Die Margen sind in der Finanzindustrie unter Druck geraten. IT-Projekte werden verstärkt unter die Lupe genommen. Spürt man eine Zurückhaltung bei den Ausstellern?

René Meier: Ja, wir habe dieses Jahr weniger Aussteller. Kleinere Projekte ebenso wie Verschiebungen und Verzögerung, bei gleichzeitig niedrigeren kleineren IT-Budgets wirken sich auch auf die Anbieter, unsere Aussteller, aus. Wir stellen aber auch ein gesteigertes Interesse der Besucher fest, da der Bedarf nach Orientierung besteht und der Gedankenaustausch wichtiger denn je ist. Es gibt nach wie vor eine starke und erfolgreiche Basis aufgrund der treuen Sponsoren wie Avaloq, Comit, IBM, Microsoft, Sun und Sungard und aktiven Medienpartnern.

Banken und Versicherungen müssen ihre Betriebsstrukturen möglichst optimal gestalten. In welchen Bereichen wird vorwiegend investiert?

Jacqueline Schleier: E-Banking-Systeme gewinnen wegen des Automatisierungspotenzials zunehmend an Bedeutung. Die Verbesserung der IT-Sicherheit steht zunehmend im Fokus. Die IT-Dienstleister sehen sich mit stetigen Optimierungsbemühungen in Sachen On-, Near- und OffShoring respektive In- und Outsourcing von Seiten des Finanzsektors konfrontiert, dies insbesondere im Rahmen der aktuellen Konsolidierungen. Dazu kommt eine Optimierung beim IT-Betrieb. Anvisiert werden einheitliche Systeme, die Standardisierung von Systemen und Software-landschaften sowie die Konsolidierung von Rechenzentren.

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Das Risikomanagement ist mit der Finanzmarktkrise in den Vordergrund gerückt. Gibt es in diesem Bereich eine erhöhte Nachfrage und ein ausgeweitetes Angebot?

Schleier: Bezüglich Konferenzen decken wir dieses Thema mit der Focus Session ab, die dieses Jahr mit dem Knowledge- Partner Finnova zusammengestellt wurde.

Meier: Dem Thema Risikomanagement widmen wir in der Ausstellung sogar eine eigene Themenwelt. In dieser haben wir alle Aussteller gruppiert, die Lösungen und Beratungsdienstleistungen zum wichtigen Thema Riskmanagement anbieten. Die Besucher können sich in einer solchen Themenwelt mit den führenden Risikomanagement-Experten der Schweiz treffen und Lösungsansätze diskutieren.

Bleibt das Sourcing weiterhin ein wichtiges Thema?

Schleier: Tiefere Margen, niedrigere Er-träge und weniger Arbeitsplätze sind ein ständiges Thema. Wir können wöchentlich über Konsolidierungs- und Opti- mierungsentscheidungen lesen. Diese Themen finden sich auch im Konferenzprogramm, speziell bei den Kurzreferaten in den Speakers Corners, wo diese Bereiche aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden. Sourcing-Strategien sind weiterhin sehr wichtig. Wobei es in diesem Zusammenhang nicht nur um IT-Sourcing geht, sondern auch um das Business Process Sourcing. Jede Bank wird sich künftig vermehrt auf Kernkompetenzen fokussieren und sich darin spezialisieren, um so für die eigenen Kunden attraktiver zu werden. Arbeiten, die nicht zur Kernkompetenz gehören, werden vermehrt an strategische Partner ausgelagert. Vermehrt wird in Verbindung mit dem Sourcing auch das Thema Risikomanagement diskutiert, da es nicht unerheblich ist, an welchen Partner es ausgelagert wird.

Welche Rolle kommt den Online-Vertriebskanälen zu?

Meier: Die Bedeutung ist bereits sehr gross und die Nutzung von Online-Kanälen wird zunehmen. Einerseits, weil die Kunden es wünschen und attraktiv finden, andererseits, weil es für die Banken aus Kundensicht attraktiv ist. Im Commodity- Bereich fällt dem Online-Kanal eine laufend wichtigere Rolle zu. Unter dem Margendruck werden die Prozesse optimiert. Im Gegensatz dazu wird aber sicher im heutigen Zeitpunkt der persönlichen Kundenbetreuung mehr Aufmerksamkeit geschenkt, vor allem im Zusammenhang mit Kundenvertrauen und -bindung.

Das Finance Forum ist nach der Expan-sion in die Westschweiz auch ins Ausland vorgestossen. Sind weitere Schritte in dieser Internationalisierungsstrategie geplant?

Schleier: Der Finance Summit in der Romandie war sehr erfolgreich und konnte ein Wachstum in der Ausstellung wie auch in der Besucheranzahl verzeichnen. Das erstmalige Finance Forum Germany präsentierte sich mit einer ausverkaufter Ausstellung und zufriedenen Besuchern.

Meier: Uns geht es wirtschaftlich sehr gut, da wir in den letzten Jahren eine solide Basis erarbeitet haben und unsere Aktionäre immer an einer langfristigen Entwicklung des Unternehmens interessiert waren. Die Internationalisierung ist unsere Vision. Wichtig dabei sind aber lokal verankerte Persönlichkeiten, die einen solchen Anlass durchführen. Denn das Erfolgsrezept liegt in den starken, bestehenden Netzwerken.