Der Tunesier ist glücklich, obwohl sein Asylgesuch abgelehnt wurde. Er arbeitet in einem Restaurant in der Westschweiz, für monatlich 1500 Franken. «Der Patron hat mir den Job angeboten», sagt er. Das Restaurant spart die Differenz zum Minimallohn von 2000 Franken sowie die Sozialleistungen und kann im Konkurrenzkampf überleben. Und der abgewiesene Asylbewerber verdient gerade genug, um in der Schweiz zu bleiben.

Der Fall ist typisch - nicht nur für die Gastrobranche, sondern auch für Friedrich Schneider, der an der Universität Linz lehrt. Er wehrt sich gegen die Verteufelung der Schwarzarbeit. Sie steigere den Wohlstand, sagt er in seinem Buch «Ein Herz für Schwarzarbeiter». Denn sowohl Anbieter als auch Nachfrager hätten mehr Geld im Sack. Geld, das in den Konsum fliesse, also die Nachfrage und damit die Konjunktur ankurble. «Das schwarz verdiente Geld wandert nicht aufs Sparbuch, sondern wird wieder ausgegeben. Das ist ein schönes Konjunkturprogramm.»

Mit Simulationsrechnungen belegt der Wirtschaftsprofessor, dass die Finanzminister nicht mehr Geld im Staatssäckel hätten, wenn gegen Schwarzarbeit wirksam vorgegangen werde. Denn zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus dem informellen Sektor würden entfallen, wenn es keinen schwarzen Markt gäbe.

Lieber Schwarzarbeit als Steuerflucht

Wer sein Geld nicht wie Roger Federer, Michael Schumacher oder Marcel Ospel in ein Steuerparadies verlegen kann, landet auf der Suche nach einem Schlupfloch vor dem Zugriff des Staates früher oder später bei der Schwarzarbeit. Diese Theorie steht bei Schneider im Zentrum: «Schwarzarbeit ist die Schweiz des kleinen Mannes.» Er muss es wissen, hat er doch 1983 an der Universität Zürich habilitiert. Im Unterschied zur Steuerflucht sei Schwarzarbeit ökonomisch sinnvoll, weil sie «zu Hause» Nutzen stifte, indem der Schwarzarbeiter Werte schaffe und der Konjunktur diene.

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Das Gastgewerbe liegt punkto Schwarzarbeit nach dem Bau an zweiter Stelle. Das zeigen die Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco): Letztes Jahr wurden - oft auf Verdacht hin - auf Baustellen 8064 Personen kontrolliert, im Gastgewerbe waren es 6490 Personen. «Die Kontrollzahlen zeigen auf, in welchen Branchen Schwarzarbeit vermutet wird», sagt Seco-Sprecherin Antje Baertschi. «Das Gastgewerbe gilt als sensibel, weil dort eine hohe Fluktuation und deshalb ein grosser Bedarf an Aushilfen besteht, für die relativ tiefe Löhne bezahlt werden.» Marc Kaufmann vom Verband Hotelleriesuisse sagt: «Der Kostendruck ist überdurchschnittlich hoch.» Schwarzarbeit sei dennoch nicht die Lösung. «Wir sprechen uns ausdrücklich gegen Schwarzarbeit aus und bekämpfen stattdessen die Hochkosteninsel Schweiz auf politischem Weg.»

Gefahr einer Parallelwirtschaft

Hannes Jaisli von Gastrosuisse doppelt nach: «Illegale Verhaltensweisen führen zu ungleich langen Spiessen und damit zu einer Benachteiligung der ehrlichen Gastwirte und Hoteliers.» Er räumt aber ein, dass er früher ebenfalls Schneiders These vertreten hat. «Inzwischen habe ich meine Meinung geändert.» Denn Schwarzarbeit berge eine «Sprengkraft». «Sie untergräbt unser System und führt letztlich zu einer Parallelwirtschaft.» Und sie sei nicht, wie oft behauptet, nötig: «Die Mindestlöhne tragen den wirtschaftlichen Verhältnissen im Gastgewerbe genügend Rechnung.»

Der Tunesier war glücklich mit seiner Schwarzarbeit im Restaurant. Vier Monate lang ging es gut - bis er beim Schwarzfahren im Bus erwischt wurde. Er flog auf und wurde wenig später ausgeschafft. Und der Wirt hat ein Verfahren am Hals.