Seit Gervais Pellissier, seines Zeichens Finanzchef der Orange-Muttergesellschaft France Télécom, öffentlich über ein Zusammengehen mit Konkurrentin Sunrise nachdachte, brodelt es wieder in der Gerüchteküche. Genau genommen hatte es da nie aufgehört zu brodeln - denn die Einsicht, dass sich Sunrise und Orange gegenseitig die Margen schmälern, liegt auf der Hand. Sogar der Chef der Schweizer Regulierungsbehörde ComCom, Marc Furrer, betonte wiederholt, er würde einem Zusammengehen der beiden Mobilfunkbetreiber Sunrise und Orange kaum im Wege stehen. Dennoch wird dies kaum in nächster Zeit passieren. Bewegung dürfte erst in die Sache kommen, wenn Sunrise und Orange in einigen Jahren Milliardenbeträge für die Erneuerung ihrer Mobilfunk-Infrastruktur aufwerfen müssen.

Einigung auf den Status quo

Sunrise-Chef Christoph Brand bekräftigt auf Anfrage seine Aussagen, die er im jüngsten Bulletin der Branchenvereinigung «Asut» machte. Dort schreibt er, dass das Mobilfunknetz, das in den 90er- Jahren gross wurde (GSM), noch lange weiterbestehe. Noch heute würden zwei Drittel der Nutzer kein Handy der Nachfolgetechnologie UMTS besitzen. Sunrise habe allein in die GSM-Infrastruktur in den zehn Jahren seit der Liberalisierung Milliardenbeträge investiert, um das Netz flächendeckend aufzubauen und zu unterhalten. Wenn es in der Zukunft nötig sein werde, eine komplett neue Generation von Mobilfunknetzen einzuführen, werde es «für private Telekomfirmen nicht möglich sein», diese enormen Investitionen nochmals ohne Weiteres an die Hand zu nehmen: «Für eine neue Netzgeneration braucht es beim Bau und Unterhalt Kooperationen, die weit über das heutige Niveau hinausgehen.»

Damit ist klar: Orange und Sunrise setzen vorerst auf den Status quo. Dafür spricht auch, dass sich der VR von Sunrise erst kürzlich für einen Investitionsschub ins gegenwärtige Mobilfunknetz von 500 Mio Fr. über die nächsten drei Jahre ausgesprochen hat. Investitionen, die sich auch in der aktuellen Marktkonstellation bezahlt machen. Letzte Woche belegte eine finnische Studie einmal mehr, dass Schweizer Mobilfunkkunden europaweit am meisten zahlen. Für die Studie wurden die Tarife der drei grössten Anbieter aus 19 Ländern verglichen.

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Natürlich ist auch das durchschnittliche Kostenniveau in der Schweiz hoch - selbst wenn Anbieter wie Sunrise mit ihren Preisen im europäischen Schnitt liegen, wie der OECD Communication Outlook 2009 zeigt. Doch solange die Preise insgesamt hoch bleiben, besteht kein wirtschaftlicher Druck zu einer Kooperation.