Seit Ende letzten Jahres ist der deutsche Bekleidungsfilialist Takko mit zwei Ablegern in Basel und Lenzburg in der Schweiz präsent. Die beiden Geschäfte liefen «sehr gut» an, meint der Marketing-Geschäftsleiter Rudolf Scheben. «Wir sind sehr zufrieden und wollen nun erst einmal ein Gefühl für den Markt bekommen, um über das weitere Vorgehen entscheiden zu können.» Jetzt würden zunächst zwei bis drei Monate Pause gemacht. Dass aber auf jeden Fall zusätzliche Filialen spätestens 2009 kommen, steht für den deutschen Filialisten fest.

2009 startet das Wettrennen

Takko war einst Teil des Imperiums des deutschen Handelskonzerns Tengelmann mit einem Umsatz von über 24 Mrd Euro. Im letzten Jahr ging Takko an Investoren über, die auf Expansion setzen. Zum Tengelmann-Imperium gehört der Billigbekleider Kik mit über 2000 Filialen, der jährlich nahezu 300 Filialen neu eröffnet. Nach Bekanntwerden seiner Expansionsgelüste im deutschsprachigen Raum im letzten Sommer («Handelszeitung» vom 14.8.2007) dementierte die Billigtochter zwar heftig einen Schweiz-Start, doch Insider rechnen mit dem Gegenteil.

Das gilt auch für Avanti, den jüngsten Player auf der deutschen Bühne für Textildiscounter. Dieser wurde im März von Bekleidungsfilialist C&A (Deutschland-Umsatz 2007: 2,9 Mrd Euro), der bereits seit Jahren auch in der Schweiz vertreten ist, ins Rennen geschickt. Gemäss C&A-Sprecher Thorsten Rolfes «fügt Avanti den Preis des Mode-Discounts und moderne Ladengestaltung zusammen».

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Das einmalige Konzept ist europäisch angelegt und schliesst die Schweiz nicht aus, bestätigt Rolfes. In diesem Jahr soll zunächst der deutsche Markt erobert werden, danach kommen die angrenzenden Länder dran. Es gebe ein Marktvolumen in Europa von annähernd 16 Mrd Euro, unterstreicht Rolfes die Bedeutung dieses Billigmarktes für Bekleidung. Mittlerweile sieht Takko nach eigenen Angaben Avanti als stärksten Verfolger in der Schweiz, noch vor Kik. Beide Discounter suchen bevorzugt Innenstadtlagen und wollen ins Ladenambiente investieren.

Spätestens 2009 dürfte das Wettrennen richtig an Fahrt gewinnen. Der Schweizer Restpostenhändler Ottos wird die neuen Discounter auf dem Food- und Non-Food-Sektor wohl zu spüren bekommen. Man beobachte genau, erklärte eine Ottos-Sprecherin, und CEO Mark Ineichen gestand Anfang des Jahres im Interview mit dem «Tages-Anzeiger», man bereite sich seit zwei Jahren auf den Markteintritt der Discounter vor.

Am stärksten unter Beobachtung steht derzeit jedoch Billigheimer Lidl, der wegen seiner gerade aufgedeckten heimlichen Abhörmethoden von Mitarbeitern in Deutschland erneut in Verruf geriet. Kommt er oder kommt er nicht?, fragt sich die Branche seit über zwei Jahren. Letzte Woche versprach eine Mitarbeiterin von Lidl Schweiz gegenüber der «Handelszeitung»: 2009 soll es losgehen. Der zentral aus Deutschland gelenkte Filialist musste allerdings erst begreifen, dass sich das deutsche Handelskonzept inklusive Markenpolitik in der Schweiz nicht eins zu eins kopieren lässt. Hat der Discounter das wirklich verstanden?

Damit tauchen neue Spekulationen auf. Lässt Lidl vielleicht doch lieber die Finger von der Schweiz? Mittlerweile ist Mitbewerber Aldi hierzulande längst davongezogen, verfügt über demnächst 60 Filialen – bald auch im Tessin, im Gewerbegebiet S. Antonino –, über einen guten Ruf und einen gewaltigen Werbevorsprung. Jüngsten Marktgerüchten zufolge sei sogar denkbar, dass Lidl ihre rund 60 reservierten Filialstandorte entnervt auf einen Schlag an einen anderen Mitspieler abgibt: Vielleicht an Netto-Süd (fast 1100 Filialen), einen zum deutschen Edeka-Einzelhandelskonzern gehörenden Discounter aus Süddeutschland, der bereits an die Grenzen der Schweiz reicht. Netto-Süd hätte gewisse Chancen, meint ein Kenner der Szene.

Namen sind bereits eingetragen

Für andere Discounter wie den deutschen Fitness-Studio-Betreiber McFit soll ebenfalls erst 2009 zum Expansionsjahr werden. «Wir eröffnen in diesem Jahr noch 30 Studios im Heimmarkt, dann geht es das erste Mal aus Deutschand raus nach Österreich, Frankreich und auch in die Schweiz», bestätigt Sprecher Björn Köllen. Probleme mit dem Zürcher Fitnessbetreiber gleichen Namens sieht Köllen nicht: «Wir können auch einen anderen Namen wählen.»

Ihren Namen als Internet-Adresse in der Schweiz reserviert hat sich hingegen die deutsche Billig-Zahnarztkette McZahn, die ebenfalls über die Grenze drängt: Die Domain «Mczahn.ch» ist seit jüngstem auf Werner Brandenbusch, den Gründer und Geschäftsführer der deutschen McZahn AG (Willich), eingetragen. Über einen möglichen Startschuss und Zeitpunkt schweigt sich Brandenbusch jedoch aus.