Zwar liegen die an der Derivatebörse Scoach erzielten Umsätze noch weit unter dem Vorjahresniveau. Doch die Risikobereitschaft der Anleger ist bereits wieder gestiegen. Seit einigen Monaten werden rege Multi Barrier Reverse Convertibles gekauft - just jene Produkte, mit denen Anleger noch vor einem Jahr satte Kursverluste einfuhren.

Der Grund für die grosse Beliebtheit liegt in den attraktiven Coupons: Sie verführen zu Risiken, deren Gefahren häufig unterschätzt werden. Auch der Finance-Professor Manuel Ammann ist skeptisch: «Die ökonomische Begründung, weshalb das ein sinnvolles Produkt ist, habe ich noch nicht gefunden», sagt er im Interview mit der «Handelszeitung». Zum Risikoprofil der meisten Anleger passten Worst-of-Produkte nicht.

Ende September ist der lang ersehnte Startschuss für die pfandbesicherten Zertifikate gefallen. Derzeit bieten Vontobel und EFG Financial Products die sogenannten COSI-Produkte an. Weitere Banken wollen nachziehen. Durch die Eliminierung des Emittentenrisikos rücken die strukturierten Produkte näher zu den Fonds. Gerade dort, wo strukturierte Produkte in direkter Konkurrenz zu den Fonds stehen - etwa Tracker-Zertifikate bei den Exchange Traded Funds (ETF) -, wird es spannend sein, zu beobachten, wer schlussendlich das Rennen macht. Wenn es den Anbietern gelingt, pfandbesicherte Tracker-Produkte günstiger anzubieten als entsprechende ETF, dann obsiegen wohl die strukturierten Produkte. «In Europa sind ETF noch nicht auf einem Preisniveau, wo man sagen kann, dass strukturierte Produkte nicht mehr mithalten könnten», sagt auch Ammann.

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Dennoch dürfen sich die Anbieter noch nicht zu früh auf die Schultern klopfen. Zwar hat sich in Sachen Transparenz seit dem Konkurs von Lehman Brothers einiges getan. Die Derivatebörse Scoach publiziert seit Anfang Jahr Qualitätsmerkmale zur Marktstellung der Emittenten. Auch die Risikokennzahl Value at Risk bietet dem Anleger einen Anhaltspunkt für das Risiko des Investments. Dennoch besteht noch weiterer Handlungsbedarf in Sachen Transparenz. So kann ein durchschnittlicher Privatanleger nicht ausfindig machen, wie hoch die Kosten eines strukturierten Produktes sind. Auch bei der Offenlegung von Kommissionen, welche Bankberater beim Verkauf von Produkten verdienen, hat sich noch wenig getan.