WITSCHI ELECTRONIC. Die 1947 von Paul Witschi in Gerlafingen gegründete Einzelfirma hat sich mit der Entwicklung und Herstellung von Prüf- und Messgeräten für Uhren einen Namen weit über die Landesgrenzen hinaus gemacht. In der 2. Generation unter Leitung von ETH-Elektroingenieur Friedrich Witschi wurde die Firma weiter ausgebaut, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und der Sitz nach Büren an die Aare verlegt. Witschi war es auch, der in den 1980er Jahren eigene Verkaufs- und Serviceniederlassungen in Hongkong und in den USA aufbaute; 1993 folgte eine Tochtergesellschaft in Bukarest.

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Flexibel auf Bedürfnisse reagieren

Ab Mitte der 1970er Jahre passte sich Witschi rasch der veränderten Situation im Markt an und baute erste Prüfgeräte für Quarzuhren, nachdem diese den mechanischen Uhren den Rang streitig machten. Nach 60 erfolgreichen Jahren übergaben die Geschäftsinhaber Paul, Friedrich und Christian Witschi die Firma im Rahmen einer Nachfolgeregelung Anfang 2007 dem aktuellen Geschäftsführer Andreas Bläsi sowie Daniel Hug, Leiter der Entwicklungsabteilung und stv. Geschäftsführer. Die neuen Inhaber gründeten eine Holdinggesellschaft, die Fintech AG, welche die Aktien von Witschi Electronic übernahm. Christian und Paul Witschi schieden aus dem VR aus; Bläsi, Hug und Friedrich Witschi üben neu die Aufgaben von VR-Mitgliedern aus. Das Unternehmen beschäftigt heute 80 Personen, davon rund 60 in Büren an der Aare.

Immer wieder für Weltneuheit gut

Auf der «BaselWorld 2007» feierten die neuen Inhaber mit ihren Kunden den 60. Firmengeburtstag und stellten ihre neuste Messtechnologie mit Micromat Computing, kurz Micromat C, für mechanische Uhren vor. Die Weltneuheit besteht gemäss Marketingdirektor Robert Arn darin, dass im automatischen Mehrlagenmikrofon die ganze Mess- und Auswertungselektronik kompakt eingebaut ist. Bisher mussten die Tests mit zwei verschiedenen Einheiten vorgenommen werden. Neu sei nicht nur die Kompaktheit, neu sei auch die Modularität, welche die Möglichkeit bietet, Systeme mit bis zu acht unabhängigen Messkanälen aufzubauen. «Wir sprechen hier von einem sogenannt intelligenten Mikrofon mit dazugelieferter Software, welche die gemessenen Werte dem Anwender in verschiedenen Darstellungsformen und Statistiken direkt auf den PC oder via Netzwerk visuell überträgt», erklärt Arn. Der Begriff Mikrofon kommt daher, weil die Geräte den Körperschall der Unruh aufnehmen, also das, was das menschliche Ohr als Ticktack ebenfalls mitbekommt. Mit den kleinen kompakten Mikrofonen können Uhrwerke oder komplette Uhren nach individuellen Wünschen geprüft und bis zu acht Prüflagen programmiert werden. Jede Prüflage simuliert die Traggewohnheit der Uhr am Handgelenk. Je nach eingestellter Stabilisierungs- und Messzeit dauert ein Messvorgang für fünf Prüflagen rund 3 Minuten je Uhrwerk oder Uhr. Für solch effizientes Prüfvorgehen sind keine 60000 Fr. zu investieren.Das System bietet von der Gangabweichung, Amplitude und Abfallfehler mechanischer Uhren über Endlosmessung mit Diagrammaufzeichnung der Schlaggeräusche bis zur manuellen Prüflage mittels Joystick zahlreiche Messmöglichkeiten. Als Anwender kommen produzierende Uhrenunternehmen, Termineure sowie Service- und Reparaturcenter in Frage. Der Verkauf ist angelaufen, ab Januar 2008 ist mit Lieferfristen von drei bis vier Wochen zu rechnen.

Die Konkurrenz ist hellwach

Die neuen Geräte sind ein weiterer Meilenstein, womit sich Witschi von seinen Mitbewerbern abheben kann. «Konkurrenz droht vor allem aus China, weshalb wir nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen, sondern stets weiter forschen und entwickeln müssen, um unseren Vorsprung halten zu können», bekräftigt Arn. Witschi Electronic wird deshalb ab Frühjahr 2008 die ebenfalls in Basel vorgestellten Testgeräte Proofmaster P2 und M zur Dichtigkeitsprüfung liefern. In der Regel dauert die Entwicklungszeit vom Prototypen zum einwandfrei funktionierenden Gerät ein Jahr. Ebenfalls im nächsten Jahr soll mit Analyzer Twin erstmals ein kombiniertes Messgerät für mechanische und Quarz-Uhren zur Marktreife gebracht werden.