Novartis wird in ihrem pharmazeutischen Werk im britischen Grimsby nach der Vollendung in diesem Jahr zirka 7000 t CO2 oder 15% der Standort-emissionen einsparen; zugleich realisiert der Konzern mit einem Aufwand von 625000 Dollar auf lange Sicht jährliche Kosteneinsparungen von 2,8 Mio Dollar. Keith Saveal, Unternehmensverantwortlicher für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt, sagt: «Wir identifizieren laufend niedrig hängende Früchte – da bleibt Potenzial sowohl in den existierenden Anlagen als auch in neuen.»

Als besonderes Ziel setzte sich Novartis, die Kyoto-Klimaschutzziele möglichst rasch zu erreichen und zu unterschreiten – und entsprechend den Bedarf an fossilen Energieträgern einzuschränken oder durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

In 50 Jahren ohne fossile Energie

Beim Energiesparen liegt auch in Zukunft viel drin, obwohl seit 30 Jahren darüber geredet wird. Lob gibts für Novartis von ungewohnter Seite: Der Geschäftsführer des deutschen Öko-Instituts in Freiburg im Breisgau, Joachim Lohse, sagt: «Es ist sehr begrüssenswert, dass sich Novartis eigene CO2-Minderungsziele auferlegt.»

Lohses Institut berät die Basler heute von Fall zu Fall in Umwelt- und Risikofragen. Umgekehrt war Novartis-Umweltmanager Markus Lehni zu Gast an der 30-Jahr-Party des Instituts. Angesichts der regen, streitbaren Diskussionen zwischen Grünen und Industrievertretern lobte die Umweltministerin von Baden-Württemberg, Tanja Gönner (CDU): «Das Öko-Institut wirkt in vielen Bereichen wie Hefe – von der Debatte kann die Industrie profitieren.»

Anzeige

Energie bleibt für diese indes eine Knacknuss. Peter Schnurrenberger, konzernweiter Leiter des Bereichs Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei Roche, die einen Steinwurf von Novartis entfernt sitzt, liess sich im Hausblatt warnend zitieren: «In etwa 50 Jahren müssen wir ohne fossile Energieträger auskommen.»

Das Energiethema ist in den meisten Konzernen der Schlüssel zum erfolgreichen Umweltmanagement, wobei Heizöl und Erdgas am leichtesten in den Griff zu bekommen sind, Elektrizität und Treibstoffe hingegen schwerer. Dennoch gibt es Erfolge: So gelang es Roche, ihren Energieverbrauch pro Franken Umsatz in den vergangenen zehn Jahren von über 0,7 Terajoule Einheiten pro Million Franken auf unter 0,3 zu drücken.

Roche zählt wie Novartis zu den sensibilisierten Multis, die in Basel ihr folgenschweres Erweckungserlebnis hatten: Die Sandoz-Brandkatastrophe von 1986. «Schweizerhalle» war der Auslöser, Umweltbelange verstärkt zu berücksichtigen. Heute sind sowohl Novartis als auch Roche Mitglieder des später gegründeten World Business Council for Sustainable Development in Genf oder der Global Compact-Gruppe der Uno.

Daneben war es für Syngenta, Clariant und Ciba und andere Abkömmlinge der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis selbstverständlich, Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte in der bisherigen Tradition vorzulegen, mit teilweise ansprechenden Resultaten.

Nichtstuer wurden belohnt

Unter Führung und Koordination der früheren Umwelt- und Energiebeauftragten der Handelskammer beider Basel koordinierten die Betriebe ihre Klimaschutzanstrengungen, die eng mit der Energieagentur der Wirtschaft (Enaw) in Zürich geführt werden. Obwohl das Eidgenössische Parlament die Klima-Lenkungsabgabe massiv vertrödelt hatte und damit die Nichtstuer der Wirtschaft belohnte, hielten die Basler Grossbetriebe trotz Ärger klimapolitisch Kurs.

Sie gelten, neben ABB, Geberit oder besonders engagierten KMU wie die vom Wirtschaftsverband «Öbu – Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften» ausgezeichnete Brillenglasherstellerin Knecht & Müller, nach wie vor als Energie-Sustainability-Leader, auch wenn, wie Kenner der Szene sagen, «diese nicht mehr so viel Aufhebens um ihre Strategien machen».

Anzeige

 

 

Novartis ersetzt fossile Brennstoffe durch Effizienztechnik

Wo früher Kohlenschlote qualmten, locken in einigen Jahren ein Park und eine besondere Industrieüberbauung. Das umfassende Energie- und Umweltkonzept, das der Pharmakonzern Novartis für seinen in Basel geplanten «Campus des Wissens» und künftigen Hauptsitz realisiert, gilt schweizweit als beispiellos. Mehrere Milliarden Franken steckt Novartis in den Bau. Geht es nach den Ideen der Planer, finden bei Vollausbau im Basler Westen, am früheren St.-Johanns-Rheinhafen und im Industriequartier, an die 10000 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz, der punkto minimalen Energie- und Umweltaufwands neue Meilensteine setzt.

Der Novartis-Unternehmenschef für Umwelt und Energie, Markus Lehni, sieht am Beispiel der Energieversorgung des Campus gar ein «Muster für die globale Energie- und Klimastrategie» des Pharmakonzerns. Die Campus-Neubauten benötigen ohne besondere zusätzliche Aufwendungen nur noch ein Drittel bis die Hälfte der Heiz-, Kühl- und Warmwasser-Energie, welche im Konzern sonst durchschnittlich pro Bezugsfläche aufgewendet wird (600 bis 1000 Megajoule/m2). Was sonst benötigt wird, wird CO2-frei eingekauft, wobei – so die Idee – die Mehrkosten durch die Einsparungen bei den Energiekosten finanziert werden.

Anzeige

Mittlerweile kann Novartis auf zwei Jahrzehnte Tradition im Umweltmanagement zurückblicken. Die Ursache war einmal mehr«Katastrophenlernen», so der Jargon der Techniksoziologen. Nach der «Schweizerhalle»-Brandkatastrophe von 1986 investierten Sandoz und Ciba-Geigy, die Vorgängerfirmen der Novartis, in bessere Technik und intelligentere Verfahrensabläufe.

Für die Industrie entwickelte der Professor und heutige Lehrstuhlinhaber für Nachhaltigkeitsmanagement der Universität Lüneburg, Stefan Schaltegger, den Leitbegriff der «Schadschöpfung» – als Pendant zur Wertschöpfung. Damit hatte man einen Massstab, um negative Produktionsaspekte zu benennen – und gezielt zu reduzieren.

Umweltmanagementsysteme sind Standard: Erstmals erzielte Novartis «dank Energieeffizienz» im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang ihrer produktions- sowie geschäftsbedingten Treibhausgasemissionen von 3 beziehungsweise 0,8% bei der Emission zugekaufter Endenergieträger, und dies trotz erheblicher Produktionsausweitung.

Anzeige