Nach anfänglich gutem Start im Dezember, als früher und zeitweise heftiger Schneefall bis ins Unterland den Sporthandel aufatmen liess, ist in der Sportartikel-Branche inzwischen grosse Ernüchterung eingekehrt.

«Auf Basis der guten Dezemberzahlen könnte die Wintersaison mit einem Plus von 10% abschliessen», sagt Kurt Meister, Leiter der Abteilung Sports, Toys und Retail bei der IHA-GfK in Hergiswil. Trotzdem: Auch wenn die Saison noch bis nach den Osterferien läuft, rechnet der Branchenexperte vorsichtig. Zwar sei die Stimmung in den Wintersportregionen gut, doch stehen die Lifte unten bei 20 Grad still. Nach Einschätzung von Kurt Meister könnten gemäss den Dezemberzahlen Alpinski-Verkäufe mit 13%, Snowboard-Verkäufe mit 9% und Wintersportbekleidung mit 6% im Plus liegen. Allerdings hofft der IHA-Beobachter, dass Schnee und Kälte bis April noch einmal zurückkehren.

Ein Jahr zuvor schon hatte der komplette Handel massive Umsatzeinbrüche bei Ski- und Snowboards und Winterbekleidung von bis zu 25% verkraften müssen und hoffte in dieser Saison auf ein endlich wieder starkes Winterbusiness. Profitiert hatte im letzten Sommer nur der Endverbraucher, der sich in den Bademonaten so günstig und umfangreich wie nie an Wintersportartikeln satt kaufen konnte.

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Vor allem Sport-Discounter wie SportXX und Athleticum sowie Filialisten wie Ochsner Sport hatten sich völlig verkalkuliert und im letzten Sommer eine Ausverkaufschlacht angezettelt. Doch bislang enttäuscht eben auch diese Saison, lediglich höher gelegene Stationsgeschäfte können bislang auf halbwegs zufriedenstellende Abverkäufe blicken. Stationshändler haben sich zudem mit dem boomenden Vermietungsgeschäft von Ski und Snowboard ein zweites Standbein aufgebaut. Der Vermietungsgrad liegt inzwischen bei weit über 15% vom gesamten Wintergeschäft, bei einigen Stationshändlern bewegt sich der Anteil sogar um 25%. Für Sportdetaillisten im Flachland und in den Städten ergeben sich daraus weitere Kundenverluste, weil diese lieber oben mieten als unten kaufen. Branchenkenner jedenfalls glauben, dass ein grundsätzliches Umdenken im Handel erforderlich ist.

«Zu winterlastig»

«Der Schweizer Sporthandel ist noch zu winterlastig», sagt der frühere Manor-Manager und jetzige Sport-2000-Chef in der Schweiz, Roland Felder. Sport 2000 ist ein Sporthändler-Einkaufsverband aus Deutschland, der vor drei Jahren in die Schweiz kam und hier hinter dem grössten Einkaufsverband Intersport (siehe Text unten) mittlerweile über 80 Sportdetaillisten als Mitglieder zählt. Der konzernerfahrene Felder rät zur breiteren Streuung in Sachen Sortimentsgestaltung: Themen wie Outdoor, Sportmode oder sogar das Velo zählen dazu.

Erfolgreich aufs Bike setzt zum Beispiel der Sport-2000-Händler Beat Livers (Sport Beat) in Flims und Brigels, der damit einen Ausgleich zum wackligen Wintergeschäft gefunden hat. Traditionsreiche Stadtgeschäfte und Intersport-Händler wie Kost Sport (Basel) oder Och Sport (Zürich) haben sich inzwischen stark auf modische Sportbekleidung konzentriert.

Nach Angaben des Branchenmagazins «Schweizer Sport & Mode» gehören für 70% der Schweizerinnen und Schweizer sportliche Bekleidung, ob outdoor- oder lifestyleorientiert, zum beliebtesten Kleidungsstil. Gerade für Freizeitaktivitäten werden immer häufiger hochfunktionelle Sporttextilien eingesetzt, berichtet etwa Sporthändlerin Simone Kost. In vielen Sportgeschäften beträgt der Umsatzanteil Sportmode bereits über 30%. Für den Zürcher Sporthändler François Och spielt die Musik aber auch immer stärker im Outdoorsektor, von dem sich Och «in den nächsten Jahren weiter hohe Zuwachsraten» verspricht. Outdoor könnte sich nämlich als Boomsportart über das ganze Jahr hinweg als Umsatzretter sowohl für Sportallrounder als auch für Spezialisten durchsetzen. Egal ob leichtes Wandern, anspruchsvolle Trekkingtouren (auch mit dem Mountain-Bike), Indoorklettern in immer mehr Hallen oder Kanutouren, der Outdoormarkt boomt und ist laut Marktexperten von der IHA-GfK (Hergiswil) seit 2000 um 20% gewachsen.

