Die Idee ist so naheliegend, dass es eigentlich nur erstaunt, warum nicht längst jemand darauf gekommen ist: Auf Hochschulstufe gibt es mittlerweile eine nicht mehr überschaubare Anzahl von Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Aber sie richten sich fast ohne Ausnahme an Studienabgänger, jüngere Unternehmer, Um- oder Quereinsteiger.

Die Henri B. Meier Unternehmerschule ist ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung an der Universität St. Gallen und deren Life-Long-Learning-Strategie. Sie wurde unter ihrem ehemaligen Rektor und heutigen Börsenpräsidenten Peter Gomez forciert. Aber auch im ursprünglichen Angebotsportfolio der Executive School of Management, Technology and Law, kurz ES-HSG - unter ihr sind sämtliche Weiterbildungsveranstaltungen zusammengefasst -, gab es zu Beginn wenige Kurse mit einem speziellen Schwergewicht auf gestandene Führungskräfte.

Es war der HSG Alumnus und bekannte Unternehmer sowie Mäzen Henri B. Meier, den diese offensichtliche Lücke störte. Aber er beliess es nicht bei einem latenten Unbehagen, sondern beschloss, seiner Alma Mater eine eigene Schule zu sponsern. Das war die Geburtsstunde der nach ihm benannten Unternehmerschule, die 2006 ihre Pforten öffnete. Bisher sind zwei Programme lanciert worden: Ein Wachstumsprogramm für Technologieunternehmer (TU-HSG) und ein Management Program for the Legal Profession (MLP-HSG). Gegen 200 Führungskräfte haben sich bisher eingeschrieben - Tendenz steigend.

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Geführt wird die Unternehmerschule von Thomas A. Gutzwiller, den Henri B. Meier als Glücksfall bezeichnet, weil er in seiner Karriere dual gefahren ist: Gutzwiller ist HSG-Absolvent, hat seinerzeit eine der grössten schweizerischen Unternehmensberatungsfirmen, die Information Management Group (IMG), aufgebaut, die beim Verkauf mehr als 700 Mitarbeiter weltweit beschäftigte. 1993 habilitierte Gutzwiller. Neben seinem Engagement an der Executive School of Management, Technology and Law an der Universität St. Gallen ist er durch diverse Verwaltungsratsmandate bei Wachstumsfirmen sowie an der ETH Zürich als Lehrbeauftragter verankert.

Wer wird angesprochen?

Zu treffen ist Thomas A. Gutzwiller an einem sonnigen Sommermorgen auf dem Weiterbildungscampus der HSG, der dank illusterer Sponsoren - unter ihnen die Schmidheinys - zu einem der architektonisch interessantesten Gebäude in der schweizerischen Hochschullandschaft zählt und den Übernamen Schmetterlingsbau bekommen hat, weil er wie ein leichtflügliger, durchsichtiger Falter auf dem Rosenberghügel liegt.

Die Henri B. Meier Unternehmerschule lanciert nächstes Jahr ein Advanced Management Program (AMP-HSG). Die Frage nach dem «more of the same» im Weiterbildungswirrwarr, die man sich zurechtgelegt hat, wischt Gutzwiller mit einem einzigen Satz vom Tisch: «Unternehmerisches Wachstum ist nicht gleich konjunkturelles Wachstum.»

Will übersetzt heissen: Egal, ob es der Wirtschaft gut oder schlecht geht, der Unternehmer sollte oder besser noch darf mit seinem bisherigen Erfolgsrezept nicht stillstehen. Das gilt eben nicht nur für Manager, die im Wirbel der Wirtschaftskrise in eine Abwärtsspirale geraten sind, sondern auch für solche, denen es eigentlich bislang gut gelaufen ist, die aber immer mehr Gefahr laufen, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen.

Speziell angesprochen werden im neuen Advanced Management Program obere Führungskräfte,

• die ihren betriebswirtschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Universitäts- bzw. Fachhochschulabschluss und/oder ihren MBA bereits vor mehreren Jahren absolviert haben;

• die bereits erfolgreich in ihrem Beruf agieren und international schon einige Erfahrungen gesammelt haben;

• die als Persönlichkeit im Alter ab ungefähr 40 Jahren in leitender Position mit einer grossen Führungsverantwortung in einer Branche arbeiten, die sich dynamisch verändert hat;

• die als reife und erfahrene Führungskraft weiterhin integral und nachhaltig ein Unternehmen dynamisch führen wollen,

• die HSG Alumnus sind und ihren Abschluss bzw. ihr Doktorat vor 1995 absolviert haben.

Interdisziplinärer Ansatz

Die Programme der Unternehmerschule sind in gewohnter HSG-Manier interdisziplinär zusammengesetzt. Sie sind modular aufgebaut und basieren auf der Tatsache, dass sich verschiedene Disziplinen immer mehr im Schnittmengenbereich überlappen. Das gilt insbesondere für den betriebswirtschaftlichen und den juristischen, aber auch für den ganzen Softskill-Bereich.

Im Gesamtangebot lassen sich bisher drei Stossrichtungen ausmachen: Da ist zum einen das HSG-Diplomprogramm für Technologie-Unternehmer mit dem in solchen Veranstaltungen üblichen modularen Aufbau zu sachlogischen und psychologischen Themen. Hier wie im ganzen Zyklus dient der bekannte St. Galler Managementansatz als Grundlage. Darunter wird das von Professor Hans Ulrich entwickelte Modell verstanden, das schon vor Jahrzehnten das Unternehmen als lebende und lernende Organisation verstand und die Wechselwirkungen von Individuen sowie ihrem geschäftlichen und sozialen Umfeld mit berücksichtigte.

Eine andere Weiterbildung der Henri B. Meier Unternehmerschule richtet sich an Rechtsanwälte, deren Ansatz besonders interessant scheint: Wieso brauchen Rechtsanwälte eine Weiterbildung im unternehmerischen Sinn? Eine logische Frage angesichts der Tatsache, dass sich die Landschaft des Rechts so schnell wandelt wie jene der Gesetzgebung und dass man Weiterbildung eher auf dem Gebiet der Paragrafenreiterei ansiedeln würde. Weit gefehlt: Thomas A. Gutzwiller legt dar, dass Kanzleien immer öfter zu kleinen KMU mutierten und Unternehmenscharakter annehmen würden. Hier sieht er denn auch ein grosses Potenzial für Weiterbildungswillige.