Zu häufig ergibt sich der Entscheid für eine Pensionskassenrente von selbst. Denn die Möglichkeit, das Kapital oder auch einen Teil des Kapitals zu beziehen, wird gar nicht oder nicht rechtzeitig bedacht. Es lohnt sich aber, sich einige Jahre vor der Pensionierung die Frage zu stellen, welche Variante die richtige ist. Je nach Vermögen, persönlichen Präferenzen, Familiensituation und Gesundheitszustand sieht die Situation nämlich anders aus. Argumente gibt es sowohl für die Rente als auch für die Kapitallösung. Zwar bietet eine Rente ein auf Lebenszeit garantiertes Einkommen, also eine gewisse finanzielle Sicherheit, sie ist jedoch wenig flexibel. Zudem geht das Pensionskassenkapital, das nicht für Rentenzahlungen verbraucht wurde, im Todesfall an die Pensionskasse und nicht an die Erben. Ganz anders beim Kapitalbezug: Wer sich sein Guthaben auszahlen lässt, kann darüber frei verfügen und die Höhe seiner Bezüge nach eigenen Bedürfnissen anpassen. Im Todesfall erhalten die Erben das gesamte verbleibende Kapital. Heute wählen immer mehr Leute einen Mittelweg mit einem Teilbezug des Kapitals zur eigenständigen Verwaltung und einer sicheren Pensionskassenrente zur Deckung der Grundbedürfnisse.

Alternativen zur Rente

«Renteneinkommen» lassen sich auch auf anderem Weg als über die Pensionskasse erzielen. Zinsen aus Obligationen, Dividenden aus Aktien oder Erträge aus vermieteten Immobilien nach Abzug der Verwaltungskosten fallen regelmässig an und können AHV-Altersrenten aufbessern. Eine Auszahlung des PK-Vermögens zur Investition in eine Leibrente lohnt sich auf Grund des tieferen Umwandlungssatzes und der Doppelbesteuerung allerdings nicht. In den letzten Jahren hat sich die Etappenstrategie herausgebildet, eine speziell auf die Pensionszeit ausgerichtete Art der Vermögensverwaltung, die eine regelmässige, automatische Entnahme zum Verbrauch – ähnlich einer Rente – vorsieht.

Etappenplan-Kapital

In einem ersten Schritt wird das Minimalbudget für das absolut Notwendige ermittelt. Diese Grundbedürfnisse sollen über die AHV und allenfalls eine BVG-Teilrente gedeckt werden. Je nach Fall wird beschlossen, das ganze oder das für die Teilrente nicht gebrauchte Pensionskassenvermögen in Kapitalform zu beziehen. Nun folgt der zweite Planungsschritt: Das Gesamtvermögen wird in ein Etappenplan-Kapital für den weiteren Konsumbedarf und ein freies Kapital als Reserve für Unvorhergesehenes bzw. Pflegebedürftigkeit aufgeteilt. In einem dritten Schritt werden die Strategie und die dazu passende Asset-Allokation für die beiden Vermögensteile gewählt. Beim freien Kapital, das gemäss der persönlichen Risikoeinstellung angelegt wird, liegt der Aktienteil substanziell höher als beim Etappenplan-Kapital. Im hohen Alter kann, falls sich das verplante Kapital dann dem Ende zuneigt, über das freie Vermögen eine Leibrente finanziert werden.Das Etappenplan-Kapital wird jeweils für einen vorbestimmten Zeitraum – meist etwa zehn Jahre – in ein Bezugskapital für den Verzehr und ein Wachstumskapital für die längerfristige Anlage aufgeteilt. Das Bezugskapital wird in sichere, kurzfristige Anlagen investiert – z.B. gestaffelte Obligationen oder Obligationenfonds respektive ETF auf Obligationenindexe – und über den festgelegten Zeitraum in Jahrestranchen verzehrt. Das Wachstumskapital kann renditeorientiert angelegt werden. Ziel ist dabei, so viel Wachstum zu generieren, dass das Gesamtvermögen bis zum Lebensende ausreicht. Dazu eignet sich laut spezifischen Risikountersuchungen (Shortfall-Risk-Studies) eine Aktienquote von 20 bis 30%. Hier wäre auch der Einsatz von Immobilienfonds und Derivatprodukten zu Rohstoffen zwecks Inflationsschutz denkbar. In Frage kommen zudem strukturierte Produkte und Hedge-Fonds, die unter dem Aspekt der Sicherheit mit Kapitalschutz bei erhöhtem Renditepotenzial am Kapitalmarkt angelegt sind. Am Ende der jeweils laufenden Periode wird das Wachstumskapital wiederum in ein Bezugs- und ein Wachstumskapital aufgeteilt.Eine Etappenstrategie nach diesem Muster hat wesentliche Vorteile. So ist sie – im Gegensatz zu einer klassischen Rentenlösung – flexibel. Höhe und Periodizität der Entnahmen lassen sich laufend den Bedürfnissen anpassen; ein Entnahmeplan kann auch jederzeit beendet werden. Selbst steuertechnisch ist die Etappenvariante interessant, da der Verzehr des Vermögens durch Verkauf von Kapitalanlagen nicht als Einkommen besteuert wird. Wer sich für eine Etappenstrategie entscheidet, muss jedoch bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen und Unsicherheiten zu akzeptieren. So ist die Höhe der Auszahlungen bei einer solchen Lösung nicht garantiert. Das Kapital trägt zwar Zinsen, es wird aber in der Substanz angetastet. Unter Umständen reicht das vorhandene Vermögen nicht aus, um den Lebensunterhalt bis zum Lebensende zu finanzieren. Hinzu kommen die je nach gewählter Anlagestrategie möglichen kleineren und grösseren Schwankungen des investierten Kapitals. Die Etappenstrategie stellt auf jeden Fall hohe Anforderungen an die Ausgaben- und Anlagedisziplin der Beteiligten. Idealerweise wird diese Lösung von einer unabhängigen und kompetenten Fachperson implementiert und überwacht. Ganz gleich ob Kapital- oder Rentenlösung, die umfassende Altersvorsorgeplanung sollte auf jeden Fall frühzeitig in Angriff genommen werden.

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