Gemäss Jan Schoch, Partner von EFG Financial Products, stehen im schweizerischen Markt für strukturierte Produkte tief greifende Veränderungen bevor. So ist der Derivate-Experte überzeugt, dass der ausserbörsliche Handel (OTC) keine grosse Zukunft haben wird. Lediglich noch 20 bis 30% werde der Anteil von OTC-Produkten am Gesamtmarkt in fünf Jahren ausmachen. Zwar ist kein statistisches Material darüber verfügbar, welchen Stellenwert die ausserbörslich gehandelten Produkte im Schweizer Markt für strukturierte Produkte heute ausmachen. Aber Schätzungen gehen davon aus, dass aktuell zwischen zwei Drittel bis 90% des Marktes OTC gehandelt werden. Den Grund für die fehlenden Zukunftsperspektiven sieht Schoch im Kundenbedürfnis nach Transparenz.

Ist ein Grossteil der Produkte börsenkotiert, steigt neben der Liquidität auch die Vergleichbarkeit – und der Konkurrenzdruck. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Emittenten, sondern auch auf die Kunden. «Der Retailmarkt wird aus unserer Sicht stark wachsen. Das Verhältnis von aktuell 70% institutionellen und 30% privaten Kunden wird sich wohl in den nächsten fünf Jahren gerade umkehren» sagt Schoch. Und neue Kunden verlangen nach neuen Produkten.

Verschmelzung der Anlagen

An denen mangelt es bekanntlich nicht. «Neue Anlagevehikel spriessen wie Pilze aus dem Boden», beobachtet Cyril Schicker von Financialmedia AG. Über 27000 strukturierte Produkte stehen dem potenziellen Kunden derzeit zur Auswahl. Zwar haben die Emittenten ihre Anstrengungen, die Kunden über Risiken und Chancen der Vehikel aufzuklären, verstärkt. Die Finanzkrise und die damit verbundenen Marktturbulenzen haben dies notwendig gemacht und vor allem das Bedürfnis nach unabhängiger und vergleichender Aufklärung vergrössert.

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Doch nicht nur die Kurve für die Anzahl Produkte zeigt steil aufwärts. Neue Kombinationen und Verschmelzungen von Produktkategorien und Anlageklassen sind an der Tagesordnung. Sei es etwa jene zwischen Fonds und strukturierten Produkten. Aber sogar die Anlagestile «aktiv» und «passiv» lassen sich offenbar nicht mehr so klar voneinander trennen. «Vollends ausser Kontrolle geriet das Begriffsverständnis aktiv/passiv mit dem Aufkommen von Zertifikaten», schreiben Ueli Mettler und Fabian Ackermann von der Zürcher Kantonalbank. So finde man Zertifikate, die trotz nahezu identischen Produkteeigenschaften das Label «indexorientiert» oder «aktiv» tragen würden.