Da steht er nun, der Roadster 370Z, elegant und aufreizend wie die Sünde. Und um das Mass voll zu machen: Ein Roadster, bestens geeignet, ans schlechte Gewissen zu appellieren. Aber wie das eben so ist mit dem schlechten Gewissen, von dem ein direkter Link zur Versuchung und damit zur Sünde führt. Noch schlimmer: Man kann ihr schlecht widerstehen. Also einsteigen. Und was passiert? Einmal hinter dem Volant Platz genommen, wird das schlechte Gewissen in den Hintergrund gedrängt. Versuchung und Sünde sind eben nicht nur süss, sondern auch spannend.

Keine Frage, dieses Auto fasziniert in mehrfacher Hinsicht. Die Nissan-Designer haben es fertig gebracht, eine Karosserie zu formen, mit der eine ganz klare Botschaft vermittelt wird. Die da heisst: Hier steht eine Fahrmaschine.

Der Sportler verlangt Respekt

Dies hat das 2009 lancierte Coupé der gleichen Modellreihe bereits bewiesen. Sein Motor, ein 3,7-l-V6 aus der Nissan-Produktion, kommt auch im Roadster zum Einsatz. Die Maschine packt kräftig zu und entwickelt beim Roadster eine Spitzenleistung von 328 PS. Eine Kraft, die nach alter Motorsporttradition auf die Hinterräder übertragen wird. Entsprechend sind die Fahreigenschaften: Trotz guter Strassenhaftung besteht die Tendenz zum Übersteuern. Das verlangt vom Lenker in Grenzbereichen entsprechendes fahrerisches Können, aber besser noch Respekt vor der Kraft des Motors.

Der zweisitzige 370Z Roadster ist - wie sein Schwestermodell, das Coupé - nicht nur schnell, sondern auch sehr agil. Eine hochgezüchtete Fahrmaschine einerseits, ein Auto anderseits, das problemlos und ohne Stress durch den städtischen Stop-and-go-Verkehr gelenkt werden kann.

Furchtbar, so dürfte der Kommentar jener lauten, die in Sportwagen den grössten Feind der Menschheit sehen. Doch ehrlich: Fahrer mit aufgemotzten GT-Versionen der Massenhersteller stellen - um für einmal Statistiken zu bemühen - das weit grössere Problem auf unseren Strassen dar. Deshalb, warum nicht auch einmal Spass haben mit einem Nischenfahrzeug, das gerade aufgrund seiner beeindruckenden Leistungsdaten über eine Technik mit ausserordentlich hohem Sicherheitspotenzial verfügt? Und: Wer im Roadster 370Z «oben ohne» unterwegs ist, dem ist kaum nach Tempobolzen zumute. Sich entspannt die Luft um die Ohren fegen zu lassen, steht im Vordergrund.

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Vorgänger erzielen Rekordpreise

Mit der 370Z-Reihe setzt Nissan eine 40-jährige Tradition fort. Diese begann 1969 mit dem 240Z, einem Modell, das zu den wenigen Klassikern gehört, die von der japanischen Automobilindustrie hervorgebracht wurden. Modelle, zwischen 1969 und 1979 gebaut, erzielen heute noch Spitzenpreise auf Auktionen. Nissan entwickelte die Reihe weiter und beteiligte sich auch erfolgreich am Motorsport.

Die Japaner positionieren ihre Z-Reihe ganz bewusst und auch provokativ in der Nähe der Sportwagen-Ikone schlechthin, dem Porsche 911. Vergangenes Jahr brachte Nissan, in Anlehnung an die Strategie des deutschen Konkurrenten, mit dem Modell GTR eine Z-Sonderserie auf den Markt. Deren Leistungsdaten sind mit dem 911 in etwa vergleichbar, ebenso der Preis. Ein japanischer Sportwagen für über 120 000 Fr. zeugt von Selbstbewusstsein. Die erste Serie von 2000 Fahrzeugen ist bereits ausverkauft, vom Schweizer Kontingent, das in einer ersten Tranche rund 200 Einheiten umfasst hat, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Mit dem neuen 370Z Roadster verfolgt Nissan eine etwas andere Philosophie. Hier geht der Renault-Partner nicht ganz so ins Extreme. Sportwagen pur mit Leistungsdaten und Fahreigenschaften in der Nähe des 911, aber zu erschwinglichen Preisen, heisst die Devise. Der Roadster kostet in der Basisausführung knapp die Hälfte dessen, was für einen 911er in der Basisversion hingelegt werden muss.