Die Logistikbranche hat in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten eine deutliche Wandlung durchgemacht. Vom einfachen Transportdienstleister entwickelten sich die Logistiker zum umfassenden Partner der Kunden im gesamten Transportbereich. Der Trend zum Outsourcing, die immer komplexere Abwicklung der Transporte (Sicherheitsvorschriften, Haftpflicht, Quality Management), die zunehmenden Zusammenschlüsse und Fusionen und schliesslich die Verlagerung von Produktionsstandorten vornehmlich Richtung Osteueropa und Asien haben nach den Worten von Thomas Christ, Managing Director DHL Global Forwarding und DHL Logistics (Schweiz) AG, völlig neue Kundenansprüche an den Logistikdienstleister ausgelöst.

Neue Abläufe schaffen

Neben dem physischen Warenfluss kamen der Datenfluss sowie in jüngster Zeit die Finanzströme dazu; sie verlangen nach ganz neuen Verfahren und Vorgehensweisen in der gesamten Wertschöpfungskette. Nach den Worten von Thomas Christ müssen in den kommenden Jahren neben der klassischen Auslagerung traditioneller Arbeitsprozess neue Abläufe geschaffen werden, welche nicht nur den reinen Transport, sondern auch alle mit dem Transport verbundenen Aktivitäten steuern und koordinieren. Dieser sogenannte Control Tower soll für einen konsolidierten Datenfluss entlang der gesamten Supply Chain sorgen. «Er muss», so Christ, «den gesamten Transportprozess umfassend abbilden können». Dieses Vorgehen beinhaltet zahlreiche Vorteile wie Prozess- und Kostenoptimierung, Kostentransparenz, eine Steigerung der Qualität (Reduktion von Fehlerquellen) und schliesslich eine hohe Visibilität der Warenströme. Dies wird heute ganz besonders vom Kunden gefragt. Die Control-Tower-Philosophie beinhaltet aber auch einige Knacknüsse, so müssen neue Prozesse aufgegleist werden. Es bedingt ferner lange Lern- und Übergangsprozesse, eine engere Bindung von Kunde und Logistiker und schliesslich – unterstrich Christ – «eine hohe Arbeitsdisziplin».Welche Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Warenfluss der Firma DFS Galleria, einer Tochtergesellschaft des LVMH-Konzerns mit über 3000 Lieferanten in 45 Ländern und mit 131000 verschiedenen Produkten, zu optimieren, schilderte Marcel Tschudin, Director Logistics Europe/Middle East & Asia/Oceania der DFS Group Ltd. Ausgehend von einer höchst einfachen Infrastruktur im Jahre 1997 hat DFS ihren Warenfluss bis heute deutlich optimiert. Mit dem Aufbau einer zentralen Datenbank für alle Dokumente und für die Zollabfertigung sowie der Schaffung eines Key Account Managements mit den wichtigsten Spediteuren konnte DFS die Laufzeiten vom Lieferanten zum Point of Sale um fünf Tage verkürzen. Die Frachtkosten wurden durch optimierte Abläufe um 25% reduziert. Schliesslich konnte auch die Sicherheit innerhalb der Supply Chain wesentlich verbessert werden, denn DFS hat in ihrem Portfolio eine hohe Zahl an prestigeträchtigen Luxusgütern.Mit einem optimierten elektronischen Datenaustausch mit den einzelnen Spediteuren konnte auch der Hilti-Konzern, einer der weltweit grössten Bauzulieferer, die Versorgung der tausenden von Kunden beschleunigen, wie Martin Dönz, Process Manager Supply Chain, darstellte. Erreicht hat Hilti mit dem Server-Konzept Europa eine deutliche Erhöhung der Prozessqualität durch störungsfreie Informationsflüsse (Datenqualität, Zeitnähe) sowie durch die Verwendung zertifizierter Router-Label und Dokumente.

Durchgängige Optimierung

Oswald Werle, Geschäftsführender Gesellschafter der inet-logistics GmbH, unterstrich, dass mit der Supply Chain Execution (SEC) eine durchgängige Optimierung der Supply Chain unter Einbezug aller Partner und auf Basis einer webbasierten neutralen IT-Lösung realisiert werden kann. Daraus resultierten tiefere Kosten, höhere Versorgungssicherheit, mehr Transparenz und Flexibilität in der gesamten Lieferkette. Werle betonte, dass webbasierte Lösungen für Supply Chain Execution kein Hype sind, vielmehr werden sie in den nächsten Jahren zum Standard für ein nachhaltiges Logistikmanagement.

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