Nobel Biocare enttäuscht erneut. Der Zahnimplantatehersteller hat am letzten Freitag bereits zum vierten Mal seit August 2007 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Dabei rapportiert das schweizerisch-schwedische Unternehmen seine Zahlen für das 3. Quartal erst am 3. November 2008. In einem «Trading Statement» gab Nobel bekannt, der Umsatz in lokalen Währungen für die ersten neun Monate falle im Vergleich zum Vorjahr um 1% und für das 3. Quartal um 2,8% tiefer aus. In Euro – der für Nobel relevanten Währung – beläuft sich der Rückgang auf 5,9 beziehungsweise auf 7,3%.

Die Reaktion der Börse liess nicht auf sich warten, zwischenzeitlich verlor der Nobel-Titel am vergangenen Freitag bis zu 40% an Wert, zu Börsenschluss waren es noch 27%. Zu Wochenbeginn hat die Aktie allerdings wieder leicht zugelegt.

Nobel erklärt das schlechte Abschneiden mit der düsteren Konjunkturlage. Vor allem gegen Ende September hätten die Verkäufe besonders gelitten. Glaubhaft wird die Aussage dadurch, dass am gleichen Tag wie Nobel Biocare auch der kleinere Konkurrent Biomet Dental einen – allerdings deutlich geringeren – Umsatzrückgang von 1% für das 3. Quartal ausweisen musste. Ein tieferer Umsatz bedeutet im Zahngeschäft immer auch eine tiefere Marge: Vor allem die in diesem Bereich dominierenden Marketing- und Verkaufskosten fallen für jedes weitere verkaufte Stück weniger ins Gewicht und umgekehrt. Laut Analysten kann Nobel wegen des Absatzeinbruchs das eigene Jahresziel einer gleich bleibenden Ebit-Marge von 32,5% nicht mehr erreichen.

Straumann liegt vorne

Viel weniger stark auf konjunkturelle Dellen als Nobel Biocare reagiert deren Basler Konkurrentin Straumann – nach Nobel weltweit die Nummer zwei bei den Zahnimplantaten. Straumann präsentiert seine Quartalszahlen am 30. Oktober. Während Nobel Biocare schon im 1. Halbjahr einen um 5% geringeren Umsatz bekannt geben musste, hat jener von Straumann um 17% zugelegt.

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Laut ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger liegt diese unterschiedliche Entwicklung am Produktportfolio: Nobel Biocare ist mehr noch als Straumann in der Behandlung aufwendiger und kosmetischer Zahneingriffe tätig, die schnell mehrere 10000 Dollar kosten können. Solche Eingriffe werden verschoben, wenn die finanzielle Lage der Kunden sich verschlechtert. Dennoch ist die Konjunktur nicht der Hauptgrund für die Probleme von Nobel Biocare.

Noch immer leidet das Unternehmen an den Folgen des Managementwechsels von Heliane Canepa zum vormaligen Syngenta-Finanzchef Domenico Scala im September 2007. Die alte Nobel-Führung hat viele Zahnärzte mit einer aggressiven Marketingkampagne verärgert, die das neue Team nun wieder für sich einzunehmen sucht. Der kulturelle Wandel ist offenbar noch nicht abgeschlossen.

Trotz der bisherigen Misserfolge hält der Verwaltungsrat aber dem neuen Management die Stange. Präsident Rolf Soiron liess nach der Nobel-Gewinnwarnung ausrichten, dass Domenico Scala und sein Team sein volles Vertrauen geniessen.

Ein Vergleich der Produktpipeline zeigt kaum qualitative Unterschiede zwischen den Unternehmen. Beide sind im Bereich der Implantate führend. Mit dem Kauf der deutschen Etkon ist Straumann nun auch in die Prothetik mit Zahnkronen und -brücken eingestiegen, doch kommt sie bei weitem noch nicht an Nobel und dessen Procera-Produkte heran. Hoffnungsträger für Straumann ist das neue Implantatmaterial Roxolid (das nicht zufällig wie «Rock solid» – felsenfest – ausgesprochen wird). Dieses soll selbst die Qualitäten des bisher führenden Titans ausstechen und im nächsten Jahr auf den Markt gebracht werden.