Der Nutzen der mit dem neuen Spielbankengesetz wieder zugelassenen Casinos in der Schweiz wird in der Regel vor allem an den Abgaben gemessen, die von den Spielbanken an die Standortgemeinde und den Standortkanton bzw. an den Bund abgeführt werden müssen. In der Tat kam gesamtschweizerisch bereits letztes Jahr bei einem durchschnittlichen Abgabesatz von knapp 50% auf einem Bruttospielertrag von insgesamt knapp 300 Mio Fr. ein erheblicher Abgabebetrag zu Gunsten der öffentlichen Hand bzw. der AHV zusammen. Dieser wird sich im laufenden Jahr wohl etwa verdoppeln.

So eindrücklich diese Zahlen sind, so wenig sagen sie aber letztlich über den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Nutzen eines Grand Casinos aus, denn dieser bemisst sich nicht nur an der Höhe der Spielbankenabgabe. Die Stadtcasino Baden AG hat deshalb im Rahmen der Bemühungen um eine Grand- Jeu-Lizenz eine Studie über den gesamten volkswirtschaftlichen Nutzen einer Spielbank in Baden ausarbeiten lassen. Diese erfasste nicht nur die unterschiedlichen Abgaben und Steuern, sondern auch die regionalen Auswirkungen eines Grand Casinos aus beschäftigungspolitischer und touristischer Sicht.

Die kommerzielle Basis der entsprechenden Berechnungen war der Businessplan, der auch dem Konzessionsgesuch für ein Grand Casino zu Grunde lag. Dieser geht für das erste volle Betriebsjahr bei einer durchschnittlichen täglichen Frequenz von 1500 Besuchern von einem Bruttospielertrag (BSE) von durchschnittlich je 100 Mio Fr. während den ersten fünf Betriebsjahren aus, der mit 265 Spielautomaten und im Grand Jeu an insgesamt 23 Spieltischen erzielt wird. Letzteres ist deshalb von Bedeutung, weil das Grand Jeu sehr personalintensiv ist und Baden mit dem breitesten Grand-Jeu-Angebot und besonders personalintensiven Tischspielen wie dem French Roulette auch einen entsprechend hohen Personalaufwand betreiben muss.

Ausgehend von einem durchschnittlichen BSE von 100 Mio Fr. errechnen sich Spielbankenabgaben, Ertragssteuern, Dividendenbesteuerung bei den Aktionären, Einkommenssteuern auf den neu geschaffenen Arbeitsplätzen sowie Sozialversicherungsbeiträge usw., die sich beim Bund auf 69 Mio Fr., beim Kanton Aargau auf rund 8 Mio Fr. und bei der Stadt Baden auf rund 9,5 Mio Fr. jährlich summieren. Beim Einnahmensaldo der Stadt Baden ist allerdings zu berücksichtigen, dass es sich hier um eine rechnerische Grösse handelt, die zum Beispiel auch den hälftigen Anteil der Stadt Baden am Gewinn der Stadtcasino Baden AG beinhaltet, da Baden mit 50% an der Gesellschaft beteiligt ist. Die ausgeschüttete Dividende ist jedoch beträchtlich kleiner als der nominelle Gewinnanteil.

Während rund die Hälfte des BSE an die konzessionsgebenden Behörden abgeführt wird, zeigen die weiteren Steuerabgaben, dass ein hoher Anteil der gesamten Wertschöpfung des Grand Casino Baden an die öffentliche Hand zurückfliesst. Der regionale volkswirtschaftliche Nutzen, der sich aus den Investitionen von insgesamt rund 60 Mio Fr. ergibt, welche in die Erneuerung des ehemaligen, historischen Kursaalgebäudes und in die Einrichtung des Grand Casinos geflossen sind, ist darin noch nicht berücksichtigt.

Wieweit haben sich die Erwartungen in Bezug auf den errechneten volkswirtschaftlichen Nutzen in der Region Baden tatsächlich erfüllt? Nach erst knapp einem halben Betriebsjahr lässt sich zwar dazu noch kein abschliessendes Urteil fällen. Die Geschäftsentwicklung des Grand Casino Baden deutet aber darauf hin, dass die hohen Erwartungen im Wesentlichen erfüllt werden dürften. So sind anstelle der prognostizierten 180 zusätzlichen Arbeitsplätze in der Stadtcasino-Gruppe inzwischen bereits rund 220 neu entstanden.

Nicht zu unterschätzen sind schliesslich die Impulse, die das Grand Casino Baden als neuer, zusätzlicher und weniger konjunkturabhängiger Wirtschaftsfaktor der Stadt zu geben vermag. Das sich im Bau befindliche und zukünftig ebenfalls von der StadtcasinoGruppe geführte Kongresszentrum, das Teil des auf dem ehemaligen ABB-Industriegelände entstehenden Kultur-, Einkaufs- und Begegnungszentrums «Trafo» ist, wäre in seiner multifunktionalen Konzeption ohne die Ausstrahlung des Grand Casino kaum so gebaut worden. Es weist auch ein soeben eröffnetes, aus privater Initiative entstandenes, modernstes Multiplex-Kino auf.

Mit einem Kredit von 1,1 Mio Fr. hat das Stadtparlament von Baden zudem die finanziellen Voraussetzungen zu einer verstärkten und professionalisierten Förderung des lokalen Tourismus geschaffen. Die Initiative dazu stammt ebenfalls aus dem Umfeld des Grand Casino Baden. Schliesslich scheint auch in die lokale Hotellerie Bewegung zu kommen. Jedenfalls ist vor kurzem die Baueingabe für ein neues Hotel in unmittelbarer Nähe des Grand Casino erfolgt, und die Spielbank selber hat ebenfalls um eine Baubewilligung für ein Gebäude mit einem neuen Dancing und Verwaltungsräumen am Rande des Kurparkperimeters nachgesucht.

Diese Bauvorhaben werden erneut zusätzliche Investitionen und die Schaffung weiterer zusätzlicher Arbeitsplätze auslösen. Die durch die Spielbankenkonzession geschaffene zusätzliche Chance, den Übergang vom traditionsreichen Industriestandort zum modernen Dienstleistungszentrum erfolgreich zu bewältigen, nutzt Baden beherzt.

Dr. Peter Blöchlinger ist Präsident des Verwaltungsrates der Stadtcasino Baden AG, der Holdinggesellschaft der Stadtcasino-Gruppe, Baden.

Anzeige