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Gemäss IHA-GfK veranschlagt Outdoor mittlerweile gut 20% des gesamten Schweizer Sportartikelmarkts in Höhe von knapp 2 Mrd Fr. Der Umsatz im Sortimentsbereich Outdoor ? Ausrüstung, Schuhe und Textilien ? legte im vergangenen Sommer jedenfalls nach IHA-GfK-Erkenntnissen um 7% auf knapp 360 Mio Fr. zu.

Mammut als gutes Beispiel

Davon profitiert auch der Schweizer Vorzeige-Outdooranbieter Mammut. Dieser wird als Mammut Sports Group (MSG) mit den Marken Mammut (Zelte, Rucksäcke, Kletterausrüstung), Raichle (Outdoorschuhe), Toko (Wachs) und Ajungilak (Schlafsäcke) unter dem Dach der Schweizer Conzzeta Holding (Seon) geführt. In den letzten beiden Jahren legte das Unternehmen mit Kultstatus zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz hin. Dieser klettere auf knapp 170 Mio Fr. Das Wachstum resultierte sowohl aus dem umkämpften Heimatmarkt als auch aus dem Ausland.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil man mit dem breiten Angebot nicht nur auf das Wintergeschäft fokussiert ist. Ein Beispiel, dem andere Anbieter und Verkäufer sicher noch folgen werden.

 

 


Britischer Investor will «schlafenden Giganten» wecken

Der Aufschrei war gross, als der britische Investor Nicholas Berry vor sieben Jahren über seine Zelfi Sports Holding Ltd die Mehrheit (91%) beim Händlereinkaufsverbund Intersport Schweiz erwarb. Ein «profitgieriger Raider» befürchteten die meisten. Denn damals strauchelte der Verbund in der Tat aufgrund sinkender Umsätze, Mitgliederschwund und schlechtem Image. Doch das war ein Irrtum: Heute steht Intersport Schweiz (Ostermundigen) mit 271 Sporthändlern und 25% Marktanteil glänzender da denn je und der nationale Verbund könnte ein Vorzeigeprojekt für das weltweite Händlernetz von Intersport International (IIC) ebenfalls mit Sitz in Bern sein, sagt der 66-jährige Berry.

Trotz schwieriger Wintersaison konnte der Nettogewinn im Geschäftsjahr 2006/2007 von Intersport Schweiz erneut (um 9,1%) auf 2,9 Mio Fr. erhöht werden, die Umsätze der Gruppe (Stufe Grosshandel) wuchsen um 6% auf 234,1 Mio Fr. Ehemalige Intersport-Gründungsmitglieder wie Sport Och (Zürich) sind wieder in den Verbund zurückgekehrt, IT-Vernetzung und Marketing für alle Sportgeschäfte werden nach und nach ausgebaut. Aufgrund des guten Ergebnisses und einem Mittelzufluss durch Liegenschaftsverkäufe soll eine Kapitalherabsetzung um 50% vorgenommen werden. Die frei werdenden Mittel sollen den Händlern zugute kommen, verspricht Berry, der immer betont hatte, ein «long-term-investor» zu sein.

Zu viel Geld zu haben führe nur zu dummen Gedanken. So kritisiert Berry deutlich, dass Intersport International soeben in Bern ein 20 Mio Fr. teures neues Headquarter baue. Das sei völlig überflüssig und das Geld hätte besser in die Mitglieder gesteckt werden sollen. Für Nicholas Berry, der im Zweiwochen-Rhythmus Intersportmitglieder in der Schweiz be-sucht, sind «die einzelnen Händler das grösste Potenzial, das wir haben».

«Intersport International mit 5000 Händlern ist ein ?sleeping giant?», fügt Berry hinzu. «Wir lernen von den Händlern», meint der Intersport-Schweiz-Chef entschieden, das hätten manche andere Intersport-Länderorganisationen offenbar noch nicht begriffen.(nk)