Die offizielle Stabübergabe war für den 1. Oktober vorgesehen. Doch Martin Buyle ist bereits seit Anfang September an der Dietzingerstrasse in Zürich-Wiedikon anzutreffen. Der vorzeitige Stellenantritt mit «Einführungsprogramm» des neuen CEO der Orell Füssli Holding (OF) hat durchaus einen vernünftigen Grund: In der Industrie- und Handelsgruppe sind aktuell diverse Baustellen auszumachen, auf denen sich der 40-jährige Österreicher bewähren muss. Dies in einem Unternehmen, das in der Minuszone feststeckt, ein miserables 2013 hinter sich hat und im ersten Halbjahr 2014 einen schon wieder auf 4 Millionen Franken angestiegenen Betriebsverlust hinnehmen musste.

Aktuell rumort es im Buchhandel. In einer letzte Woche eingereichten Petition verlangen über 500 Mitarbeitende des Joint-Venture-Unternehmens Orell Füssli Thalia (OFT) faire Abgeltungen für längere Arbeits- und Präsenzzeiten. Dies, nachdem zu Jahresbeginn alles danach aussah, als ob die mehrheitlich weiblichen OFT-Angestellten nach zähem Ringen von Zusatzvereinbarungen zum GAV des Schweizer Buchhandels profitieren könnten. Die Petition hat bereits Wirkung gezeigt, die OFT-Geschäftsleitung gibt sich zumindest gesprächsbereit, ein Termin könnte schon nächste Woche möglich werden.

Buchmarkt im Wandel

Der Arbeitskonflikt kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Leitende Angestellte verlassen das Unternehmen. Und der Strukturwandel im Buchhandel ist noch längst nicht abgeschlossen. Das Geschäft mit dem Buch ist mit 40 Prozent der nach wie vor klar grösste Leistungserbringer der OF-Gruppe.

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Doch der Verdrängungskampf hält an, und zwar gleich auf zwei Ebenen: Zwischen dem stationären und dem Online-Buchhandel einerseits und zwischen dem klassischen und dem elektronischen Buch anderseits. Die Folge: Die Schliessung selbst grosser Buchläden an bester Lage wie jetzt wieder in Winterthur hält an, eine Entspannung ist nicht in Sicht.

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