Die Internationalisierung in der griechischen Unternehmenslandschaft kommt voran. Zu Beginn des Jahres haben zehn an der Athener Börse kotierte mittelgrosse Gesellschaften in einer Road Show ihre weltweiten Tätigkeiten vorgestellt. Das sind längst nicht die einzigen einheimischen Unternehmen, die sich ausserhalb der Landesgrenzen betätigen. Im Frühjahr werden sich weitere acht Firmen in Dubai an einem Forum der Middle East Europe Trade präsentieren. Früher waren nur die griechischen Grossreeder international bekannt, die im letzten Jahr 47 Mrd Dollar in den Kauf gebrauchter Schiffe steckten und für 1,7 Mrd Dollar neue Bestellungen bei den internationalen Werften tätigten. Finanziert werden diese Käufe zu einem grossen Teil durch Bankkredite, unter anderem auch von Schweizer Geldinstituten.

Extrovertiertheit

Bisher war Griechenland wegen der vielen bürokratischen Hindernisse und der niedrigen Rendite kaum ein Anziehungspunkt für ausländische Direktinvestments. Ab Ende der 90er Jahre liess sich eine gewisse Extrovertiertheit der griechischen Unternehmen bemerken; allen voran waren es die Banken, die in die liberalisierten Märkte der Balkanländer und Osteuropas drängten.

Die Alpha Bank eröffnete als Erste Stützpunkte in Bukarest und Skopje. Später dehnte sie ihr Filialnetz auch nach Serbien, Bulgarien und Albanien aus, wo sie eigenständige Filialen eröffnete. Die griechische Nationalbank unterhält ebenfalls Filialen in allen ehemals sozialistischen Balkanländern. Vor zwei Jahren kaufte sie zudem die türkische Finansbank (Credit Europe Bank) auf. Auch die Eurobank und die Piraeus Bank haben ihr Tätigkeitsfeld auf den gesamten südosteuropäischen Raum ausgeweitet, von der Ukraine bis Ägypten.

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Banken als Vorreiter

Nach den Banken haben auch viele Industrieunternehmen ins Ausland expandiert, fluchtartig gewissermassen, um dem in Griechenland eingeführten Euro zu entgehen, der die Wettbewerbsfähigkeit von 2002 bis zum heutigen Tage um 34% gedrückt hat. Inflation und Produktionskosten stiegen in Griechenland seitdem steil nach oben, im Gegensatz etwa zu Deutschland.

Ferner gibt es eine Vielzahl multinationaler Unternehmen, unter ihnen die Metallindustrie mit der Biochalko, mit über der Hälfte des Umsatzes aus ausländischen Produktionsstätten.

Knotenpunkte

Der Zementhersteller Titan ist in den USA aktiv, während Intralot (siehe Artikel unten), der IT-Anbieter für Wettfirmen, weltweit agiert. Dazu kommen der Getränkeabfüller Coca-Cola-Tria Epsilon (3E), der auch in Osteuropa tätig ist, die S&B Industrial Minerals, die auch in Deutschland produzieren, sowie der Lebensmittelhersteller Vivartia mit hohen Umsätzen in Russland, Polen und der Schweiz. Überdies benutzen viele ausländische Unternehmen, wie etwa Heineken, ihre griechischen Anlagen als Ausgangspunkt zur Eroberung der Märkte im Balkan und in Südosteuropa. Diesem Beispiel tun es nun auch rund 3500 kleinere griechische Unternehmen nach, die sich mit Investitionen von insgesamt 6 Mrd Euro in dieser Region engagieren. Viele griechische Unternehmen operieren zwar im strengsten Sinne nicht multinational, aber sie sind in der Region breit tätig, ähnlich wie zur Zeit des Osmanischen Reiches, als die Griechen im Handel und der Seefahrt den Vorrang hatten.

Nach den Olympischen Spielen 2004 sind Athen und Thessaloniki zu multinationalen Knotenpunkten geworden. In der Athener Metro hört man alle Sprachen der Welt, von Russisch bis Chinesisch. Thessaloniki, das bald auch über eine Untergrundbahn verfügen wird, ist für viele ausländische Unternehmen bereits zu einem wichtigen Verwaltungszentrum geworden.

Vielversprechendes Arbeitsfeld

Die griechischen Bauunternehmen sind schon seit längerer Zeit im Nahen Osten präsent. Mit dem EU-Beitritt von Bulgarien und Rumänien werden diese Märkte für die griechischen Bauunternehmen immer interessanter. Bald dürften Serbien, FYROM und Albanien folgen, die ein «vielversprechendes Arbeitsfeld» bieten, wie es kürzlich ein Athener Unternehmer ausdrückte, der sich in diesen Märkten ausgezeichnet auskennt. Das griechische Unternehmertum erlebt somit seine eigene Globalisierung, die es ihm ermöglicht, auf internationales Kapital zurückzugreifen.

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