Politiker, die einen Ansprechpartner in der Informatikbranche suchen, haben es nicht einfach: Sie sehen sich einem Konglomerat zahlloser Verbände gegenüber – allein bei ICTswitzerland gibt es stolze 22 Mitgliederverbände. Aber auch das reicht nicht, ist doch der Schweizerische Wirtschaftsverband der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico) prominenter Abwesender. Insgesamt gibt es so viele Wortführer, dass nicht einmal Branchenkenner die genaue Anzahl aller bestehenden Verbände angeben können.

Die Wünsche nach einer gezielten politischen Vertretung in Bern, wie es das bisher locker strukturierte Swiss ICT Council jetzt wieder fordert, sind nicht neu in der Branche. Allerdings hat man sich bisher nie dazu durchringen können, wie das andere Branchen schon seit langem tun, etwa die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie mit ihrem Branchenverband Swissmem. Die Folgen sind unter anderem eine nur marginale Vertretung der Informatik-Interessen im Bundeshaus und die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Bedeutung der Branche. Doch das soll jetzt anders werden.

Endlich aktiv werden

Gehandelt hat vor allem der soeben ins Leben gerufene Swiss ICT Council der 17 wichtigsten Informatik-Unternehmen. Auf der Basis der bestehenden Verbände soll insbesondere die Lobbyarbeit intensiviert werden. Denn die Bündelung ihrer Interessen gegenüber der Politik will die Branche nicht mehr allein dem Dachverband ICT Switzerland überlassen, dessen Bedeutung in der Branche umstritten ist. Die bisherigen Anstrengungen werden als oft konzeptionslose und sporadische Aktionen ohne nachhaltige Wirkung bezeichnet. Die Branche hatte es auf ihrem ureigensten Gebiet mit der kurzfristig aufgegleisten Informatica08 nicht einmal geschafft, alle wichtigen ICT-Unternehmen ins Boot zu holen.

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In der Interessenvereinigung ICT Council, die die grosse Umsatzmehrheit der Branche repräsentiert, haben sich die Schwergewichte für ein zielorientiertes Lobbying zusammengeschlossen. Der Bündelung der ICT-Interessen, so viel ist immerhin klar, wird eine Konsolidierung der Verbände vorausgehen müssen. Denn einfach einen neuen Verein zu gründen, brächte die Informatik ihrem Ziel nicht näher, im Gegenteil.