KOSTENGÜNSTIGES BAUEN. Neue Bauten lagen immer an der obersten Grenze dessen, was man sich leisten konnte. Der Ruf nach kostengünstigem Bauen ist daher ein ernst zu nehmendes Anliegen. Allerdings erwarten die Partnerinnen und Partner von Bauherrenvertretern immer nur das eine, nämlich dass alle denkbaren und undenkbaren Wünsche fraglos erfüllt werden aber zu Kosten, bitte, die man sich leisten kann.

Diese sich widersprechenden Haltungen sind ein wesentlicher Grund, dass viele Projekte den immer gleichen Weg nehmen. In der Phase eins läuft zumeist noch alles rational ab. Man umschreibt, was man braucht, ermittelt die zu erwartenden Kosten, prüft, ob man sich das leisten kann, legt das Ziel fest und beginnt zu planen. Mit der vertieften Auseinandersetzung in der Planungsphase zwei wachsen die Begehrlichkeiten. Man kann plötzlich nicht mehr unterscheiden zwischen Notwendigem und Wünschbarem und beginnt in unerfüllten Wünschen zu schwelgen. Die Phase zwei findet ihren Abschluss in einem Projekt und den zugehörigen Kosten – leider oft mit einer grossen Ernüchterung, weil sich zeigt, dass die Kosten abschliessend aus dem Ruder gelaufen sind und man sich dieses Projekt gar nicht leisten kann.Für Phase drei gibt es verschiedene Szenarien. Ein weit verbreitetes folgt dem Prinzip Hoffnung. Das Projekt bleibt, wie es ist, der Kostenvoranschlag wird geschönt, man wartet auf die grossen Vergabeerfolge; und im Übrigen versucht man z.B. mit einer günstigeren Materialisierung (billigere «Plättli», einfachere Bodenbeläge), auch noch einiges einzusparen. Erfolg: Ziel nicht erreicht, der Bau wird zu teuer.Ein mehr Erfolg versprechendes Szenario heisst «Zurück zum Start». Es geht darum, die Hausaufgaben der Bauherrschaft (nochmals) zu machen. Nämlich genau zu klären, sind die Bedürfnisse der Nutzer geklärt und vereinbart? Ist das Potenzial des Grundstückes ausgelotet und der städtebauliche Kontext geklärt? Welche Investitionsgrösse resultiert daraus? Ist die Wirtschaftlichkeit gegeben?

Qualitätsverlust durch Zeitdruck

Danach gilt es, ein intelligentes Verfahren zur Projektentwicklung zu wählen. Das kann ein Architekturwettbewerb, ein Studienauftrag etc. sein. Wichtig ist, sich eine Auslegeordnung zu leisten. Nur so ist man sicher, das beste und nicht das erstbeste Projekt gewählt zu haben.In der Realisierung geht es dann darum, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dafür sind ein straff organisiertes Kostenmanagement und Projektänderungswesen sowie ein realistischer Terminplan Voraussetzung. Übermässiger Zeitdruck führt zu Kostensteigerungen und Qualitätsverlust. Zu guter Letzt sind eine Top-Organisation des Bauabschlusses und der Inbetriebnahme wichtig für die Akzeptanz und das Wohlgefühl der Einziehenden. Als kluger Bauherr entwickeln Sie natürlich von Anbeginn ihre Bauvorhaben nach diesen Grundsätzen und absolvieren keine Ehrenrunde. Sie können dadurch nicht billiger bauen, aber Sie können davon ausgehen, dass Sie das gesteckte Ziel innerhalb der Kosten und in guter Qualität erreichen werden. Das korrigiert den Eindruck, dass Sie zu teuer bauen.

Anzeige