Nicht einmal der Abgang ging ohne Panne über die Bühne: Das «Wall Street Journal» berichtete am Sonntag vorab, dass die Co-CEOs der Deutschen Bank Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Rücktritt eingeben würden. Die Deutsche Bank bestätigte die Meldung später offiziell.

Ob der Rücktritt in Zusammenhang mit dem massiven Geldwäschereifall in Russland steht, ist offen - die Vermutung liegt jedoch nahe. Kriminelle haben in Russland offenbar Summen in Milliardenhöhe über die Konten der Deutschen Bank reingewaschen. Die Bank untersucht die Vorfälle.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Der Aufsichtsrat nahm am Sonntagnachmittag die Rücktrittsangebote von Anshu Jain und Jürgen Fitschen an. Jain geht Ende Juni, Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2016.

Überstürzte Aktion

Die Bank zitierte Jain: «Mit der Strategie 2020, die die Bank auf einen erfolgreichen Weg bringt, ist es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren. Ich bin (...) überzeugt, dass die Bank in sehr guten Händen ist und vor einer glänzenden Zukunft steht.» Noch im Mai hatte er mehrfach einen Rücktritt ausgeschlossen. Die meisten Rechtsstreitigkeiten und Altlasten, mit denen die Deutsche Bank immer noch kämpft, haben ihren Ursprung in der Investmentbank, die Jain jahrelang geführt hatte.

Gegenspieler Ermottis Kronfavorit

Der ehemalige UBS-Finanzchef John Cryan wird die Bank nach dem Abgang Jains und Fitschens allein führen. John Cryan war von 2012 bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS und hatte seit 1987 verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.Cryan ist bereits Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank. Als er von Oswald Grübel übergangen wurde, als dieser den heutigen CEO Sergio Ermotti beförderte, trat Cryan «aus persönlichen Gründen» zurück.

Miese Performance

Die grösste deutsche Bank wurde wie andere Grossbanken mehrfach von Skandalen geschüttelt. Die Folge waren milliardenschwere Rechtskosten. Die Börsenbewertung hat sich deutlich schlechter entwickelt als der Leitindex Dax. Heute ist die Bank noch 32 Milliarden Euro wert - viel weniger als viele direkte Konkurrenten.

Auf der letzten Generalversammlung am 21. Mai gabs für Jain und Fitschen Buhrufe aus dem Publikum. Bei der anschliessenden Abstimmung sprach mehr als ein Drittel des vertretenen Kapitals dem Vorstand das Misstrauen aus. Die «Strategie 2020» wurde nicht goutiert, man vermisste eine klare Zukunftsvision.