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Zukunft
Die Globalisierung kehrt zu ihren Wurzeln zurück

Tiflis: Georgien erhofft sich viel von der neuen Seidenstrasse. CNN International

Noch steckt die neue Seidenstrasse in den Kinderschuhen. Doch bereits lässt sich die künftige Rolle, die den einzelnen Ländern zugedacht ist, erahnen. Auch kleine Staaten bringen sich in Stellung.

Von Sumnima Udas (CNN International)
am 05.12.2015

Die historische Seidenstrasse hatte keine geographischen Grenzen. Händler bewegten sich völlig frei in diesem gewaltigen Netzwerk, tauschten Ideen aus, kauften und verkauften Güter und etablierten so den ersten globalisierten Markt der Welt. Dieser veränderte die ursprüngliche Eigenschaft des Handels, der Kultur, der Stadtstaaten und letztendlich der ganzen Welt.

Heute entsteht eine neue Seidenstrasse. Obwohl sie sich noch in der konzeptionellen Phase befindet, ist die Initiative in grossen wie kleinen Ländern entlang der alten sowie auch der neuen Seidenstrasse auf Investoren- und Diplomateneben längst Teil des alltäglichen Diskurses geworden.

China als treibende Kraft

Während Häfen und Trockendocks errichtet, Eisenbahntrassen gelegt und Strassen gebaut werden, hält die Diskussion darüber an, wie die betreffenden Nationen entlang der historischen Route sowie auch die darin lebenden Menschen einmal mehr verbunden und zusammengebracht werden können. Es ist unmöglich, das Potential eines solchen Netzwerks zu leugnen. Es kann die aktuelle Weltordnung verändern und Auswirkungen auf das Leben von Millionen von Menschen haben.

Die grossen Staaten investieren häufig viel in Logistik und Produktion. Wie vor Jahrhunderten, als China Umschlag- und Produktionskreuz für den einen Stoff war, der die Welt verband – Seide –, ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Erde auch weiterhin und allen Problemen zum Trotz eine mächtige Wirtschaftslokomotive, nicht nur was Seide angeht, sondern mehr oder weniger für jede einzelne Ware weltweit.

Kasachstan holt seinen historischen Platz zurück

Kasachstan, das einst ein wichtiger Logistikknotenpunkt war, wo Nomaden chinesische Händler mit zentralasiatischen Pferden für den langen Weg nach Westen versorgten, hofft, mit einem riesigen Eisenbahnnetz seinen historischen Platz als Verkehrsdrehscheibe der Seidenstrasse zurückerobern zu können.

Im Oman kann man erleben, wie in dem Land, das einst ein Knotenpunkt des Schifffahrtsverkehrs war, versucht wird, diesen Seefahrergeist wieder aufleben zu lassen: Auf der einen Seite werden Bürger ermutigt, die Begeisterung am Segeln wiederzuentdecken, auf der anderen Seite werden mehrere gigantische Frachthäfen für Güter auf dem Weg von Westen nach Osten geplant.

Auch kleine Länder in den Startlöchern

Wirft man einen näheren Blick auf die Seidenstrasse, so erkennt vom Investor bis zum Diplomaten jeder, dass sich auch kleinere Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Armenien oder Georgien als wichtige Zentren des zukünftigen Handels in Position bringen.

Schon immer waren die genannten Länder in gewisser Weise Mittelpunkte gewesen. Sie mögen zwar klein sein, doch die Lage ist das Herzstück ihrer neuen Strategie in Bezug auf die Seidenstrasse. Die Investitionen der Vereinigten Arabischen Emirate in den Bau weltweit führender Flughäfen zeigen, dass sich das Land seiner Rolle als logistischer Knotenpunkt bewusst ist.

Neue Rollen für Armenien und Georgien?

In Armenien konnte ich sehen, wie sich die Hauptstadt Jerewan wandelt – und zwar zu einem regionalen Zentrum für digitale Technologien und Innovationen, die dann auch zu einem wesentlichen Teil exportiert werden. Und Georgien präsentiert sich als Europas ‹Abkürzung› nach China, indem es wichtige Freihandelsabkommen abschliesst, scharf gegen Korruption vorgeht und es für Unternehmen attraktiv macht, sich hier anzusiedeln.

Der grösste Teil der Güter, die sich auf dem Weg von China nach Europa befinden, wird noch immer über den Seeweg transportiert. Dieser dauert durchschnittlich fünf Wochen. Kleinere Staaten wie Georgien bieten sich als Transitpunkte an, durch welche die Transportzeit um zwei Wochen verringert werden kann.

Optimismus ist mit Händen zu greifen

Selbstverständlich gilt es noch Herausforderungen zu bewältigen. Damit die neue Seidenstrasse funktioniert, müssen diese kleineren Länder ihre grösseren Nachbarn mit ins Boot holen.

Regionale Zusammenarbeit ist unverzichtbar, der Transport über Grenzen hinweg sowie auch die logistischen Anbindungen müssen noch verbessert werden und man wird die Möglichkeiten für Investments vereinfachen müssen. In Städten wie Tiflis, Jerewan und Maskat ist der Optimismus um die moderne Seidenstrasse jedoch schon mit Händen zu greifen.

CNN International Korrespondentin Sumnima Udas bereist jeden Monat ein anderes Land entlang der Seidenstrasse. In dem 30-minütigen Format wird die moderne Welt in den historischen Kontext gestellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Microsite und unter #CNNSilkRoad. Diese Kolumne lesen Sie in der Schweiz exklusiv auf handelszeitung.ch.

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