Der Chefwechsel an der Spitzer der Deutschen Bank war am Wochenende ein Überraschung und wird heute an der Börse gefeiert. Über 7 Prozent hat die Aktie am Morgen zugelegt. Rückenwind für den baldigen Chef, Ex-UBS-Banker John Cryan?

Nicht unbedingt. Die Nominierung des Briten sehen die Analysten der Züricher Kantonalbank zwar positiv, da er von den schwierigen letzten Jahren unbelastet ist. Cryan ist erst seit 2013 Mitglied im Aufsichtsrat der grössten deutschen Bank und hat das Geldhaus sonst an keiner Stelle im Lebenslauf stehen.

«Kein Potenzial für die Aktie der Deutschen Bank»

Dennoch ist der Ausblick verhalten. «Wir sehen kein Potenzial für die Aktie, so lange sich an der strategischen Ausrichtung und den Finanzzielen nichts ändert», so ordnet die Bank ein.

Genau da liegt die Knacknuss beim Chefwechsel der Deutschen Bank verborgen. Anshu Jain und in einem Jahr auch Jürgen Fitschen geben ihre Posten auf, weil die Kritik an ihnen immer lauter wurde.

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Zweifel an Anshu Jain

Grosse juristische Probleme lasteten ebenso auf der Doppelspitze wie die Skepsis gegenüber dem Verkauf der Postbank. Immer wieder kamen Verstösse des Investmentbankings ans Tageslicht. Dass ausgerechnet Investmentbanker Jain den Kulturwandel der Bank voranbringen sollte, daran waren seit seinem Antritt 2012 mehrfach Zweifel laut geworden.

Der Kurs der zwei Chefs wurde zuletzt von den Aktionären abgestraft: Auf der Hauptversammlung im Mai votierten gerade einmal 60 Prozent der Aktionäre für die neue «Strategie 2020» – eine besonders drastische Abfuhr.

Hat Cryan die Kraft zum Wandel?

Ein Kurswechsel ist also dringend nötig, allerdings vom ehemaligen Finanzchef der Schweizer UBS wohl eher nicht zu erwarten. Dieser stehe grundsätzlich hinter dem von Jain und Fitschen kürzlich eingeleiteten Strategiewechsel, sagte ein hochrangiger Bank-Insider gegenüber Reuters, bei der Ausarbeitung der Details gebe es aber natürlich Spielraum. «Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren», erklärte Cryan selbst.

Die Durchschlagkraft dieses Wechsels wird von den Analysten uneinheitlich eingeordnet. Der Brite John Cryan könnte als neuer Vorstandschef helfen, die bisher verhalten aufgenommenen Veränderungen im Geschäftsplan bis ins Jahr 2020 klarer zu fokussieren, schreibt Andrew Stimpson von der US-Bank Merryll Lynch. Das Geldhaus hebt darum seinen Ausblick von «Underperfom» auf «Neutral». Die Experten der Citi Group raten gar zum Kauf.

Cryan bleibt wenig Zeit

Die französische Grossbank Société Generale hebt zwar das Kursziel an, rät aber nach wie vor zum Verkauf des Wertpapiers. Anderen Banken reicht wie der ZKB der Chefwechsel allein nicht, um ihren Ausblick ins Positive zu verkehren. Die grösste Herausforderung bleibe die Verbesserung der schlechten Profitabilität im Investmentbanking, schrieb Mohamed Souidi, Analyst der Credit Suisse, in einer Studie vom Montag.

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Cryan steht vor einer immensen Aufgabe – er soll nun den Kurswechsel vollenden, an dem sich die Doppelspitze die Zähne ausgebissen hat. Er wird dafür wenig Zeit haben, wie «Forbes» vermerkt. Zwar hält das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Cryan für einen guten Mann. Aber dort warnt man:  «Die Aktionäre werden nicht viel Geduld haben. Um ihr Vertrauen wiederherzustellen, muss Cryan schnell und richtig handeln.»