Die Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise sind in der sogenannten Realwirtschaft angekommen. In vielen Branchen herrscht grosse Unsicherheit bezüglich der künftigen Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit. Das hat zu verschiedenen Effekten geführt, aus denen sich mittelfristig gute Chancen für Logistiker ergeben können. Neben Services wie Freightmanagement, Lagerhaltung und Warenverteilung gehören dazu auch die Entwicklung von Just-in-time-Konzepten, das Angebot integrierter Supply-Chain-Lösungen und nicht zuletzt die Reverse Logistics.

Infrastruktur im Fokus

Die Krise hat viele Regierungen bewogen, umfangreiche Konjunkturprogramme aufzulegen, um Gegensteuer zu geben. Neben der Diskussion um Steuererleichterungen spielen Infrastrukturprogramme in fast allen Ländern eine bedeutende Rolle. Dabei werden Logistiker alle Hände voll zu tun bekommen, sei es bei der Sanierung öffentlicher Gebäude, dem Ausbau des Strassen- und Schienennetzes oder bei Investitionsvorhaben in Kraftwerke zur Produktion alternativer Energien - überall müssen Güter termingerecht angeliefert werden.

Ein grosser Teil der Logistikindustrie arbeitet mit Asset-Light- oder Asset-Appropriate-Modellen, welche eine Anpassungsfähigkeit an temporäre Schwankungen im Transportaufkommen relativ rasch erlauben. Die globale Vernetzung einiger Logistikanbieter erlaubt es auch, sich stärker auf Märkte zu konzentrieren, welche weniger von Turbulenzen heimgesucht worden sind. Die Verlangsamung der Zyklen wird es einigen Kunden ermöglichen, vermehrt von der schnellen, aber teuren Luftfracht auf Sea-Air-Produkte oder gar Seefracht umzusteigen; hier sind die Logistikanbieter gefordert, ihren Kunden die besten Lösungen anzubieten.

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Konzentration aufs Kerngeschäft

Im Bemühen, die operativen Kosten zu senken und konkurrenzfähig zu bleiben, besinnen sich viele Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen und lagern Randaktivitäten aus: Muss ein Lebensmittelproduzent einen eigenen Fuhrpark unterhalten? Hier haben leistungsfähige Logistikdienstleister mit einem intelligenten Produktportfolio die Chance, dauerhafte Geschäftsbeziehungen einzugehen. Voraussetzungen dafür sind ein gutes Netzwerk, exzellente Kenntnis der Zielmärkte, insbesondere von deren rechtlichen Bestimmungen und eine ständige Weiterentwicklung der Produktpalette.

Darüber hinaus bieten global agierende Logistikdienstleister integrierte Supply-Chain-Lösungen für Kunden verschiedenster Grössen aus den verschiedensten Branchen an, dazu Warehousing, Strassen-, See- und Luftfrachtdienst-leistungen aus einer Hand. Die Wahl des geeigneten Transportweges kann so dynamisch erfolgen und sich sowohl den zu transportierenden Gütern als auch sich verändernden Märkten flexibel anpassen.

Dies schätzen vor allem Unternehmen, die neue Märkte erschliessen und zunächst in wenigen Ländern über den Direktexport evaluieren, wie sich Nachfrage und Absatz entwickeln. Für die weitere Expansion setzen sie dann auf Partner, welche über entsprechende internationale und lokale Logistikerfahrung bis hin zur Infrastruktur verfügen.

In die von Logistikdienstleistern erstellten und unterhaltenen Lager fliesst nicht nur die gesamte Erfahrung global aufgestellter Logistiker ein, sie unterhalten oft auch ein Webportal, über das die Kunden «ihr» Lager bewirtschaften können, ohne sich um Details kümmern zu müssen. So haben sie jederzeit den Überblick und können ihre eigenen Kunden aus den scheinbar eigenen Lagern zeitgerecht versorgen. Zum Serviceportfolio erfahrender Logistiker gehört schliesslich auch die oft unterschätzte Reverse Logistics, also die sachgerechte Entsorgung und Verwertung von Materialien bis hin zum Handling aller Art von Rücksendungen.

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Unterstützung in neuen Märkten

Führende Unternehmen müssen expandieren, wenn sie ihre Position auf den Weltmärkten halten und ausbauen wollen. Gerade in Zeiten, in denen Kapital knapper wird und Banken mit der Gewährung von Krediten zur Unterstützung zunächst noch unsicherer Expansionsstrategien eher zurückhaltend sind, können sich weltweit operierende Logistikunternehmen als Partner zur Erschliessung neuer Märkte profilieren. Heutzutage gibt es auch Logistiker, die zu eigenen Investitionen bereit sind, um ihre Kunden bei deren Expansion zu unterstützen.

Dies erfordert neben finanzieller Leistungsfähigkeit und Stabilität auch ein sehr enges, persönliches Vertrauensverhältnis zum Kunden. Zu einem vertrauensvollen Verhältnis zum Kunden, das auch in der jeder Krise folgenden Aufschwungphase erhalten bleiben soll, gehören zudem solide Geschäftspraktiken einschliesslich der Bereitschaft, gemeinsam mit einem Kunden neue Märkte zu entwickeln, operative Exzellenz und natürlich effiziente Betriebsabläufe, um die Kosten gering zu halten.

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Die Reduktion der Kapitalkosten in der Versorgungskette ist eine besondere Herausforderung. Gegenstand jüngerer Forschungsarbeiten ist die Frage, inwieweit das Supply Chain Management zur Senkung der Kapitalkosten beitragen kann. Damit ist nicht die klassische Reduktion der Bestände gemeint, sondern eine Verbesserung der Finanzierung in der Supply Chain. Denn der Informationsvorteil in Supply Chains kann von den Akteuren genutzt werden, um Risiken und risikoadäquate Kapital-kosten zu senken. Hier ergeben sich also ganz offensichtlich noch grosse Chancen für die innovativen Logistiker, denn der nächste Aufschwung kommt bestimmt. Und dann müssen Unternehmen ihre Supply Chain bereits optimiert haben, soll der einsetzende Aufschwung nicht an ihnen vorbeigehen.