Am Rande der Jahreskonferenz für die Firmenanwender präsentierte sich das Management des US-Softwarehauses CA auch den Analysten. «Wir sind hiervon mit einem sehr positiven Eindruck zurück gekommen» kommentieren die Analysten der Deutschen Bank, «denn für CA gibt es viele Möglichkeiten, von der Cloud-Computing- und der Virtualisierungswelle zu profitieren.»

Grund sind einerseits die breite Produktepalette, andererseits die Wachstumspläne. «Wir gehen aber davon aus, dass der Verkauf der Schlüssel dafür ist, ob diese Gelegenheiten genutzt werden können.» CA publizierte zudem eine erste Prognose für das Fiskaljahr 2011. Der Umsatz soll (auf organischer Basis) zwischen 3 und 5% wachsen. Als mittelfristiges Ziel werden «hohe einstellige prozentuale Zuwächse» angestrebt, wie es hiess. Für die Prognose zum Cash flow-Wachstum liegt die Spanne zwischen 2 und 7% und die operative Marge (non-GAAP) soll bei 34 bis 35% liegen.



Breite Palette



Dass Analysten jetzt die breite Produktepalette für Mainframe-Grossrechner und mittelgrosse Serverlandschaften lobend erwähnen, bedeutet eine Abkehr von der bisherigen Kritik und zeigt auch, dass die Konsolidierung der Produktepalette bei CA von der Finanzwelt zur Kenntnis genommen wird. CA hatte über zwei Jahrzehnte sein Wachstum vor allem mit Akquisitionen bewerkstelligt, um die Wartungsgebührenströme der Übernahmeziele in die eigenen Kassen zu lenken. Die Sache war so opak gewesen, dass ein ehemaliger CEO und der Finanzchef zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt wurden. Bei der Durchsetzung höherer Preise oder für die Verlängerung von Verträgen griff das alte CA-Managment auch mal zu unzimperlichen Mitteln. Und auch bei den Kunden fielen die CA Verkäufer vor allem durch ihr forsches, nicht immer fachkundiges Auftreten auf.

Seit sechs Jahren weht ein anderer Wind, neues Personal aus anderen etablierten Firmen wie HP wurde eingestellt und damit kappte das Unternehmen auch die Verbindungen zu unrühmlichen Details der eigenen Geschichte. Das ist auch bei den Kunden angekommen. «Ich bekomme auch wieder Termine bei potenziellen Kunden, die uns jahrelang die Türe verschlossen gehalten hatten» sagte beispielsweise ein leitender Verkaufsmanager. Und auch die Analysten zeigen beeindruckt von der breiten und tiefen Produktepalette, die auch Service-Automatisierung, Identitäts- und Access-Management sowie Service-Assurance umfasst.

Die jüngsten, durch Zukäufe erworbenen Bereiche sind bereits in die vier grossen Sparten eingebettet worden. Mit «3Tera Applogic» wurde das Virtualisierungs- und Service-Automatisierungsportfolio erweitert, die Service-Assurance-Linien wurden um das NetQoS Performance Center, die Nimsoft-Produkte sowie die Oblicore Guarantee-Produkte ergänzt. Keine nennenswerten Zukäufe gab es bei den Produkten für das Projekt- und Portfoliomanagement sowie die Sicherheitssparte.



Wachstumspläne



CA möchte auch durch den Fokus auf aufstrebende Firmen und in aufstrebenden Märkten wachsen. Hier liegt der Umsatzanteil erst bei 5%. Und auch bei den Produkten soll es Neuigkeiten geben. Die Analysten von Goldman Sachs erwarten eine zusätzliche Virtualsierungs-Management-Lösung in der zweiten Jahreshälfte. Das dürfte für CA eines der vielversprechensten Gebiete sein, «obwohl damit auch einige Herausforderungen verbunden sind», sagen die Analysten. Denn die IT-Ausgaben-Surveys der Bank zeigen, dass hier die Hersteller der Virtualisierungsplattformen selber, und das ist vor allem der dominante Marktführer VMware, in der besten Position sind.

«Die Produkte-Taxonomie hat sich deutlich verbessert» meinen die Analysten von Goldman Sachs, aber eine aggressive M&A-Strategie sowie die weiteren Wachstumsvorhaben könnten die Margen auch niedriger ausfallen lassen.»

Es bestehen indes auch hier einige Risikofaktoren. So hängt CA stark vom Gedeihen des Mainframe-Marktes ab und hier gibt IBM den Ton an. Dieses eigentlich hoch profitable Spezialsegment der IT-Welt stagniert, bei CA ist das mit einem Rückgang der jeweils erneuerbaren Vertragsverlängerungen um 10% sichtbar. Hinzu kommen potenzielle Sarbanes-Oxley-Probleme, der zunehmende Wettbewerbsdruck im Bereich Infrastruktur-Software, wo sich auch IBM, HP und Oracle als grosse Player etabliert haben sowie «die historische Ausführung und interne Kontrollprobleme.» Aber das erneuerte Management versucht, auch das vergessen zu lassen.
















 

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