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«Die Herausforderungen sind immer noch enorm»

Postauto-Chef Daniel Landolf plant, Tests mit den autonomen Bussen auszubauen – trotz erheblichen technischen Schwierigkeiten. Warum ein Unfall dabei hilfreich ist und Firmen Interesse haben könnten.

Von David Vonplon
am 07.06.2017

Sie führen seit fast einem Jahr ein Pilotprojekt
 mit autonomen Bussen in Sitten durch. Müssen Ihre Buschauffeure nun um ihre Jobs bangen?

Daniel Landolf*: Diese Frage hören wir oft. Aber ich kann Entwarnung geben: Wir werden noch jahrzehntelang Postautofahrer brauchen. Wir führen das Pilotprojekt in Sitten auch nicht durch, um dereinst flächendeckend Chauffeure zu ersetzen. Vielmehr geht es darum, neuartige Mobilitätslösungen möglich zu machen.

Was meinen Sie damit?
In vielen Regionen gibt es heute keinen öffentlichen Verkehr – oder das letzte Postauto fährt um 20 Uhr. Dort könnten künftig autonome Fahrzeuge zum Einsatz kommen – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Gerade ältere Leute und behinderte Personen, die nicht selber Auto fahren können, würden davon profitieren.

Sie sehen keine Anwendung für die Smart Shuttles 
in den urbanen Gebieten?

Im öffentlichen Verkehr sollen die autonomen Fahrzeuge nur in schlecht oder nicht erschlossenen Gebieten zum Zug kommen. Im Gegenzug könnten wir dann mehr Fahrpersonal auf Linien mit hohen Frequenzen einsetzen. Ausserdem sind die technischen Herausforderungen für den Einsatz von autonomen Fahrzeugen nach wie vor enorm. Bei den Eisenbahnen werden die Fahrer wohl viel früher ersetzt als auf der Strasse.

Was bereitet den autonomen Bussen am meisten Mühe?
Es bestehen noch diverse technische Herausforderungen. Die Erkennung der Ampelfarben Rot, Grün und Orange ist noch nicht möglich. Und bei den Rechtsvortritten reagieren die Fahrzeuge im Strassenverkehr noch sehr defensiv: Sie lassen jeweils den anderen Autos den Vortritt. Letztlich fahren die Shuttles heute auf einer virtuellen Schiene. Sie können anderen Fahrzeugen nicht ausweichen und bremsen daher oft.

Es gab auch einen Unfall.
Ja. Ein Lastwagen hatte seine Heckklappe geöffnet. Das hatte das Fahrzeug nicht erkannt, weil die Klappe zu schmal war. Es gab einen Blechschaden. Für uns war das unschön – aber aus solchen Ereignissen lernen wir.

Das Vertrauen der Kunden in die Smart Shuttles
dürfte dadurch nicht gewachsen sein.

Die Akzeptanz der Bevölkerung ist gross. Die Menschen nutzen die autonomen Fahrzeuge mit grossem Interesse. Auf ihren bisher 3900 Rundkursen in Sitten haben die Shuttles 21000 Personen befördert.

Wollen Sie die Shuttles nun auch andernorts einsetzen?
Als nächster Schritt ist eine Ausweitung der Shuttle-Strecke bis zum Bahnhof Sitten geplant. Ein entsprechendes Gesuch haben wir eingereicht. Wir hoffen, von den Behörden bis im Herbst grünes Licht zu erhalten. Es wäre toll, wenn wir damit den Anschluss an den öffentlichen Verkehr schaffen. Zugleich ist geplant, die Fahrzeuge auf Firmengeländen einzusetzen.

Welche Unternehmen haben Interesse signalisiert?
Ich darf leider keine Namen nennen. Verschiedene Firmen sind aber interessiert daran, Mitarbeiter mit autonomen Fahrzeugen auf dem Firmengelände zu transportieren. Für uns ist das einfacher, da wir dort nicht alle Vorschriften des Strassenverkehrsgesetzes berücksichtigen müssen.

Wann sollen die Smart Shuttles auch in anderen Städten zum Einsatz kommen?

Eine Einführung autonomer Fahrzeuge im regulären Betrieb ist bis auf Weiteres nicht geplant. Wir können uns aber vorstellen, autonome Fahrzeuge als weiteren Versuch in einem Quartier in Zürich einzusetzen. Dies ist im Rahmen der Initiative Digital Switzerland angedacht.

* Daniel Landolf ist Chef Postauto.

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