Alle Augen richten sich auf Apple. Heute Abend nach Börsenschluss stellt der Technikgigant seine Zahlen für Ende 2014 vor. Das Quartal ist rechnerisch das erste im Geschäftsjahr 2015 – und steht bei Anlegern besonders im Fokus.

Analysten sagen in vielen Kategorien ein neues Rekordquartal voraus. Schliesslich fliessen in die Publikation erstmals voll die Verkaufszahlen des neuen iPhones 6 ein, das seit Ende September im Verkauf ist. Diese fünf Kennzahlen sind dabei entscheidend für das Abschneiden von Apple – und den weiteren Kurs der Konzerns:

Die iPhone-Verkäufe

Die erste Kennzahl, an der Apple in diesem Quartal gemessen wird, sind die Verkäufe vom iPhone 6 und iPhone 6 Plus. Das Gerät ist seit Ende September im Handel, zudem ist das Weihnachtsquartal traditionell das stärkste des Konzerns. Analysten erwarten, dass Apple hier einen neuen Rekord aufstellt. «Mittlerweile wäre eine Verkaufszahl von weniger als 70 Millionen iPhones fast eine Enttäuschung», sagt Uwe Neumann, Technologie-Analyst bei der Credit Suisse. Ende November lag der Konsensus der Erwartungen noch bei 55 Millionen verkauften Geräten, neue Schätzungen gehen von einer Zahl deutlich jenseits der 67 Millionen aus.

Apple hat in den vergangenen vier Jahren fast in jedem Quartal die Zahl der iPhone-Verkäufe getoppt. Im Vorquartal meldete Apple einen Absatz von 39 Millionen Geräten, das war eine Steigerung von 16 Prozent zum Vorjahr.

Wieviel kostet ein iPhone?

Der durchschnittliche Verkaufspreis (Average Selling Price = ASP) von Apple-Produkten ist wichtig für das kalifornische Unternehmen. Der Durchschnittspreis lag Anfang 2014 bei 637 Dollar, fiel dann unter die 600-Dollar-Marke und erholte sich im vierten Quartal auf 603 Dollar.

Das kostspieligere iPhone 6 könnte ein weiteres Plus gebracht haben. Analysten erwarten in diesem Fall eine Steigerung der Bruttomarge von 38 Prozent auf 40 Prozent.

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Apple denkt an seine Aktionäre

Bei den Erträgen erwarten Analysten Rekorde. Der Konsens liegt bei um die 2,59 Dollar pro Aktie (Vorquartal: 1,42 Dollar je Aktie). «Einige rechnen sogar noch mit 10 Prozent mehr», sagt Analyst Neumann. Der starke Dollar hilft dem Technik-Giganten ausserdem. Apple kann dabei seine Gewinne an die Aktionäre zurückgeben, indem es sein Aktien-Rückkaufprogramm ausbaut. Den nötigen Cashflow hätte der Konzern: Allein 2014 hat Apple hier über 40 Milliarden Dollar angehäuft.

Der Konzern hatte schon im Februar 2014 Aktien im Wert von 14 Milliarden Dollar gekauft, zwei Milliarden Dollar davon am freien Markt. Ein weiterer Rückkauf würde den Gewinn pro Aktie noch um rund 6 Prozent steigern, schätzt Neumann. Erwartet wird ausserdem, dass der Konzern seine Dividende erhöht. Sie lag im Gesamtjahr 2014 bei 1,88 US-Dollar.

Grosse Erwartungen

Apple leidet unter einem Paradoxon: Der Konzern vermeldet Milliarden-Umsarzrekorde in schwindelerregenden Höhen, der Aktienkurs sackt nach der Präsentation der Zahlen trotzdem ab, weil sich die Anleger im Vorhinein heissgelaufen und den Kurs angeschoben haben. Vor einem Jahr zum Beispiel zeigte sich Apple-Chef Tim Cook «überrascht» darüber, dass das Papier des Konzerns nach dem Rekordergebnis um 8 Prozent nachgab. Ob das für heute Abend erwartete Rekordergebnis einen ähnlichen Effekt hat, wird sich zeigen. Analyst Neumann ist optimistisch: «Auch wenn Apple die Erwartungen der Analysten in diesem Quartal ‚nur’ erfüllt, ist nicht mit einer negativen Reaktion des Marktes zu rechnen.»

Wichtiger ist aber auch fast die Frage, wie sich Apple langfristig entwickelt – können die Smartphones, die rund zwei Drittel der Einnahmen einbringen, Apples Wachstum über das Jahr tragen? Einige Analysten erwarten, dass die iPhone6-Verkäufe ihren Höhepunkt in der ersten Jahreshälfte 2015 finden. Für die Aktie des Konzerns ging es dabei 2014 kräftig aufwärts, Apple knackte auch die historische Marke von einer Börsenkapitalisierung von über 700 Milliarden Dollar.

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Nischenprodukt Apple Watch

Nach iPod, iPhone und dem Tablet warten Experten schon lange auf den nächsten Kassenschlager bei Apple. Im September 2014 pries Apple-Chef Tim Cook die Apple Watch als das nächste grosse Ding an. Tatsächlich dürfte die schlaue Uhr aber mindestens für 2015 noch ein Nischenprodukt bleiben. «Die Apple Watch entscheidet nicht über den künftigen Konzernerfolg, selbst wenn der Verkauf der erhofften 30 Millionen Stück im Jahr 2015 gelingt», so Neumann, «Der Erfolg der Smartwatch von Apple ist psychologisch wichtig.»

Dem steht entgegen, dass noch immer kein offizieller Verkaufsstart für die Apple Watch feststeht – stets ist von «Frühjahr 2015» die Rede. Grund dafür sollen Berichten zufolge Probleme mit der Akku-Laufzeit des Gerätes sein. Angeblich hält die Uhr maximal 19 Stunden durch, bei intensiver Nutzung aber nur 2,5 Stunden.

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Eine unterschätzte Sparte

Während die Apple Watch also mindestens mit Startschwierigkeiten kämpfen könnte, wird ein anderer Bereich in seiner Bedeutung für Apple oft unterschätzt: Die höchsten Margen bringen der Verkauf von Apps und Software-Dienstleistungen. Die Gewinnspanne beträgt hier um die 90 Prozent.

In Anbetracht der Tatsache, dass in den USA rund jeder zweiter Nutzer in den USA gemeinsam mit dem iPhone auch Kopfhörer der Tochter Beats erwirbt, versprechen zum Beispiel die Einnahmen mit Streamingdiensten erheblich wichtiger zu werden. «Diese Nutzer sind potenzielle Kunden von Streaming Diensten, die sie monatlich bezahlen. Ein Traum für den Konzern», sagt Neumann. Apple setzt darum auch immer stärker darauf, die Apple-eigene Umwelt auszubauen und den Nutzer stärker zu binden – etwa mit dem neuen, vernetzten Betriebssystem Yosemite.

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