Wer würde sich nicht einen solchen Arbeitsort wünschen: Nils A. Hofer steht auf seinem Fischerboot, ringsum funkelt das Wasser in der Morgensonne. 100 m weiter liegt ein wildromantisches Ufer des Bürgenstocks, gegenüber thront die Rigi, dazwischen eröffnet sich Bergpanorama um Bergpanorama.

Bei einer Boje auf dem Vierwaldstättersee beginnt der Berufsfischer nun, das vor einem Tag ausgelegte Netz aus 40 bis 50 m Tiefe hochzuziehen. Möwen kreischen herbei. Es komme ihm vor, als ob es immer dieselben Vögel seien, meint Hofer aus seinem hochgeschlossenen Goretex-Anzug. Die gefiederten Kollegen werden erst wieder abziehen, wenn sie ihr Stück Fisch bekommen haben.

Der Vierwaldstättersee hat eine Fläche von 113,72 km2 und ist bis zu 214 m tief. Im Wasserraum bewegen sich 33 Fischarten. Zu Hofers Revieren gehören Zonen bei Merlischachen SZ, Meggen LU und St. Niklausen/Kastanienbaum LU. Von Juni bis September sowie im November und Dezember gehen besonders Albeli (Felchen) und Röteli (Saiblinge) ins Netz. Wobei jeder Morgen eine kleine Überraschung bietet. So auch jener Dienstag vor ein paar Wochen. Erste Albeli und Röteli tauchen in Hofers Netz auf. Behände befreit er die glitschigen Tiere aus den Fängen und lässt sie in die Behälter fliegen. Dazwischen verfüttert er den einen und anderen Fisch an die lauernden Möwen. Er zieht weiter am fast 100 m langen Netz.

Anzeige

Der See hat laut Hofer Trinkwasserqualität. Seit Mitte der 1980-er Jahre sind die Phosphate im Vierwaldstättersee nahezu weggefiltert worden. Dadurch ist der Dünger für Biomasse verschwunden und der See umso sauerstoffreicher geworden. Für die Plankton fressenden Fische bedeutet das, dass sie im glasklaren Nass länger auf Futtersuche gehen müssen. «Die Fische sind jetzt etwas kleiner und schlanker, dafür in TopForm», sagt der Berufsfischer.

Konkurrenz aus der Familie

Bis um 10 Uhr wird er gut 20 kg Albeli und Röteli beisammenhaben, was dem saisonalen Durchschnitt entspricht. Hinzu kommen im Frühling wöchentlich rund 25 kg Hecht, die er mittels trichterförmiger Reusen in Ufernähe fängt. Wobei die ertragreichste Saison mit dem Sommer beginnt. Dann gehen auch Egli, Felchen und Balchen ins Netz. Für die Trüschen, wegen des festen Fleisches und der wenigen Gräten Hofers Lieblingsfische, und die Seeforellen gibt es keine Saison. Sie gelten das ganze Jahr über als Edelbeifang.

Zehn Fischereibetriebe mit nur dreizehn Berufsfischern teilen sich derzeit die Erträge aus dem Vierwaldstättersee. Einige unter ihnen sind Namensgenossen Hofers. Bereits um 1500 hat sich in Meggen LU ein erster Hofer niedergelassen. Der Vater von Nils A. Hofer fährt auch mit 78 Jahren frühmorgens auf den See hinaus. Und der Grossvater hat einen Tag vor seinem Tod noch die Netze hochgezogen. Von Hofers beiden Kindern zeigt eher die Tochter Lust an der Fischerei. Derzeit besucht sie das Gymnasium in Engelberg OW.

Fischer wird man schliesslich aus Leidenschaft: Zu jeder Jahreszeit ist man auf dem Boot unmittelbar mit dem Spiel der Elemente konfrontiert. «Einmal war die ganze Landschaft in Nebel gehüllt. Nur die Kirche in Greppen SZ vermochte die Sonne zu beleuchten», schwärmt Hofer. Eingefahren ist ihm auch, als kürzlich ein Familienvater in einem seiner Reviere vermisst wurde. Hofer musste losfahren, um das Netz zu prüfen. Für ihn glücklicherweise ein Fehlalarm. Abgesehen von einem alten Militärgewehr oder einer ausgesetzten Schildkröte gehen ihm selten Fremdkörper ins Netz.

Anzeige

Zucht in einer Gartenanlage

Im Fischerhaus in Meggen LU züchtet er in kleinen Becken Seeforellen. Haben die Winzlinge eine entsprechende Grösse erreicht, entlässt er sie in den Vierwaldstättersee. Zur Gelassenheit trägt auch die Fischzucht in der Gartenanlage bei seinem stilechten Holzhaus bei. In der malerischen Umgebung schwimmen Forellen und Saiblinge in zehn Bassins mit Frischwasser, hochgepumpt vom 100 m entfernten See. Um das Angebot am Markt und für die Restaurants zu bereichern, kauft Hofer auserwählte Salzwasserfische aus nachhaltigen Fischereibetrieben: «Pangasius aus vietnamesischer Zucht käme bei mir nie in Frage», sagt Hofer. «Ein guter Fisch muss aus einem möglichst naturbelassenen Umfeld kommen. Idealerweise hat er glänzende Augen und kann den Druck auf den Körper abfedern.»

Die frischen Albeli und Röteli schneiden Hofer und ein Angestellter in der Produktionshalle mit einer Maschine zu Filets. Die Abfälle dienen als Futter für die Forellen, die zu den Raubfischen zählen. Zum Preis von 25 Fr. pro kg verkauft er die Filets schliesslich am Luzerner Markt an der Reuss oder am Horwer Markt. Was gibt es für Konsumenten Schöneres, als lokalen Fisch vom Fischer höchstpersönlich erwerben zu können.

Anzeige