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Prognoserisiko zurzeit besonders hoch ist. Dass das Finanzsystem und die Weltwirtschaft 2009 endlich «über dem Berg» sein werden, ist zu erwarten und zu hoffen, aber bei weitem nicht sicher.

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Die Perspektiven speziell für die Unternehmensgewinne der zyklischen Sektoren sind mit ungewöhnlich grosser Unsicherheit behaftet. Wir empfehlen daher eine Konzentration auf Unternehmen mit starkem und nachhaltigem operativen Cashflow sowie geringen oder gar keinen Schulden. Wir würden vorderhand an Titeln aus defensiven Sektoren wie Nahrungsmittel und Getränke, Telekom, Pharma sowie Versorger festhalten. Im Verlaufe des 2. Quartals dürften mit Blick auf 2010 wieder vermehrt die zyklischen Sektoren interessant werden. Sie sind abgestraft worden und besitzen bei einer Stabilisierung das höchste Aufwärtspotenzial.

Besonders gefallen uns Titel mit starker Bilanz und Nachhaltigkeit der Cashflows. Namen wie Swisscom, Novartis, Roche und Nestlé gehören in diese Kategorie. Die Unternehmen sind zwar auch nicht immun gegen eine Wirtschaftsabschwächung, die Gewinne sind jedoch aufgrund der Diversifizierung und der Marktposition einigermassen prognostizierbar. Doch auch ABB, Synthes und Zurich Financial Services gehören in ein Schweizer Portfolio.

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SGS, Temenos und Sulzer sind unsere Favoriten. SGS profitiert vor allem vom Trend des Outsourcing und einer zunehmenden Regulierung. Erhöhter Kostendruck und ein verstärkter Fokus auf das Retailgeschäft bei den Banken dürften sich positiv auf den Verkauf von Temenos-Produkten auswirken. Obwohl sich die Nachfrage nach Sulzer-Produkten auch abschwächen wird, ist der Auftragsbestand weiterhin erfreulich.

Wir gehen davon aus, dass sich die Schweizer Indizes in den nächsten drei Monaten weiterhin volatil verhalten werden und der SMI in einem Band zwischen 5000 und 6000 Punkten oszillieren wird. Diese Volatilität dürfte so lange anhalten, bis etwas mehr Klarheit über die Auswirkungen der globalen Rezession auf die Unternehmensgewinne herrscht. Falls sich unser Makroszenario (Tiefpunkt der Rezession Ende 2009) bewahrheitet, dürfte ab dem 2. Quartal eine Erholung im Aktienmarkt einsetzen. Der negative Newsflow könnte jedoch zu mehreren erfolglosen Anläufen für eine Erholung führen, sodass wir erst ab dem 3. Quartal mit einer nachhaltigen Erholung rechnen. Wir sehen per Ende 2009 den SMI bei 6700 Punkten und den SPI bei 5700 Punkten.

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Zu Beginn des Jahres könnten die Outperformer von 2008 (Pharma, Food & Beverages, Utilities) diesen Trend fortsetzen. Mit zunehmender Klarheit über das Ausmass und die Auswirkungen der Rezession dürften sich jedoch zyklisch-sensitive Werte durchsetzen. Deshalb sehen wir im Jahresverlauf durchaus Kurspotenzial für die Sektoren Maschinenbau, Transport und mit gewissen Abstrichen auch Banken, Versicherungen, Medtech und Bauzulieferer. Wir empfehlen auch bei den Sektoren keine «Buy & Hold»-Strategie, sondern Timing-bezogene Sektorpicks. In jedem Fall sind innerhalb eines Sektors Werte mit einer soliden Bilanz zu bevorzugen.

SMI-Favoriten sind UBS, Holcim und Syngenta. Holcim (P/E 09E 6.3) dürfte vom Megatrend Infrastruktur und den Konjunkturprogrammen profitieren, ist solid finanziert und verfügt über ein starkes Management. Syngenta (P/E 09E 12.6) sehen wir als attraktiven Defensivwert, der von robusten Fundamentaldaten profitieren sollte. Zudem verfügt Syngenta über ein starkes Gewinnwachstum und generiert solide Cashflows. Bei UBS (P/E 09E 9.2) dürften die getroffenen Massnahmen das Schiff in ruhigere Gewässer führen; die Aktie dürfte nun am Wendepunkt stehen, das Risk-Reward-Profil erscheint vorteilhafter.

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Unter den Small- und Mid Caps favorisieren wir Romande Energie, Temenos und Valora. Romande Energie ist ein indirekter Weg, um von der Fusion Atel/EOS und deren Neubewertung zu profitieren. Temenos ist zu stark zurückgestuft worden und dürfte auch in einem schwierigen Marktumfeld dank wiederkehrenden Umsätzen Ebit und Cashflow deutlich steigern können. Valora sehen wir als Turnaround-Wette.

2009 wird ein schwieriges Jahr. Sowohl die Beschäftigung als auch der Konsum werden leiden. Der SMI als auch der SPI scheinen allerdings die Abschwächung der Konjunktur in der Schweiz und in Europa schon weitgehend zu antizipieren. Bezüglich einer raschen Erholung der Finanzmärkte bleiben wir skeptisch, da die Unsicherheiten an den Kreditmärkten, der anhaltende Schuldenabbau und die Abwärtsrevisionen der Ge-winnerwartungen für 2009, ja sogar bereits für 2010, sich ungebremst fortsetzen. In dieser Perspektive glauben wir, dass der SMI und der SPI zwar vorübergehend steigen, aber wieder in eine Baissebewegung hineingeraten werden. Den SMI sehen wir Mitte 2009 bei 6000, zum Jahresende bei 5500. Den SPI sehen wir zur Jahresmitte bei 4900 und am Jahresende bei noch 4500 Punkten.

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Sollten sich die Resultate wichtiger klinischer Studien von neuen Medikamenten bei Novartis und Roche als über den vorsichtigen Erwartungen des Marktes liegend herausstellen, dann dürfte der ohnehin defensive Pharmasektor gut abschneiden. Der Finanzsektor dürfte von einer Stabilisierung des Kreditmarktes profitieren. Auf der Verliererseite dürfte weiterhin der Industriesektor stehen. In unserem Anlageansatz betonen wir generell mittel- bis langfristige Themen. Zu diesen gehören die Versorgung mit sauberer Energie, die Attraktivität von global etablierten Marken und der zunehmende Sicherheitsbedarf. Ein grosses Thema ist bei Pictet generell die Nachhaltigkeit.

Im Prinzip bevorzugen wir sehr defensive Sektoren, die wenig von der konjunkturellen Abschwächung tangiert werden. Dabei denken wir insbesondere an den Gesundheitssektor mit Roche und Novartis. Daneben empfehlen wir Titel im Finanzsektor, da wir glauben, dass zu den aktuellen Kursen UBS, CS und Zurich Financial Services ein sehr attraktives Risiko-/Ertrags-Verhältnis bieten. Nestlé ist und bleibt eine Kernposition. Givaudan bleibt kaufenswert aufgrund seiner weltweit dominanten Position im Bereich der Duft- und Aromastoffe. Schliesslich bleiben wir der Swatch Group treu.

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Im Sektor des Gesundheitswesens empfehlen wir Synthes und Basilea. Im Finanzsektor empfehlen wir Julius Bär. Die Nebenwerte würden wir aber prinzipiell über einen Fonds darstellen.

Umfrage: Kurt Speck