Handelszeitung.ch: Globetrotter, das passt doch nicht zu einem börsenkotierten Weltkonzern? Globetrotter steht doch für den kleinen, alternativen Reiseanbieter.
André Lüthi: Das mit klein und alternativ ist heute nicht mehr so. Zu unserer Holding gehören mittlerweile zehn Firmen mit 241 Millionen Umsatz – das Rucksackimage sind wir seit längerem los. Die am stärksten wachsenden Segmente bei uns sind Paare ab 25, Familien und die Frühpensionierten.

Hat das Alternativreisen-Image mit der Zeit gestört?
Ja. Weil so, wie es mit Walter Kamm angefangen hat, zum Beispiel mit einem One-Way-Ticket mit der Aeroflot nach Goa und dann hat man den Kunden vielleicht nie mehr gesehen, diese Zeiten sind vorbei. Menschen, die alles niederlegen und eine lange Reise machen, gibt es leider immer weniger. Die Hippie-Traveler sind fast ausgestorben. 

Aber sie können die Kunden von damals ins Jetzt begleiten.
Genau, der mit dem Joint und dem Aeroflot-Ticket vor 25 Jahren kann heute CEO oder VRP sein und reist Businessclass mit der Familie nach Botswana zur Privat-Safari –auch die Reisenden wandeln sich.  

Und buchen immer noch bei Ihnen?
Klar buchen sie noch bei uns. Natürlich nur ein kleiner Teil in der Businessclass.

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Die Beratung und die Kenntnisse über gewisse Regionen der Welt sind bei Globetrotter hochgehalten worden und die Reiseverkäufer waren oft in ihren Spezialregionen unterwegs. Wird diese Qualität beibehalten werden?
Zu 100 Prozent. Da wären wir ja dumm, das aufzugeben. An der Unternehmenskultur wird nichts geändert. Unser Kapital sind die Mitarbeitenden und ihr grosses Reisewissen,  dazu will ich Sorge tragen, dazu bin ich verpflichtet.

Globetrotter geht zu 50 Prozent an das Handelshaus Diethelm Keller. War eine weitere Selbstständigkeit nicht mehr möglich?
Doch. Und wir haben auch niemanden gesucht. Denn wir wollten nicht in einen Tourismuskonzern gehen. Das wäre dann wie ein Verrat gewesen, wenn wir zum Beispiel zu Kuoni gegangen wären. Diethelm Keller ist vor einem Jahr zu uns gekommen und sagte: Wir haben mit STA-Travel in der Schweiz gewisse Herausforderungen – könnt ihr uns helfen? So sind die Gespräche losgegangen. Ich finde es langfristig für die Weiterentwicklung von Globetrotter gut, einen starken Partner im Hintergrund zu haben, der sich zurückhält. Das ist auch die Verantwortung der Besitzer für ein Unternehmen in einer Branche, die sich stark wandelt.

Die Reisebranche hat sich zu einem grossen Teil ins Internet verlagert. Wie konnte Globetrotter diesem Trend in den letzten Jahren trotzen?
Unsere Branche ist Weltmeister im Jammern übers Internet. Wenn jemand einen Flug nach New York will und zum zehnten Male geht, dann kauft er diesen halt über das Internet. Das kann man nicht aufhalten. Wir haben festgestellt, dass es ein Restsegment an Menschen gibt, die eine Reise machen wollen. Diese Menschen haben Geld, die haben ein Budget und wollen unser Reisewissen, unsere Erfahrung und einen reibungslosen Buchungsablauf durch uns. Dieses Segment ist unsere Zielgruppe. Viele kommen auch zurück und sagen: «Ich war jetzt eine Nacht im Internet und bin durchgedreht nur um einen Flug um die Welt zu buchen.» Wir als Globetrotter wollen das machen, was das Web nicht kann. Mehr Mensch.

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Wer ist den heute der Globetrotter-Kunde?
Alle, die nicht in der Masse reisen wollen. Bei den 55+ sind die Hauptkriterien, Zeit, fit, Geld. Was wir unabhänig vom Alter sehr stark spüren, ist, dass man beim Reisen auch was lernen will. Das Reisen hat einen anderen Inhalt bekommen als nur Ferien machen. Da sind wir zum Glück gut positioniert.

Wurden Rendite- und Umsatzziele vorgegeben?
Seit es uns gibt, sind wir nie in den roten Zahlen gewesen. Wir sind kerngesund, schreiben schwarze Zahlen und die Fakten lagen auf dem Tisch. Daraus hat es einen Wert für die Beteiligung von Diethelm Keller geben. Die Diethelm-Keller-Gruppe hat über 50 Unternehmen und sie lassen diese arbeiten. Ihr Motto ist: Macht eure Geschichte und macht sie gut.

War es am Schluss die Philosophie, die passte?
Sie können 200-seitige Verträge abschliessen, es nützt nichts wenn das Bauchgefühl nicht stimmt. Entweder ist das Vertrauen da oder nicht. Bei Diethelm Keller war dieses Vertrauen da. Auch das es weitergeht, wenn Lüthi-Kamm die Führung einst abgeben.

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