Das neue M&A-Jahr 2010 hat aus Schweizer Sicht gleich mit zwei Paukenschlägen begonnen: Der Pharmakonzern Novartis will das Augenheilkunde-Unternehmen Alcon vollständig schlucken und bietet 28,1 Mrd Dollar für den vom Lebensmittelkonzern Nestlé gehaltenen 52%-Anteil. Kurz darauf gab Nestlé bekannt, dass es für 3,7 Mrd Dollar das nordamerikanische Tiefkühl-Pizza-Geschäft von Kraft Foods übernehme. Diese beiden Transaktionen hätten es 2009 auf die Plätze eins und zwei der Rangliste mit den grössten Schweizer Deals geschafft - denn hinsichtlich angekündigter, hängiger und abgeschlossener Übernahmen und Fusionen mit Schweizer Beteiligung war das vergangene Jahr eine Enttäuschung. Die Zahl der Transaktionen sank um 19% auf 477. Dies geht aus den exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Tabellen und Übersichten des M&A-Unternehmens The Corporate Finance Group (TCFG) hervor.

Der Einbruch im M&A-Markt war eine direkte Folge der Finanzkrise, die die Märkte, die Weltwirtschaft und damit auch die hiesige Branche erschütterte. Das Jahr hat sich gesamthaft noch schlechter entwickelt, als es die Akteure vor einem Jahr prognostiziert hatten. Doch - und das ist die gute Nachricht - die Talsohle scheint durchschritten zu sein. Im 4. Quartal 2009 kam es zu 21% mehr Deals im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Das stimmt die Branche zuversichtlich, aber noch keineswegs euphorisch. Nach den vielen Enttäuschungen des letzten Jahres überrascht diese Haltung nicht. Marc Möckli, Partner von TCFG Group, erwartet für dieses Jahr einen Anstieg der M&A-Transaktionen um rund 10% auf über 500, auf ein wieder «normales» Niveau. Marco Illy, Chef Investment Banking im deutschsprachigen Raum bei der CS, rechnet damit, dass das Transaktionsvolumen in der Schweiz, das letztes Jahr bei rund 50 Mrd Fr. lag, Ende 2010 bei eher 60 Mrd Fr. liegen dürfte.

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Werner Kuhn, Leiter Investment Banking Schweiz der UBS, sieht vor allem in der Versicherungsbranche und im Private Banking einen anhaltenden Konsolidierungsbedarf, und zwar als Folge der veränderten Rahmenbedingungen. Im Industriebereich sollte es gemäss Kuhn verstärkt zu restrukturierungsbedingten M&A-Aktivitäten und Portfolio-Bereinigungen kommen.

Positiv stimmen dürfte die Branche letztlich auch, dass es in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland keine Kreditklemme gibt. Für strategisch sinnvolle Akquisitionen liess sich auch im letzten schwierigen Jahr genügend Kapital auftreiben. Daran wird sich 2010 kaum etwas ändern.