Was für Ferientouristen an der Tankstelle für gute Laune sorgt, bringt einige Firmen rund um den Globus mächtig ins Schwitzen: Weniger als 50 Dollar kostet ein Fass Rohöl in diesen Wochen. Entsprechend günstig ist das Benzin für Autofahrer derzeit. Doch wegen der Halbierung des Ölpreises innert Monaten – 2014 kostete ein Fass rund 110 Dollar – haben multinationale Ölfirmen und Industriekonzerne radikale Schritte eingeleitet – und reihenweise Jobs gestrichen.

Shell entlässt Tausende Mitarbeiter, gleichzeitig baut der Konzernchef die Firma um, kauft Unternehmen zu und hält die Aktionäre mit Dividenden-Zückerchen bei Laune. Die Konkurrenz von Chevron streicht massenhaft Stellen: 1500 Jobs baut der Ölriese ab, um die geringeren Einnahmen auszugleichen.

Auf Ramsch-Niveau

Der tiefe Ölpreis setzt auch Schweizer Unternehmen unter Druck. So musste der Industriekonzern Sulzer letzte Woche Halbjahreszahlen vorlegen, die um die Hälfte schlechter waren als noch ein Jahr zuvor. Seit Monaten tüftelt das Management an einschneidenden Sparmassnahmen. Sulzer hat heute 335 Mitarbeiter weniger als noch Anfang Jahr.

Doch die Situation der Winterthurer ist komfortabel im Vergleich mit einem anderen Schwergewicht. Besonders mitgenommen hat es die US-schweizerischen Ölbohrkonzern Transocean mit Sitz in Zug. Im März wurde die Kreditwürdigtkeit der Firma von der Rating-Agentur Standard & Poor's auf Ramsch-Niveau hinuntergestuft, nachdem Transocean einen Milliardenverlust ausweisen musste.

Um die Finanzen der Firma steht es schlecht, der Umsatz sinkt markant. Morgen Mittwoch wird der Konzern wieder Zahlen veröffentlichen. Fallen sie wieder so schwach aus wie anfangs Jahr, dürfte der Börsenwert des Unternehmens weiter sinken. Der Aktienkurs Transoceans sieht sich im Chartvergleich mit dem Ölpreis Brent gespiegelt (siehe links).

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China schwächelt weiter - und nun kommt der Iran

Transocean spart zwar nach Kräften, kann damit aber auch nicht die Widrigkeiten, die der Ölmarkt bereit hält, verhindern. Die Terminmärkte signalisieren zudem, dass der Ölpreis auch in den kommenden Monaten keine grossen Sprünge nach oben machen wird. Das zusätzliche Angebot aus dem Iran, der auf den Weltmarkt zurückkehrt, und die weiter schwache Nachfrage in China verhindern eine Rückkehr auf alte Niveaus.

Laut der Internationalen Energieagentur IEA in Paris hat die Weltwirtschaft dieses Jahr Bedarf nach Opec-Öl von rund 29 Millionen Barrel pro Tag, die Opec fördert aktuell mit 30 Millionen Barrel täglich sogar mehr. Trotz Preisverfall sorgt die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) dafür, dass die Fördermengen gross bleiben.