Am Ende wollen es alle gewusst haben: Weil Amerika die Finanzjongleure nicht rechtzeitig an die Leine genommen hat, ist die Wirtschaft jetzt am Ende. Doch mehrere Gründe sprechen dagegen.

Kontrolle ist die Rettung Hauptverantwortlich für diese Krise sind die Banken – und damit der am strengsten regulierte Teil des Wirtschaftssystems. Jedoch haben auch die Aufseher weltweit versagt. Sie haben nicht rechtzeitig erkannt, dass den Banken der Handel mit verbrieften Krediten über den Kopf wuchs.

Es ist naiv zu glauben, es brauche nur weitere Kontrollregeln, um künftige Krisen zu vermeiden. Die Aufseher sollten sich auf die zentralen Fragen konzentrieren: Womit verdient eine Bank ihr Geld, wo liegen ihre Risiken und was heisst das für das Finanzsystem?

• Der Markt hat versagt Politiker und Kommentatoren werten die Finanzkrise als Bankrotterklärung des freien Marktes. Allerdings hat der Staat kräftig dazu beigetragen. Die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die den Bauboom in Amerikas Vorstädten erst möglich gemacht haben, sind quasistaatliche Anstalten.

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Sie handelten im Auftrag der Bush-Regierung, wenn sie jedem Amerikaner den Traum vom eigenen Haus erfüllen wollten. Dazu kam eine Notenbank, die ab dem Jahr 2001 den Markt mit Geld überschwemmte, um die Wirtschaft anzukurbeln.

• Gewinne wurden privatisiert Auf den ersten Blick ist der Steuerzahler der Dumme. Lange haben Wall-Street-Banker Millionengehälter kassiert – und nun soll der Staat das Finanzsystem retten.

Auch wenn die Finanzkrise für den Steuerzahler fraglos zu einem Fiasko zu werden droht: Nicht nur er legt drauf. Zehntausende Banker von der Wall Street verlieren ihren Job. Und: Gerade in den Top-Positionen wurden die Verantwortlichen zu einem grossen Teil in Aktien bezahlt. Da diese erst nach zwei bis drei Jahren verkauft werden dürfen, haben die Boni erheblich an Wert verloren.

Und die 700 Mrd Dollar, mit denen Finanzminister Henry Paulson jetzt Problempapiere aufkaufen will, sind nicht verloren.

• Der Staat soll es richten Die Finanzkrise hat die öffentliche Hand in den USA zu einer gigantischen Finanzholding gemacht. Die Regierung kontrolliert die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die Notenbank Fed AIG.

Dass der Staat dabei Aktien einkassiert, ist nur der Ausgleich für die Milliardenhilfen – so hat der Steuerzahler die Chance, über einen späteren Wiederverkauf einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Schliesslich haben die USA auch die nach der «Savings & Loan»-Krise in den 80er Jahren verstaatlichten Institute zügig privatisiert.

• Investmentbanken sind tot Von fünf unabhängigen Investmentbanken sind nur zwei übrig geblieben, und selbst die – Goldman Sachs und Morgan Stanley – haben sich offiziell in normale Geschäftsbanken umgewandelt.

Es wird bereits das Ende der Ära der «Schattenbanken» ausgerufen, von nun an sollen Universalbanken den Ton angeben. Das Argument dafür: Banken mit Zugang zum Privatkundengeschäft sind stabiler, weil sie nicht ständig Geld am Kapitalmarkt leihen. Tatsächlich ist mit Washington Mutual die einst führende Sparkasse der USA zusammengebrochen, weil die Kunden ihre Einlagen abzogen.

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• Spekulanten sind schuld Spekulanten haben, so der Vorwurf, zunächst den Preisverfall bei verbrieften Hypothekenkrediten angeheizt und parallel auch noch auf sinkende Kurse bei Bankaktien gewettet.

Richtig hingegen ist, dass einzelne Aktien in den vergangenen zwei Wochen auch wegen solcher Aktionen um mehr als 50 % eingebrochen sind. Doch auch ohne Spekulanten wären sie abgestürzt, wenngleich in geringerem Ausmass.