Unter Berücksichtigung der weiterhin angespannten Wirtschaftslage startet die Schweizer Motorradbranche optimistisch in die neue Saison. Im vergangenen Jahr wurden zwar 795 Motorräder weniger verkauft als 2008, doch aufgrund des zurückhaltenden Konsumverhaltens war mit dieser leicht rückläufigen Entwicklung um 4,3% zu rechnen.

Drehmoment statt PS-Leistung

Nimmt man die einzelnen Kategorien unter die Lupe, zeigt sich, dass der Schweizer Markt nach wie vor die hohe Kaufkraft und den Wunsch noch erstklassigen Produkten widerspiegelt. Das Streben nach viel Hubraum entspringt dabei heute immer weniger dem Wunsch nach möglichst viel Power, sondern eher nach viel Drehmoment und Durchzug ab tiefen Drehzahlen. Damit ist zügiges und schaltfaules Fahren gleichermassen garantiert, ein Fahrstil, der bestens in die heutige Zeit passt. 11 211 Schweizerinnen und Schweizer entschieden sich im vergangenen Jahr für neue Maschinen mit mehr als 750 cm3 Hubraum und 6003 für Motorräder mit von 500 bis 750 cm3. Zuoberst in der Gunst der Interessenten standen grosse Touren- und Strassensportmaschinen, gefolgt von potenten Reise-Enduros und auf genussvolles Fahren ausgelegten Cruisern.

Die 250er feiern ein Revival

Dagegen widerspiegeln die unteren Hubraumsegmente überraschende Entwicklungen. Während die 125er-Klasse mit 1049 Maschinen ein leichtes Plus von 1% verzeichnet, sank das Interesse an den Kleinsten bis 50 cm3 um 17% auf 1940 Stück.

Seit rund 25 Jahren nahezu in Vergessenheit geraten, startet dagegen die Viertelliter-Klasse in jüngster Zeit voll durch. Nach starkem Zuwachs 2008, legten die 250er im letzten Jahr erneut um beachtliche 86% auf 1049 Stück zu. Verantwortlich für diesen enormen Zuwachs ist vor allem ein Motorrad: Die Kawasaki Ninja 250 ist nicht nur preiswert, sie sieht auch sehr «erwachsen» aus und ist zudem einfach und tückenlos zu fahren. 472 meist jugendliche und weibliche Einsteiger entschieden sich 2009 für den attraktiven, sportlichen Racer.

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Die Gewinner und die Verlierer

Obwohl die gesamten Verkaufszahlen eine lediglich leicht rückläufige Marktsituation widerspiegeln, gab es im vergangenen Jahr klare Gewinner und Verlierer. Im Gegensatz zu 2008, als vorwiegend fernöstliche Marken Einbussen hinnehmen mussten, entschieden 2009 vor allem Preis, Modellangebot und Verfügbarkeit über Erfolg oder Misserfolg. Mit Steigerungen um 18% respektive 11,6% sind Kawasaki und Yamaha die Gewinner der letzten Saison. Lediglich leicht zugelegt haben Triumph (3%), Ducati (2,9%) und Harley (2,1%).

Die Verliererseite wird angeführt von Aprilia (-33,1%), gefolgt von Suzuki (-23,1%), KTM, (- 20,1%) und BMW (-10,4%).

Obwohl Suzuki aufgrund der negativen Geschäftsentwicklung mit lediglich 1963 verkauften Motorrädern auf Rang 6 abgerutscht ist, decken die «Grossen 4» (Yamaha, Honda, Kawasaki, Suzuki,) zusammen noch immer knapp die Hälfte des Schweizer Motorradmarktes ab. Leader ist weiterhin Yamaha mit 3608 Stück, gefolgt von Honda mit 3060 Einheiten. Aufgrund der enormen Steigerung um 23,5% hat Harley-Davidson bereits 2008 Suzuki vom 3. Platz verdrängt. Die US-Kultmarke hat in der Schweiz 2606 Maschinen verkauft und damit den 3. Platz souverän verteidigt. Kawasaki (2186) und BMW (2067) haben die Plätze 4 und 5 getauscht.

Mit Zuversicht ins Jahr 2010

Der bevorstehenden Motorradsaison 2010 sehen die Importeure grundsätzlich optimistisch entgegen. Die grösste Töff-Ausstellung der Schweiz, die Swiss Moto in Zürich, verzeichnete Mitte Februar nahezu gleichermassen viele Besucher wie im Rekordjahr 2009, was das ungebrochen starke Interesse am motorisierten Zweirad widerspiegelt. Christoph Haas, Marketing Manager der Harley-Davidson Switzerland GmbH, Zürich: «Wir haben momentan eine Produktpalette, die rundum stimmt und die beim Publikum sehr gut ankommt. Unsere Modelle entsprechen perfekt dem Zeitgeist. Wir möchten unsere Marktposition weiter ausbauen und den Umsatz steigern. Nach unserer Einschätzung wird sich 2010 der Gesamtmarkt auf dem momentanen Niveau stabilisieren.»

Zu den Gewinnern gehört auch Freddy Oswald, Geschäftsführer Fibag Kawasaki, Safenwil AG. «Unsere Modelle entsprechen absolut dem heutigen Marktbedürfnis. Dazu kommt, dass wir eine äusserst vernünftige Preispolitik pflegen; das zahlt sich in der momentanen Wirtschaftssituation aus. Aufgrund dieser Voraussetzungen sind wir überzeugt, 2010 unseren Marktanteil bei gleichen Stückzahlen weiter steigern zu können.»

Einen weiterhin leicht rückläufigen Gesamtmarkt erwartet Tom Petertil, Marketingleiter der BMW (Schweiz) AG, Dielsdorf: «Bereits zu Beginn der Saison 2009 war klar, dass BMW mittelfristig das wichtigste Volumenmodell, die R1200GS, erneuern wird. Das abwartende Kaufverhalten der Kunden hat allein in diesem Segment beträchtliche Einbussen bewirkt. Eine Prognose für die bevorstehende Saison ist schwierig. Wir rechnen mit einem weiterhin leicht rückläufigen Gesamtmarkt und einer Steigerung, was unsere Marke betrifft.»

Leader zündet «Nachbrenner»

Yamaha hat 2009 mit einem deutlichen Plus von über 10% abgeschlossen. «Auf dem hohen Niveau zu wachsen ist enorm schwierig. Prozentzahlen widerspiegeln da die wahren Entwicklungen nur bedingt», sagt Peter Manzanares, Communications Manager von Yamaha-Importeur Hostettler AG, Sursee. «2009 hatten wir diverse wichtige Volumenmodelle im Angebot. Mit diesen Erfolgsmodellen und entsprechenden Verkaufsförderungsmassnahmen werden wir in die Saison 2010 starten und ab Mitte Jahr mit den Neuheiten Super-Ténéré und FZ8 den verkaufsstrategischen ‹Nachbrenner› zünden. Für den Gesamtmarkt Schweiz und für Yamaha rechnen wir mit stabilen Zahlen.»