Lehman Brothers war aufgrund der Ähnlichkeit des Geschäftsmodells mit Bear Stearns kurzfristig heftig in die Gerüchteküche gekommen. Inzwischen haben sich die Kurse wieder deutlich erholt, und Anleger, die zum richtigen Zeitpunkt zugriffen, konnten Kursgewinne von 20 bis 30% erzielen, weil sich nicht nur die Basiswerte erholten, sondern sich auch die Finanzlage von Lehman durch eine Kreditlinie von 40 Banken deutlich verbessert hat.

Zudem hatte Lehman unmittelbar nach der «heissen» Marktphase ein Ergebnis vorgelegt, das die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Gewinneinbrüchen in einigen Sparten stehen robuste Bereiche gegenüber, welche der Bank zu einem – wenn auch um die Hälfte reduzierten – Gewinn verhalfen. «Lehman ist nicht Bear Stearns», hiess es zudem unmittelbar danach aus unverdächtiger Quelle – von einem Analysten der Deutschen Bank.

Noch grössere Kursgewinne konnte man deshalb mit Calls auf die Lehman-Aktie selber machen. Diese vervielfachten sich in der Woche nach dem 18. März wieder – und belohnten Anleger, die währen der kritischen Tage die Nerven behalten hatten.

Gerüchte um Bonität sind Gift

Strukturierte Produkte sind aus rechtlicher Sicht Inhaberschuldverschreibungen. Damit besteht immer auch das Risiko, dass das investierte Geld verloren ist, wenn ein Produkt verfällt und der Auszahlungszeitpunkt da ist. Ausbezahlt würde bei einer Pleite lediglich das, was in der Konkursmasse vorhanden ist. Deshalb reagieren viele Anleger nervös, wenn Liquiditätsgerüchte bei Emittenten aufkommen.

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Wenn dann einschlägige Befürchtungen aufkommen – dafür reichten Mitte März bereits vage Gerüchte, nachdem Bear Stearns in Schieflage gekommen war –, rückt die Bonität eines Emittenten in die Aufmerksamkeit der Anleger. In normalen Marktzeiten werden Preise von Derivaten aufgrund von Angebot, Nachfrage, Optionsmodellen und nicht zuletzt auch aufgrund der Wettbewerbsintensität festgelegt. Die Bonität wird nicht extra entschädigt oder – bei Banken mit hohen Ratings – über die Preise belohnt.

Belohnt werden indes Anleger, die im richtigen Zeitpunkt Nerven bewahren und dann kaufen, wenn andere das Material auf den Markt werfen. Als in Deutschland durchsickerte, dass JP Morgan für die finanziellen Verpflichtungen von Bear Stearns geradestehen würde, stiegen die Kurse der meisten strukturierten Produkte wieder auf ein marktgängiges Niveau und wurden nicht mehr mit Risikoabschlägen «bestraft».

Auf neue Produkte achten

Bankaktien gelten als sehr zyklisch, sie nehmen zudem in ihren Kursen oft den schlimmsten Fall beziehungsweise das pessimistische Szenario vorweg. Eine vergleichsweise attraktive Anlage sind deshalb Produkte mit Teilschutz. Die in der Schweiz erhältlichen strukturierten Produkte auf den DJ Titans Banks, die Stoxx-Banken-Indizes oder die FTSE-Bankenindizes sind in der Regel Tracker-Produkte, welche den Verlauf der Indizes lediglich nachzeichnen. Und die drei Bonus-Zertifikate sind inzwischen ebenfalls zu Trackern geworden. Anleger müssen deshalb auf den deutschen Markt ausweichen – oder warten, bis die Banken selber wieder Mut geschöpft haben und neue Produkte mit Teilschutz auflegen.