«Am liebsten würden wir eine Übereinkunft erreichen, die so umfassend wie möglich ist und alle Steuerflucht- und Steuerbetrugsthemen abdeckt», sagt EU-Steuerkommissar László Kovács im Exklusiv-Interview mit der «Handelszeitung». Er will in Kürze dem Rat der EU-Finanzminister einen entsprechenden Antrag stellen.

In einer Woche kommt am Ministertreffen der OECD das Thema Steuerflucht erneut aufs Tapet. Im Vorfeld des Treffens stellt sich Kovács gegen das Vorgehen der Schweizer Regierung, die verschiedenen Bereiche in separaten Abkommen und auf bilateralem Weg zu regeln. Heikel ist für die Schweiz insbesondere, dass Kovács neu den Streit um die Schweizer Briefkastenfirmen und um die Besteuerung von Holdings nun gleichzeitig mit dem Thema Bankgeheimnis verhandeln will.

Locker lassen wird Kovács nicht: «Die EU-Kommission ist fest entschlossen, Steuerflucht und Steuerbetrug zu bekämpfen», betont er und erinnert an das G20-Gipfeltreffen im vergangenen April. «Damals wurde klar festgehalten, dass die Ära des Bankgeheimnisses vorbei ist», sagt Kovács. Die Schweiz könne das Bankgeheimnis für ihre eigenen Bürger behalten, in der Beziehung zur EU lasse es sich aber nicht mehr halten.

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Kovács wird als nächsten Schritt dem Rat der EU-Finanzminister einen Verhandlungsentwurf vorlegen. Sobald der EU-Steuerkommissar die Zustimmung dieses Gremiums erhält, sollen die Gespräche mit der Schweiz beginnen.