Je länger die Finanzkrise tobt, desto mehr Kläger treten auf den Plan. Besonders in den USA decken geschädigte Kunden und Anleger die Finanzinstitute mit immer neuen Klagen ein. Aktuelle Studien zeigen, dass im 1. Halbjahr 2008 wegen der Subprime-Krise deutlich mehr Klagen eingereicht worden sind, besonders die Zahl der Sammelklagen ist gestiegen. Seit Jahresbeginn wurden in den USA bereits 139 Sammelklagen angestrengt, und wenn es in diesem Stil weitergeht, werden es in diesem Jahr erstmals mehr Klagen sein als 2002, kommt die Studie von Nera Economic Consulting zum Schluss.

Die Ergebnisse der Untersuchung von Cornerstone Research und Stanford Law School deuten in eine ähnliche Richtung. Laut Research-Leiter Joseph Grundfest wurden in diesem Jahr bisher die Hälfte der Klagen zum Thema Subprime eingereicht. Besonders der Kollaps des 330-Mrd-Dollar-Marktes für sogenannte Auction-Rate-Securities (ARS) zieht eine Klagenflut nach sich. In diesem Zusammenhang wurden seit Jahresbeginn rund 20 Sammelklagen gegen verschiedene Banken eingereicht. Allein die UBS sieht sich offenbar mit drei Sammelklagen konfrontiert.

Problemfall ARS

Der Kollaps des Marktes für diese als sicher geltenden Wertpapiere, deren Zinsen in kurzen Abständen bei Auktionen neu festgesetzt werden, führte bei Kunden zu grossen Verlusten. Neben geschädigten Kunden klagen auch amerikanische Bundesstaaten. So hat etwa New York eine Klage gegen die UBS eingereicht. Die Bank habe den Kunden noch ARS angedreht, als sich die Manager bereits von ihren Papieren trennten. Der im Mittelpunkt der Ermittlungen stehende Chefjurist des Investment Banking, David Aufhauser, verlässt jetzt die Bank.

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Kürzlich hat die UBS zudem angekündigt, Papiere dieser Art im Wert von bis zu 3,5 Mrd Dollar zurückzukaufen. Damit wird das Risiko von zusätzlichen Klagen verkleinert. Ob weitere Wertpapiere zurückgenommen werden, ist noch nicht entschieden: «Wir arbeiten intensiv an Lösungen, um die Liquiditätsprobleme von Kunden bei diesen Finanzinstrumenten zu beheben», sagt UBS-Sprecherin Sabine Woessner.

Die Grossbank hat diese Anleihen herausgegeben und sich als einer der letzten Marktteilnehmer aus dem Geschäft zurückgezogen. Im 1. Quartal 2008 stiegen die ARS-Risikopositionen auf 10,4 Mrd Dollar, von zuvor 7,7 Mrd Dollar. Analysten erwarten, dass auf diesen Beständen Abschreibungen notwendig werden (siehe Zweittext).

Die Credit Suisse war dagegen nicht als Herausgeberin aktiv, sondern hat mit diesen Papieren nur gehandelt. Im 2. Quartal mussten daher auch keine Wertberichtigungen auf diesen Positionen ausgewiesen werden. Allerdings wurden zwei frühere Broker der Credit Suisse vom New Yorker Staatsanwalt wegen Betrugs im Zusammenhang mit ARS angeklagt. «Die beiden Mitarbeiter haben interne Vorschriften verletzt und sind ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nicht nachgekommen», sagt Credit-Suisse-Sprecherin Regula Arrigoni. Die Mitarbeiter wurden daraufhin suspendiert; im September 2007 kündigten die zwei Broker.

Auch Swiss Re mit Sammelklage

Die Bank hat wegen der Subprime-Krise aber auch selbst Klagen am Hals. So hat die Anwaltskanzlei Coughlin Stoia Geller Rudman & Robbins eine Sammelklage eingereicht. Der Credit Suisse wird unter anderem vorgeworfen, falsche oder irreführende Angaben zum Ergebnis gemacht zu haben. Auch Swiss Re sieht sich mit einer Sammelklage von dieser Anwaltskanzlei konfrontiert. Man habe die Anleger getäuscht und gegen das US-Wertschriftengesetz verstossen.

 

 


UBS: Im Juli hat sich die Situation verschlechtert

Die für die Höhe der Abschreiber relevanten Indizes haben sich im Juli verschlechtert», sagt Helvea-Analyst Peter Thorne. Er wäre daher nicht überrascht, wenn die UBS auch im 3. Quartal weitere Abschreiber tätigen müsste. JP Morgan rechnet für 2008 mit insgesamt rund 8 Mrd Fr.

Im 1. Quartal hatte die Grossbank noch Risikopositionen von über 80 Mrd Dollar in den Büchern. Die Deutsche Bank erwartet, dass sich dieses Engagement im 2. Quartal auf rund 47 Mrd Dollar reduziert hat, dies nach geschätzten Abschreibern von 5 bis 7 Mrd Fr. und der Auslagerung von Risikopapieren an Blackrock.

Als wären die bisherigen Risikobestände von Subprime-Papieren über Kreditversicherer bis hin zu kreditfinanzierten Übernahmen nicht genug, bereiten Thorne die einbrechenden Immobilienmärkte in Grossbritannien und Spanien Sorgen, die auch bei der UBS zu zusätzlichen Wertberichtigungen führen könnten.

Selbst Bankenvertreter werden langsam vorsichtiger. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der lange Optimismus verbreitete, gab sich bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses zurückhaltend. Auch Credit-Suisse-CEO Brady Dougan gab trotz gutem Resultat keine Entwarnung: «Das Marktumfeld dürfte sich kurz- bis mittelfristig nicht verbessern.» Die UBS legt den Halbjahresbericht am 12. August vor. Dank einer Steuergutschrift von rund 3 Mrd Fr. soll das Ergebnis voraussichtlich ausgeglichen bis leicht negativ ausfallen. (ng)